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Silhouetten von dei Männern und einer Frau

Deutsche Börsen-Dynastien Familie Reimann - die Phantome aus der Pfalz

Stand: 27.07.2015, 17:03 Uhr

Was haben der Wasserenthärter Calgon, der Kaffeeröster Jacobs und der Edelschuster Jimmy Choo gemeinsam? Sie alle gehören zum Beteiligungsimperium eines der reichsten und verschwiegensten Familienclans Deutschlands, den Reimanns.

Den Reimanns? Damit ist natürlich nicht die aus RTL bekannte Auswandererfamilie von Konny Reimann gemeint, obwohl sie in der Öffentlichkeit deutlich bekannter sein dürfte als ihre Namensvetter aus der Gegend von Mannheim und Heidelberg.

Niemand weiß nämlich, wie diese Reimanns aussehen, deren Name zwar regelmäßig in den Wirtschaftsnachrichten auftaucht, von deren Mitgliedern es aber kein öffentlich zugängliches Foto gibt. Auch die Holding, in der ihre Beteiligungen gebündelt sind, die Joh. A. Benckiser SE, kurz JAB, kennen in Deutschland nur Insider. Zu den wenig gesicherten Informationen über den Clan gehören die Namen der vier JAB-Anteilseigner: Renate Reimann-Haas, Wolfgang Reimann, Stefan Reimann-Andersen und Matthias Reimann-Andersen.

"Banal oder nicht richtig"

Alle sollen eine naturwissenschaftliche Ausbildung haben und relativ bescheiden leben. Statt im Luxus zu schwelgen, sollen sie ihre Erträge weitgehend im Unternehmen belassen. Sie meiden Jetset-Treffen, sind weder in St. Tropez noch auf Sylt anzutreffen und leisten sich auch keine Luxusyachten wie andere Milliardäre. Aus steuerlichen Gründen haben sie allerdings 2006 ihre Wohnsitze in Deutschland verlassen und sind nach Österreich, Italien und in die Schweiz gezogen.

"Alles andere, was über sie geschrieben wird, ist entweder banal oder nicht richtig“, zitiert die "Wirtschaftswoche" aus dem Umfeld der Familie. Dabei gehören die Reimanns zu den reichsten Familien Deutschlands.

14 Milliarden oder doch schon 20 Milliarden?

Das "Manager-Magazin" schätzte 2014 das Vermögen der vier Reimann-Familien auf 14 Milliarden Euro. Damit belegte der verschwiegene Clan Platz sechs der reichsten Deutschen. Die "Wirtschaftswoche" kommt für dieses Jahr sogar auf 20 Milliarden Euro, nachdem die Eigentümer-Holding JAB kürzlich das Kaffeegeschäft des US-Riesen Mondelez mit der bekannten Marke Jacobs-Kaffee übernommen hat.

Wahrscheinlich ist das Vermögen am Jahresende auch noch höher, hat doch kürzlich der Parfumkonzern Coty, an dem JAB mehrheitlich beteiligt ist, die Kosmetiksparte von P&G geschluckt, einschließlich des deutschen Shampoo-Herstellers Wella.

Aufstieg aus der Pfalz

Der Wert der Beteiligungen summierte sich Ende letztes Jahres Schätzungen zufolge auf 24 Milliarden Euro. Dabei erwirtschafteten die Unternehmen mindestens zwei Milliarden Euro Überschuss. Nach der Übernahme des Kaffeegeschäfts von Mondelez, dem die EU-Kommission im Mai zugestimmt hat, dürfte der Wert der Unternehmen. an denen die Reimanns beteiligt sind, auf rund 30 Milliarden Euro geklettert sein. Tendenz weiter steigend, denn weitere Zukäufe besonders im Kaffeegeschäft seien nur eine Frage der Zeit, berichten Insider.

Der Aufstieg der Familie begann im 19. Jahrhundert in der Pfalz, als der Chemiker Karl Ludwig Reimann zusammen mit Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik gründete, in der sie Salmiak herstellten. Dabei kommen die Firmengründer mit der englischen Firma Reckitt & Sons in Kontakt, die ihnen Wäschestärke liefert - und mit der sie Jahrzehnte später fusionieren. Heute ist Reckitt Benckiser ein global agierender, Milliarden schwerer Konsumgüterkonzern mit Marken wie Calgon, Vanish, dem Süßmittel Natreen oder dem Kondomhersteller Durex.

Vordenker Peter Harf

Als zweites Standbein des Konzerns kam 1992 der Parfumhersteller Coty hinzu. In den späteren Jahren folgte dann der Kauf von Luxusmarken wie dem Schuhersteller Jimmy Choo sowie ab 2012 der Einstieg in das Kaffeegeschäft. Heute ist JAB die weltweite Nummer 2 auf dem Kaffeemarkt hinter Nestlé.

Architekt und Vordenker dieser gewaltigen Expansion ist der Reimann-Vertraute Peter Harf. Der heuerte 1981 nach seinem Studium in Harvard bei der Ludwigshafener Chemiefirma Benckiser an und erwies sich rasch als überragender Stratege. Ihm verdankt die Reimann-Familie letztlich einen Großteil ihres heutigen Wohlstands.

lg

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