Unternehmerlegende

Nick Hayek

Nick Hayek wird 60 Der Rebell aus Biel

Stand: 23.10.2014, 16:12 Uhr

Während sich der Sohn in Paris als Filmemacher versuchte, rettete der Vater den Familienbetrieb mit Hilfe einer neuartigen Plastikuhr. Die Rede ist natürlich vom Uhrenhersteller Swatch, dessen jetziger Chef heute 60 Jahre alt wird.

Nick Hayek stand lange im Schatten seines Vaters Nicolas, und hatte eigentlich auch gar keine Lust in das väterliche Uhrengeschäft im Städtchen Biel einzusteigen. Den jungen Nick zog es nach dem Wirtschaftsstudium in St. Gallen nach Paris, wo er die französische Filmakademie CLCF besuchte und dort Mitte der 80er Jahre sogar eine eigene Produktionsgesellschaft gründete.

Dennoch riss der Kontakt zum Vater und dessen Uhrenmanufaktur Swatch nicht ab, zumal es seinem Vater gelungen war, in den 70er Jahren die Firma vor dem Untergang zu retten, in dem er eine bis dahin kaum denkbare Plastikuhr auf den Markt brachte.

Mit 40 von Paris nach Biel

Im Alter von 40 Jahren kehrte Nick dann doch in die Schweiz zurück und trat in die Firma ein. Als Marketingleiter und Vorstandsmitglied verdiente er sich zunächst seine Sporen, bevor er 2003, im Alter von 49 Jahren, seinen Vater an der Spitze der Konzernleitung ablöste. Der behielt jedoch seinen Posten als Verwaltungsratspräsident bis zu seinem Tod im Sommer 2010 im Alter von 82 Jahren.

Doch auch ohne die Hilfe des Vaters gelang es Nick Hayek, die Swatch-Gruppe weiter zu entwickeln. Seit 2010 hat das Unternehmen den Umsatz von 6,4 Milliarden auf 8,8 Milliarden Franken gesteigert und den Gewinn von 1,1 auf 1,9 Milliarden fast verdoppelt.

"Unschätzbarer Wert"

Wie gut Hayek sein Handwerk beherrscht, wenn es darum geht, die Firma und ihre Produkte zu vermarkten, hat die jüngste Hochzeit des Schauspielers George Clooney gezeigt. An diesem Tag trug Clooney eine weiß-goldene Uhr der Marke Omega, die zur Swatch-Gruppe gehört. Deutlich ist der Schauspieler auf vielen Fotos mit der mehr als 13.000 Franken teuren Uhr zu sehen.

Zufall war das natürlich nicht. Die Uhr kam genau zwei Tage nach der Traumhochzeit in den Handel. "Diese Hochzeit hat für Omega einen unschätzbaren Wert", wird Jean-Claude Biver, Chef der Uhrenmarke Hublot, in einer Schweizer Zeitung zitiert. Ein Inserat in der Zeitung werde rasch vergessen, über die Omega an Clooneys Hochzeit werde man noch viele Jahre reden.

Apple Watch macht keine Angst

Zurücklehnen kann sich Nick Hayek trotzdem nicht. Mit Spannung erwartet die Branche, wie Swatch und die gesamte Uhrenbranche auf intelligente Uhren wie die jüngst lancierte Apple Watch reagieren werden. Bisher scheint das den "Uhrenkönig" aus Biel nicht zu beunruhigen:

"Wir haben uns damit nicht beschäftigt, wir leben nicht im Rhythmus von Cupertino. Für unsere Planungen hat das überhaupt keine Auswirkungen", versicherte er im September. Und Hayek weiter: "Die Schweizer Uhrenindustrie ist unter Druck wegen des Schweizer Frankens, nicht wegen Neuentwicklungen bei Smart-Uhren. Unter Druck sind Firmen, die solche Geräte herstellen."

lg