Buchbesprechung

Buchcover, Tren Griffin:

"Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen" von Tren Griffin Charlie Mungers Vermächtnis

von Andreas Braun

Stand: 14.03.2016, 15:35 Uhr

Der unverzichtbare Partner von Investorenlegende Warren Buffett hat dem Finanzmarkt mit erstaunlicher Konstanz über Jahrzehnte hinweg erstaunliche Renditen entlockt. In seinem Buch hat sich Autor Tren Griffin der Anlagephilosophie Mungers durch viele Zitate, Reden und Statements genähert und dabei ein detailliertes Bild des US-Investors gezeichnet.

Man muss eine "Art Mutant" sein, um an der Börse langfristig erfolgreich zu sein, hat der inzwischen 91-jährige Charlie Munger einmal gesagt. Nur wer sich von den üblichen Emotionen des Anlegers wie Gier und Angst freimachen kann, so Munger, kann die Gelegenheiten nutzen, von denen es an der Börse viele gibt - wenn man die Geduld aufbringt, sie abzuwarten.

Vier Prinzipien des Value Investing

Charlie Munger wie auch sein Partner Warren Buffett standen und stehen mit beiden Beinen auf der Grundlage des "Value Investing" nach ihrem großen Vorbild Benjamin Graham. Die vier Prinzipien dieses Investmentstils ziehen sich wie ein roter Faden auch durch die Geschichte von Buffett und Munger mit ihrer Beteiligungs-Gesellschaft Berkshire Hathaway: Eine Aktie sollte man als proportionale Beteiligung an einem Unternehmen betrachten. Man sollte sie mit einem deutlichen Abschlag zu ihrem inneren Wert kaufen, um einen Sicherheitspuffer aufzubauen. Man sollte den "manisch-depressiven Markt" zu seinem Diener machen und nicht zu seinem Herren. Und man sollte "rational, objektiv und leidenschaftslos" handeln.

Wenn es darum geht, den eigenen Investmentstil von dem eines "Spekulanten" abzugrenzen, nimmt Munger kein Blatt vor den Mund: "Wenn Sie Anleger sind, interessieren Sie sich dafür, wie sich ein Vermögenswert entwickelt. Wenn Sie Spekulant sind, konzentrieren Sie sich meist darauf, was der Kurs tut. Unser Spiel ist das nicht."

Charlie Munger (li.) und Warren Buffett

Charlie Munger (r) und Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Irrungen und Wirrungen der Vergangenheit"

Auch die Technische Analyse steht nicht hoch im Kurs bei Munger, da sie von der These ausgehe, "dass der Schlüssel zu den zukünftigen Aktienkursen in den Irrungen und Wirrungen in der Vergangenheit" liegt, und nicht auf dem inneren Wert des zugrunde liegenden Unternehmens beruht.

Diese "inneren Werte" von Unternehmen zu ermitteln, und die Aktien dann - möglichst mit einem Abschlag - zu kaufen, wenn die Gelegenheit günstig ist, dies ist die Botschaft von Graham, Buffett und auch Munger. Autor Tren Griffin hat die Kriterien, die die beiden Anleger-Gurus nutzen, um einen solchen inneren Wert zu ermitteln, detailliert offen gelegt. Dabei geht es um das Geschick von Unternehmen, bei ihrem Kapitaleinsatz ebenso wie um die Vergütungssysteme in Unternehmen und ganz zu vorderst um die Management-Qualität in den Firmen, wie für Berkshire Hathaway interessant sein könnten.

Auch konkrete Hinweise darauf, wie man eine "Sicherheitsmarge" bei einer Aktie ermittelt, listet Griffin auf, oder aber wie man als Anleger den richtigen Verkaufszeitpunkt bei einem Papier ermittelt.

Alles dieses Wissen eines Value Investors nützt allerdings wenig, wenn man nicht in der Lage ist, sich von den Zwängen und Verlockungen des Aktienmarktes frei zu machen. Es klingt ein bisschen wie eine Mischung aus Kampfruf und Durchhalte-Parole, wenn Buffett und Munger gebetsmühlenartig betonen: 2Der dümmste Grund, eine Aktie zu kaufen ist, weil sie steigt. Und der dümmste Grund sie zu verkaufen ist, weil sie fällt." "Dem habe ich nichts hinzuzufügen" ("I have nothing further to add"), könnte Munger an dieser Stelle noch sagen - diesen Satz, der auch den Titel des Buches ziert, sagt Munger regelmäßig nach Statements von Warren Buffett auf den legendären Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Indexfonds, Value Investing oder Berkshire-Aktie

Kein Zweifel: Wenn es leicht wäre, über Jahre und Jahrzehnte den Markt zu schlagen, würden es mehr Anleger schaffen, als es tatsächlich tun. Munger: "Nur in Lala-Land kann jeder besser sein als der Marktdurchschnitt."

Für den "normalen dummen Anleger" empfiehlt sich laut Munger ein breit aufgesteller passiver Indexfonds als Basis-Anlage. Damit könne man wenigstens fast so viel Performance (wegen der Kosten) einfahren wie der Markt selbst und sei damit in der Regel besser als die Mehrheit der Fondsmanager.

Für alle anderen gibt es ja die Möglichkeit, es selbst einmal mit dem Value-Ansatz zu versuchen. Oder aber einfach die ein oder andere Berkshire-Aktie zu kaufen - und Buffett und Munger den Job machen zu lassen. Das Buch jedenfalls liefert schon einmal das nötige Rüstzeug, um sich selbst als Investor zu versuchen, garniert mit lakonischen, geistreichen und witzigen O-Tönen von Charlie Munger.

Tren Griffin, Charlie Munger: Dem habe ich nichts hinzuzufügen, FinanzBuch Verlag, 2016