Porträt

Bill Gross

Gründer von Pimco Bill Gross: Anleihekönig und Tyrann

von Lothar Gries

Stand: 27.05.2015, 16:45 Uhr

Sein unrühmlicher Abgang im September 2014 bei der einst von ihm gegründeten Fondsgesellschaft Pimco bleibt unvergessen. Wer ist der an der Wall Street als "Anleihekönig" verehrte, von seinen Mitarbeitern als Tyrann beschimpfte Manager?

Bill Gross ist eine jener "Investorenlegenden", die den unglaublichen Anstieg der Finanzmärkte seit den frühen 80er Jahren zu nutzen wussten, um Milliarden zu scheffeln und in die Liga der reichsten Männer Amerikas aufzusteigen. Sein Vermögen wird derzeit auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt.

Gross galt als der beste Rentenfondsmanager des vergangenen Jahrzehnts und wurde vom  Wirtschaftsmagazin "Fortune" einst zum "König der Anleihen" gekrönt. Der von ihm fast 30 Jahre lang verwaltete Fonds, Pimco Total Return, war in seinen Glanzzeiten fast 300 Milliarden Dollar schwer und schaffte die besten Renditen. Fondsmanager auf der ganzen Welt orientierten sich an den Entscheidungen von Bill Gross.

Black Jack in Las Vegas

Geboren wurde Gross im April 1944 in Middletown, einer 50.000-Einwohner-Stadt in Ohio als Sohn eines leitenden Angestellten der AK Stahlwerke. Zehn Jahre später zog die Familie nach Kalifornien. Gross machte zunächst eine Ausbildung zum Psychologen an der Duke University in North Carolina. Das war 1966.

Anschließend ging der junge Gross nach Las Vegas und verbrachte vier Monate mit dem Spielen von Black Jack. Dabei sei es ihm gelungen, seine mitgebrachten 2.000 Dollar zu verfünffachen und mit 10.000 Dollar wieder abzureisen. Die wichtigste Lektion, die er in der Glücksspielstadt gelernt habe, sei gewesen ein Gespür für Risiken zu entwickeln, und darauf zu achten, dass man nicht alle Eier in einen Korb legt, behauptete Gross später.

Navy-Offizier in Vietnam

Von seinem Leben als Investmentmanager ist der damals 23-Jährige aber noch weit entfernt. Zunächst wird er nach Vietnam geschickt, wo er als Marineoffizier auf einem Zerstörer eingesetzt wird. Dabei habe er nach eigenen Angaben, mehr als einmal "Blut an den Händen" gehabt.

Nach dem Militärdienst geht es noch einmal zurück an die Universität, diesmal an die UCLA (University of California in Los Angeles). An der dortigen Anderson School of Management macht er eine Ausbildung zum Master of Bunsiness Administration (MBA). Das war 1971. Damit findet er einen Job bei der Versicherung Pacific Mutual Life, wo er als Analyst für festverzinsliche Wertpapiere arbeitet.

Zwei Billionen Dollar

Nur zwei Jahre später gründet er zusammen mit zwei Partnern seine eigene Firma: die Pacific Investment Management Company, kurz Pimco. Sie beginnt mit einem verwalteten Vermögen von zwölf Millionen Dollar. Knapp 40 Jahre später ist das Portfolio von Pimco auf zwei Billionen Dollar angewachsen.

Der Erfolg von Pimco und seinem Chef Bill Gross ist so einzigartig, dass auch der deutsche Versicherer Allianz darauf aufmerksam wird und die Firma zur Jahrtausendwende schließlich übernimmt - für geschätzte 3,3 Milliarden Dollar. Weil Pimco so erfolgreich war, ließen die Münchner die Kalifornier lange Zeit agieren - bis Bill Gross 2012/2013 der Erfolg verließ und die Anleger begannen Milliarden abzuziehen, weil bei Pimco kein Geld mehr zu verdienen war.

Gefürchteter Tyrann

Kurz vor seinem Rauswurf entschloss sich Gross dann selbst zu handeln - und Pimco im September 2014 zu verlassen. Und obwohl inzwischen 70 Jahre alt, hält der Rentenexperte vom Rentenalter gar nichts. Lieber fängt er noch einmal ganz von vorne an. Bei der Janus Capital Group trat Gross im Herbst letzten Jahres seinen neuen Job als Fondsmanager an.

Seine Mitarbeiter und Untergebenen bei Pimco dürfte das wenig interessieren, quittierten sie den Abgang von Gross doch mit einem Seufzer der Erleichterung. Tatsächlich wurde Gross nicht nur der "Bond-König" geehrt, sondern auch als Tyrann gefürchtet, der mit Schreianfällen und Anschuldigungs-Mails für Angst und Schrecken sorgte.

Mäzen und Stifter

Ganz so herrisch wie vielfach dargestellt scheint Gross vielleicht doch nicht zu sein. Jedenfalls hat sich der in Laguna Beach in Kalifornien lebende Milliardär dazu verpflichtet, sein gesamtes Vermögen zu stiften. 700 Millionen Dollar haben Gross und seine Frau bereits für wohltätige Zwecke ausgegeben. Auch von großen Teilen seiner Briefmarkensammlung - eine der umfangreichsten und wertvollsten der Welt - will sich Gross trennen. Letztes Jahr versteigerte er seine Sammlung britischer Marken und schenkte den Erlös von neun Millionen Dollar der Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Den Großteil der Spenden wickelt Gross über eine Familienstiftung ab, die sich den Themen Gesundheit, medizinische Forschung und Erziehung widmet. Mit persönlichen Geschenken hat diese auch bedürftige amerikanische Familien unterstützt.

In seinem jüngsten Anlageausblick für die Fondsgesellschaft Janus Capital schrieb Gross in einem Beitrag, in dem er über Sterblichkeit sinnierte: "Die Verantwortung für ein Lebenswerk wird mit zunehmendem Alter schwerer, und die Unruhe wird von Jahr zu Jahr ungemütlicher.“