Porträt

 Bill Ackman

Einfluss zählt Bill Ackman, der Aktivist

von Julian Herbst

Stand: 18.05.2015, 12:01 Uhr

Bill Ackman, Gründer und Chef des Hedgefonds Pershing Square Capital Management LP, gehört nach eigener Aussage zu den "activist investors", also denen, die sich aktiv in ihre Beteiligungen einmischen.

Wie Daniel Loeb verschickt auch Bill Ackman gerne deutliche Briefe. So warf er dem Allergan-Vorstand vor, nur das eigene Wohl im Blick zu haben und wegen persönlicher Animositäten lieber verbrannte Erde zu hinterlassen, als das Valeant-Angebot anzunehmen, welches er bevorzugte. Die Klage wegen Insider-Handels sei ein schamloser Versuch, die Übernahme zu verhindern. Letztlich entschied aber Actavias die Übernahme-Schlacht um Allergan für sich.

Ackman scheut keine Konflikte

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ackman vehement, lautstark und öffentlichkeitswirksam in das Management einer Beteiligung einmischt. Bei der Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway stieg Pershing Square 2011 ein, setzte schließlich 2012 nach langem öffentlichen Kampf den alten Vorstand ab und einen genehmen neuen ein. Der Wert von Ackmans Railway-Investment hat sich bis heute mehr als vervierfacht. Bei Fannie Mae und Freddie Mac, den beiden amerikanischen Immobilienfinanzierern, die mit 189 Milliarden Dollar vom Staat gerettet werden mussten, besitzt Ackmans Pershing Square jeweils knapp zehn Prozent der Aktien.

Beide Hypothekenbanken machen wieder satte Gewinne, welche aber zum allergrößten Teil an den Staat gehen, der schon längst mehr Geld kassiert hat, als er einst zur Rettung zahlte. Die Zukunft beider Firmen ist nicht klar, es gibt immer wieder Pläne, sie aufzulösen oder zu verstaatlichen. Ackman wusste um den 2012 gefassten Regierungsbeschluss, als er im Herbst 2013 bei Fannie Mae und Freddie Mac einstieg. Im August 2014 reichte er dennoch Klage gegen die US-Regierung ein. Schlagzeilen und Aufmerksamkeit garantiert.

Icahn, Ackman und der Kampf um Herbalife

Herbalife. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die gab es auch wegen Ackmans Streit mit Carl Icahn. Beide lieferten sich eine bizarre Finanzfehde um den amerikanischen Kosmetik- und Diätprodukte-Hersteller Herbalife. Ackman wirft dem Unternehmen schon lange unlautere Geschäftsmethoden, ein Schneeballsystem, vor. Tatsächlich wurde Herbalife 2011 in Belgien wegen eines solchen Pyramidensystems verurteilt, gewann aber 2013 das Berufungsverfahren. Icahn stört sich daran nicht, er hält 17,3 Prozent der Herbalife-Aktien. Ackman hingegen hat eine Milliarde auf fallende Kurse gesetzt, Kursziel 0 Dollar. 20 Millionen Herbalife-Aktien verkaufte Ackman leer. Er und Icahn lieferten sich im Januar 2013 bei CNBC einen heftigen Schlagabtausch, live on air.

Ackman investiert eine Menge Zeit und Geld in den Kampf um Herbalife: Eine eigene Homepage, eine dreistündige Präsentation, eine 200-seitige Dokumentation vermeintlich illegaler Aktivitäten, erfundener Kunden, Arbeitsrechtsverstöße - er zieht alle Register. Aber auf der anderen Seite sitzt neben Icahn mit George Soros eine weitere Investorenlegende. Dementsprechend ging es mit der Herbalife-Aktie in den vergangenen zwei Jahren rauf und runter. Zwischen 24,24 und 83,51 US-Dollar schwankte der Wert eines Papiers. Mittlerweile haben aber zumindest Icahn und Ackman öffentlich Frieden geschlossen.

Am Golfkurs-Betreiber verschluckt

Zehn Jahre nach der 2004 erfolgten Gründung seines Hedgefonds Pershing Square hat Bill Ackman angekündigt, die Pershing Square Holdings Ltd in London an die Börse zu bringen. Sonst müsse der Fond immer große Bar-Reserven zurückhalten, um aussteigende Investoren auszuzahlen, was mit dem Ziel eines aktiven, Kontroll- und Einfluss-orientierten Investors nicht recht kompatibel sei. Seine Investment-Strategie erklärte Ackman in einem kurzen Video für Bloomberg News und einem langen Video für Big Think.

 Bill Ackman

Bill Ackman. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der 1966 in New York geborene Ackman studierte in Harvard und gründete nach seinem Abschluss 1992 mit einem ehemaligen Kommilitonen David Berkowitz die Investmentfirma Gotham Partners. Zunächst lief alles nach Plan, der Unternehmenswert stieg von drei auf 300 Millionen Dollar. Doch dann machten die beiden Geschäftspartner einen fatalen Fehler, kauften einen großen Anteil eines defizitären Golfkurs-Betreibers und wollten diesen mit einer finanzkräftigen Immobilienfirma verschmelzen, an der sie ebenfalls beteiligt waren. Andere Anteilseigner wehrten sich vor Gericht und siegten. Als dann Investoren ihr Geld von Gotham Partners zurückhaben wollten, machte Ackmans erster Hedgefonds dicht.

Fettige Burger bringen fetten Gewinn

Pershing Square ist also Ackmans zweiter Hedgefonds. Und auch hier sind nicht alle Investments erfolgreich gewesen. Beim Einzelhändler JC Penney stieg er nach drei Jahren aus, da waren die Anteile 600 Millionen Dollar und somit 50 Prozent weniger wert als zum Einstieg. Der Versuch, das Management auszutauschen, war hier misslungen. Auch mit Einzelhändler Target Corp. und dem mittlerweile insolventen Buchhändler Borders Group Inc. machte Ackman nach eigenen Angaben Verluste.

Einen ordentlichen Gewinn hingegen konnte Ackman mit Burger King (jetzt Restaurant Brands) verbuchen. Der Wert seiner Anteile stieg nach dem Kauf der Donutkette Tim Hortons quasi über Nacht um rund 200 Millionen, diesmal sogar ohne dass er öffentlich in Erscheinung trat. Es war Warren Buffett, ein Investor mit völlig anderer Strategie als Ackman, der diesem als Burger King-Berater ein sattes Plus bescherte. Ackman hat Burger King 2012 beim Börsengang unterstützt und besitzt rund zehn Prozent der Fastfood-Kette.

Insgesamt wird Pershing Square auf etwa 15 Milliarden Dollar taxiert. Vor zehn Jahren zum Start waren es 54 Millionen. Das Privatvermögen Ackmans wird auf knapp zwei Milliarden geschätzt. Er hat also ein bisschen Geld übrig, das er verteilen kann. Kaum ein Superreicher, der sich nicht auch Philantrop nennen lassen will. Ackman ist Unterzeichner von "The Giving Pledge", einer Kampagne von Milliardären, die versprechen, mindestens die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden.

1/8

Das Depot von Bill Ackman Von Burgern bis Tiefkühlkost

Restaurant Brands: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 2 Jahre

Restaurant Brands