Porträt

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter

Machtwechsel bei der Deutschen Börse Carsten Kengeter: Investmentbanker wird Börsenchef

Stand: 01.06.2015, 10:38 Uhr

Nach fast zehn Jahren an der Spitze der Deutschen Börse übergibt Reto Francioni heute das Zepter an Carsten Kengeter. Der Investmentbanker will den Kurs von Francioni fortsetzen und das Geschäft in Asien ausbauen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Bilanz der Amtszeit von Reto Francioni

Der Aufsichtsrat spricht von einem Generationswechsel, manche sehen gar einen Kulturwandel. Ab heute übernimmt der frühere oberste Investmentbanker der Schweizer Großbank UBS, Carsten Kengeter, bei der Deutschen Börse das Ruder. Der 48-Jährige beerbt den 59-jährigen Schweizer Reto Francioni, der seit November 2005 oberster Börsen-Chef war. Francioni hinterlässt seinem Nachfolger ein bestelltes Haus: Im vergangenen Jahr konnte der Börsenbetreiber einen Gewinnsprung um 59 Prozent auf 762 Millionen Euro erzielen.

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
102,80
Differenz relativ
-1,81%

Mit Kengeter zieht ein erfahrener Investmentbanker beim Frankfurter Börsenbetreiber ein, der auf eine beeindruckende Karriere in der Bankenwelt zurückblicken kann. Die Laufbahn des Heilbronners begann nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre bei Barclays und Goldman Sachs. Dort übernahm er schnell Leitungsaufgaben und sammelte internationale Erfahrungen, etwa in London und im asiatischen Raum.

UBS-Händlerskandal trübt Bilderbuchkarriere

Der neue Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter (r.), streckt seinem Vorgänger Reto Francioni die Hand entgegen

Carsten Kengeter (r.) Reto Francioni. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Noch größere Bekanntheit erlangte Kengeter als Leiter des Investmentbankings der Schweizer UBS. Dort wurden ihm Erfolge im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren bescheinigt. Zwischenzeitlich war Kengeter mit einem Gehalt von umgerechnet rund neun Millionen Euro einer der Topverdiener der Bank und galt sogar als Kandidat für einen Vorstandsposten.

Bis ihm der Skandal rund um den Händler Kweku Adoboli zum Verhängnis wurde. Dieser verursachte unter Kengeters Leitung einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar. Dadurch geriet auch der Deutsche unter Beschuss. Im Zuge der Umstrukturierung im Investmentbanking verließ Kengeter 2013 das Unternehmen.

Erweckt Kengeter neue Wachstumsfantasie?

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Was erwarten Händler vom neuen Börsenchef?

Da war die Deutsche Börse vermutlich schon auf der Suche nach einem Nachfolger für Francioni, wenn irgendwie möglich "deutschsprachig", hieß es aus Kreisen. Das traf auf Kengeter zu, der auch internationale Erfahrung mitbrachte. Was ihm darüber hinaus zugute kam: Er gilt als teamorientiert und kommunikationsstark.

Der Aufsichtsrat erhofft sich von dem künftigen Vorstandsvorsitzenden neue Impulse. Schließlich mangelt es an Wachstumsfantasien, auch da die Fusionen mit der Euronext und der New York Stock Exchange nicht zustande gekommen sind. "Wir sind sicher, dass Herr Kengeter den erfolgreichen Weg des Unternehmens fortsetzen wird und ihn mit neuen, insbesondere internationalen Impulsen weiter bereichern wird", erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Faber bei der heutigen Hauptversammlung. 100 Tage nach Amtsantritt soll sich Kengeter zu seinen Plänen äußern.

"Kein Strategie-Schwenk"

"Kengeter hat zwar nie bei einer Börse gearbeitet, bringt aber viel Erfahrung als Händler und von der Kundenseite mit", kommentierte Dieter Hein, Aktienanalyst bei Fairesearch, den Chefwechsel. Das könne wertvoll sein. Einen Strategieschwenk erwartet er allerdings nicht. Auch Stefan Bongardt von Independent Research hält Kengeter für "keinen schlechten Griff". "Die Asien-Erfahrung ist wichtig, da dies einer der wenigen Wachstumsmärkte in der Börsenbranche ist", sagte der Aktienanalyst. Er bezweifelt aber, ob die Deutsche Börse in Asien aber wirklich einmal eine bedeutende Rolle spielen könne.

um/ nb