Porträt

Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter

Kengeter beerbt Francioni Carsten Kengeter: Investmentbanker wird Börsenchef

Stand: 19.02.2015, 11:38 Uhr

Carsten Kengeter ist der neue Chef bei der Deutschen Börse. Nachdem der UBS-Investmentbanker über die Affäre rund um Händler Kweku Adoboli gestolpert war, wurde er mit offenen Armen bei dem Frankfurter Börsenbetreiber empfangen.

Ab 1. Juni wird Carsten Kengeter, der frühere oberste Investmentbanker der Schweizer Großbank UBS, bei der Deutschen Börse das Ruder übernehmen. Er beerbt den Schweizer Reto Francioni, der seit Oktober 2005 an der Spitze steht. Der hinterlässt seinem Nachfolger ein bestelltes Haus: Im vergangenen Jahr konnte der Börsenbetreiber einen Gewinnsprung um 59 Prozent auf 762 Millionen Euro erzielen.

Mit dem neuen Börsenchef zieht ein erfahrener Investmentbanker ein, der mit 47 Jahren auf eine beeindruckende Karriere in der Bankenwelt zurückblicken kann. Die Laufbahn des Heilbronners begann nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre bei Barclays und Goldman Sachs. Dort übernahm er schnell Leitungsaufgaben und sammelte internationale Erfahrungen, etwa in London und im asiatischen Raum.

Bilderbuchkarriere bekommt Makel

Noch größere Bekanntheit erlangte Kengeter als Leiter des Investmentbankings der Schweizer UBS. Dort wurden ihm Erfolge im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren bescheinigt. Zwischenzeitlich war Kengeter mit einem Gehalt von umgerechnet rund neun Millionen Euro einer der Topverdiener der Bank und galt sogar als Kandidat für einen Vorstandsposten.

Bis ihm der Skandal rund um den Händler Kweku Adoboli zum Verhängnis wurde. Der verursachte unter Kengeters Leitung einen Verlust in Höhe von 2,3 Milliarden Dollar. Dadurch geriet auch der Deutsche unter Beschuss. Im Zuge der Umstrukturierung im Investmentbanking verließ Kengeter 2013 das Unternehmen.

Erweckt Kengeter neue Wachstumsfantasie?

Da war die Deutsche Börse vermutlich schon auf der Suche nach einem Nachfolger für Francioni, wenn irgendwie möglich "deutschsprachig", hieß es aus Kreisen. Das traf auf Kengeter zu, der auch internationale Erfahrung mitbrachte. Was ihm darüber hinaus zugute kam: Er gilt als teamorientiert und kommunikationsstark.

Der Aufsichtsrat erhofft sich von dem künftigen Vorstandsvorsitzenden neue Impulse. Schließlich mangelt es an Wachstumsfantasien, auch da die Fusionen mit der Euronext und der New York Stock Exchange nicht zustande gekommen sind. 100 Tage nach Amtsantritt soll sich Kengeter zu seinen Plänen äußern.

"Kengeter hat zwar nie bei einer Börse gearbeitet, bringt aber viel Erfahrung als Händler und von der Kundenseite mit", kommentierte Dieter Hein, Aktienanalyst bei Fairesearch, den Chefwechsel. Das könne wertvoll sein. Einen Strategieschwenk erwartet er allerdings nicht. Auch Stefan Bongardt von Independent Research hält Kengeter für "keinen schlechten Griff". "Die Asien-Erfahrung ist wichtig, da dies einer der wenigen Wachstumsmärkte in der Börsenbranche ist", sagte der Aktienanalyst. Ob die Deutsche Börse in Asien aber wirklich einmal eine bedeutende Rolle spielen könne, da ist er skeptisch.

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