Grinell College

Buy and Hold funktioniert Joe Rosenfield - Investieren für den Campus

Stand: 07.08.2015, 16:11 Uhr

Wenige, hoch-lukrative Investments möglichst lange behalten. Das Erfolgsgeheimnis des eher unbekannten, aber von Insidern verehrten US-Investors klingt altmodisch. Aus der Mode gekommen ist es aber nicht.

Eine Aktie verkaufen? Das fiel dem gelernten Juristen und ehemaligen Geschäftsführer einer Einzelhandelskette stets schwer. Nach seiner eigentlichen beruflichen Karriere widmete sich Joseph Frankel Rosenfield ausgiebig der Vermögensvermehrung - allerdings nicht für sich selbst, sondern für die Stiftung des Grinnell College im US-Bundesstaat Iowa, wo der 1904 geborene Rosenfield 1925 seinen Abschluss gemacht hatte.

Aus elf Millionen eine Milliarde Dollar

Dabei startete er im Jahr 1968 mit elf Millionen Dollar an Kapital. Bis zum Jahr 2000, dem Jahr, in dem Rosenfield 96-jährig starb, belief sich das Stiftungs-Vermögen auf rund eine Milliarde Dollar. Grinnell ist damit eines der finanziell am besten ausgestatteten Colleges in den USA.

Rosenfield ging nicht wirklich systematisch bei seinen Investments vor, sondern nutzte wichtige Freundschaften und Bekanntschaften für die ersten Deals, die er im Namen der Stiftung machte. So begegnete er 1967 Warren Buffett, dessen Beteiligungs-Gesellschaft Berkshire Hathaway bereits damals den Ruf hatte, den Markt konstant zu schlagen. Eine erste Investition waren 300 Aktien der Buffett-Holding, für damals 5.252 Dollar.

Bastelbude mit Milliarden-Potenzial

Noch eine Bekanntschaft sollte Rosenfield zu einem überaus luktrativen Aktieninvestment führen. Der ehemalige Grinnell-Absolvent Robert Noyce kontaktierte Rosenfield, um ihm einen Anteil an seiner Firma NM Electronics anzubieten. Daraus wurde später der Chip-Hersteller Intel, dessen Aktienkurs einen kometenhaften Aufstieg aufs Parkett legte. Der Börsengang war erst 1974, also Jahre nach dem Investment von Rosenfields Stiftung, erfolgt.

Noch ein Tipp von Warren Buffett führte dann zu einem schon deutlich größeren Anteil in den Sequoia Fund, einen Investment-Fonds, der seit Jahrzehnten den marktbreiten S&P-500-Index um Längen abgehängt hat. Mehr als die Hälfte der Mittel der Grinnell-Stiftung steckten zwischenzeitlich in dem Investmentfonds.

Ende der 1980er Jahre schließlich erwarb Rosenfield für die Stiftung noch eine Beteiligung im staatlichen Immobilienfinanzierer Freddie Mac. Dessen Aktienkurs sollte in den 1990er Jahren ebenfalls durch die Decke gehen.

Wenige Volltreffer statt breiter Streuung

Eine Streuung des Vermögens über viele Einzelinvestments und damit eine tendenzielle Senkung des Risikos vermied Rosenfield zeitlebens. "Einige Colleges haben mehr Investment Manager als Grinnell Investments", vermerkte das US-Magazin "Money" in einer Würdigung Rosenfields im Jahr 2000. Tatsächlich hatte der Investor immer weniger als 20 Einzeltitel im Portfolio. Darunter aber viele Volltreffer.

"Kaufen und nichts weiter tun"

Neben der bewussten Auswahl einiger weniger Titel war die Beharrlichkeit eines der Hauptmerkmale von Rosenfields Investment-Stil. Die Intel-Beteiligung wurde beispielsweise nur auf Drängen von Gründer Noyce verkauft, der sich in den 1970er Jahren Sorgen um die geschäftliche Entwicklung des Unternehmens machte - mit 4.600 Prozent Gewinn. Die Anteile des TV-Senders WDTN stiegen so schnell im Wert, dass Rosenfield ein "Klumpenrisiko" im Stiftungs-Fonds vermeiden wollte. Eigentlich geschah dies in beiden Fällen gegen den Willen des Investors: "Wenn man eine Aktie mag, sollte man bereit sein sie zu halten - und nichts weiter zu tun", so Rosenfield.

AB