Hackerangriff

Cyberwar an den Börsen Hacker legten "digitale Bombe" in die Nasdaq

Stand: 18.07.2014, 10:17 Uhr

Wie sicher sind die Lebensadern unseres Finanzsystems? Einem Medienbericht zufolge brach im Jahr 2010 eine Gruppe Hacker in das Computersystem der Nasdaq ein, um sich dort monatelang unbehelligt zu bewegen. Waren es die Russen?

Hacker sind einem Medienbericht zufolge vor rund vier Jahren in einer groß angelegten Aktion in die US-Börse Nasdaq eingebrochen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "Bloomberg Businessweek". Demzufolge verdächtigt die NSA russische "Elite-Hacker", in der Nasdaq eine "digitale Bombe" hinterlegt zu haben mit dem Potenzial, die Nasdaq-Rechenzentrale zu sabotieren und der "US-Wirtschaft verheerenden Schaden" zuzufügen.

Wer allerdings genau hinter dem Angriff steckte und welcher Schaden entstand, sei laut "Bloomberg Businessweek" trotz umfangreicher Ermittlungen letztlich immer noch unklar. Aber auch das, was man wohl erfahren hat, ist nicht gerade Vertrauen erweckend: Das FBI habe den Einbruch im Oktober 2010 bemerkt. Angreifer hätten es geschafft, Schadsoftware auf den Computern des Nasdaq zu platzieren.

FBI, CIA und NSA ermitteln

Ein gelbes Taxi fährt an einem Nasdaq-Schriftzug in New York vorbei

Nasdaq-Schriftzug in New York. | Quelle: picture-alliance/dpa

Die Hacker hätten sich monatelang in dem Netzwerk frei bewegen können. Ihr Schadprogramm habe Daten stehlen, aber auch das Computernetzwerk stören können. Die Hacker hätten auch Zugang zu vertraulichen Finanzdaten gehabt. In die Ermittlungen klinkten sich dem Bericht zufolge auch die US-Geheimdienste CIA und NSA ein. Dennoch hätten die Ermittler nicht feststellen können, wer hinter der Attacke steckte, was die Angreifer bezwecken wollten oder welche Daten überhaupt gestohlen worden seien.

Die Ermittler hätten jedoch "mehrere Hinweise auf einen Geheimdienst oder Militär" gefunden, schrieb "Businessweek". Bei den Ermittlungen seien auch Spuren von weiteren Hackern aufgetaucht, die ebenfalls in das Nasdaq-Netzwerk eingebrochen waren.

Börsen unter Feuer

Nach einer Studie des Weltverbands der Börsen (WFE) und der International Organisation of Securities Commissions (IOSCO) wurden im Jahr 2012 etwa die Hälfte aller weltweit befragten Börsen Opfer von Cyber-Attacken. In den USA habe der Anteil sogar 67 Prozent betragen.

Die SEC warnt

Da die internationalen Finanzmärkte abhängig von ständig komplexer werdenden IT-Strukturen sind, werden auch die Sicherheitsrisiken immer größer. Der automatisierte Computerhandel hat zudem einen wachsenden Anteil am Gesamthandel, deshalb könnten Manipulationen hier zu gewaltigen Schäden führen, argumentieren Experten. Netzbedrohungen seien langfristig ein außergewöhnlich ernsthaftes Problem, hatte sich jüngst die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Joe White, zum Thema geäußert.

Mary Jo White

Mary Jo White. | Bildquelle: SEC

Cyber-Sicherheit ist deshalb ein gigantischer und gigantisch wachsender Markt. Das Unternehmen Norton, ein Spezialist für Internetsicherheit, schätzt den jährlichen Gesamtschaden durch Netzkriminalität einer Umfrage in 24 Ländern zufolge (darunter USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien) im Cybercrime-Report für das Jahr 2012 auf satte 388 Milliarden Dollar ein.

Demnach sollen zudem weltweit bis zu 1,5 Millionen Menschen täglich Opfer von Cybercrimes werden, also von Straftaten durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik.

ts