Grace Groner als Sekretärin

Mit nur einer Aktie Grace Groner: Wenn einfach einfach reich macht

Stand: 23.02.2018, 13:32 Uhr

Warren Buffett dürfte fast jedem Börsianer ein Begriff sein, bei Grace Groner dürfte der Bekanntheitsgrad bestenfalls im Promillebereich liegen. Dabei hat Groner während ihres Lebens fast Unglaubliches geschafft.

Die im Jahr 1909 in Lake County im Bundesstaat Illinois geborene Groner legte die Grundlage für ihre gewisse Bekanntheit im Jahr 1935. Da kaufte die Sektretärin drei Aktien ihre Arbeitgebers, des Gesundheitskonzerns Abbott Laboratories zu je 60 Dollar. Zeit ihres Lebens blieb sie Abbott als Arbeitnehmerin treu, auch ihre Abbott-Aktien behielt sie im Depot. Die Dividenden reinvestierte sie sogar.

Als Groner im Jahr 2010 im biblischen Alter von 100 Jahren starb, hinterließ die Investorin sieben Millionen US-Dollar. Natürlich hatte sie da nicht mehr nur drei Abbott-Aktien im Depot. Die Zahl der Papiere hatte sich im Lauf der Jahrzehnte durch zahlreiche Aktiensplits massiv erhöht. Dazu kam die äußerst erfolgreiche Abspaltung Abbvie.

Abbott hat in den vergangenen 45 Jahren jeweils seine Dividende erhöht, das Unternehmen ist damit ein so genannter Dividenden-Aristokrat.

Groner lebte sparsam

Neben ihrem glücklichen Händchen bei der Wahl ihres Arbeitgebers und der damit einhergehenden Aktien-Auswahl trug auch ihre Sparsamkeit zur Vermögensbildung bei. Groner lebte bescheiden in einem einfachen Haus mit nur einem Schlafzimmer, geprägt von den Entbehrungen während der Großen Depression in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die nicht nur in den USA weit verbreitete Lebenseinstellung "Keeping up with the Joneses", also der permanente Wettrennen mit Nachbarn und Bekannten um das vermeintlich aufwändigere und damit bessere Leben, ließ sie kalt.

Die unverheiratete, kinderlose Frau vermachte ihr gesamtes Vermögen dem Lake Forest College, das sie selbst besucht hatte. Allein die jährlichen Dividendenausschüttungen liegen heute bei rund 250.000 Dollar. Ihr Erfolg und ihre Großzügigkeit brachten Groner sogar einen Wikipedia-Eintrag ein.

Natürlich hatte Groner auch einen Menge Glück. Wäre sie beispielsweise in New York geboren und hätte als Sekretärin bei der 1850 gegründeten Bank Lehman Brothers gearbeitet, wäre sie vermutlich als eine größtenteils vermögenslose Frau gestorben. Denn Lehman ging im Jahr 2008 im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise Pleite.

Somit zeigt sich mal wieder: Die Börsenweisheit "Nicht alle Eier in einen Korb" legen, kann zwar durch eine breite Streuung der Anleger möglicherweise die ganz großen Gewinne verhindern - doch die ganz großen Verluste auch.

ME