150 Jahre Goldman Sachs: Blick auf den Goldman Sachs Tower

Goldman Sachs wird 150 Der König feiert Geburtstag

von Lothar Gries

Stand: 16.01.2019, 14:14 Uhr

Die unangefochtene Nummer eins der Wall Street ist Goldman Sachs nicht mehr. Doch noch immer gehört sie zu renommiertesten und mächtigsten Banken der Welt. Dabei waren die Anfänge vor 150 Jahren äußerst bescheiden.

Vor genau 150 Jahren mietete Marcus Goldman unweit der Wall Street in Manhattan ein simples Einzimmerbüro und nannte seine Firma M. Goldman & Company. Damit legte er den Grundstein für eine der heute mächtigsten und angesehensten Banken der Welt.

Weil Bankkredite damals knapp und teuer waren, bot Goldman Tabak- und Diamantenhändlern eine Alternative: Er kaufte ihnen die Schuldscheine ihrer Kunden ab, und veräußerte sie anschließend mit Gewinn an Banken weiter. Er war damit einer der Pioniere im Geschäft mit Wertpapieren, die später Commercial Papers genannt wurden.

Geschäfte liefen prächtig

Die Gewinne mögen anfangs gering gewesen sein, doch die Geschäfte liefen prächtig. Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts verfügte Goldman bereits über 100.000 Dollar Eigenkapital. 1882 war sein Schwiegersohn Samuel Sachs in die Geschäfte eingetreten. Als drei Jahre später auch Goldmans Sohn, Henry, in die Firma eintrat, bekam sie den klangvolleren Namen "M. Goldman & Sachs".

Ein kometenhafter Aufstieg für den erst 1848 in die USA eingewanderten Marcus Goldman. Geboren wurde er 1821 als Mark Goldmann in dem unterfränkischen Dorf Trappstadt als ältestes von fünf Geschwistern. Sein Vater war ein sogenannter "Handelsjud“, der als Viehhändler über die Dörfer zog. Früh schon verließ der Sohn die ärmlichen Verhältnisse, zog zunächst nach Frankfurt am Main und dann nach Amerika. Dort verdingte er sich zunächst als Textilienverkäufer in New Jersey und Philadelphia, bevor er nach dem amerikanischen Bürgerkrieg auf Drängen seiner Gattin nach New York wechselte.

500.000 Dollar Kapital

Eine glückliche Entscheidung, brachte sie Goldman doch Ansehen und Wohlstand. Als das Unternehmen 1896 eingeladen wurde, der New Yorker Börse beizutreten, war es bereits zum erfolgreichsten Verkäufer von Wertpapieren aufgestiegen und verfügte über mehr als 500.000 Dollar Kapital. Goldman selbst hatte sich bereits zwei Jahre zuvor,1894, aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Er starb im Sommer 1904.

Erste Aktienplatzierung

Anfang des 20. Jahrhunderts wagte Goldman Sachs dann etwas ganz Neues: die Platzierung von Aktien an der Börse. Eine erste Emission gelang ihr 1906 im Auftrag der Firma General Cigar. Die Transaktion hatte ein Volumen von 4,5 Millionen Dollar. Dabei entschied sich Goldman außerdem für eine Premiere.

Statt auf der Grundlage der Sachanlagen wurde der Wert der an die Börse strebenden Firma nach ihrer Ertragskraft gemessen. Mit den Emissionen erschloss sich Goldman eine neue, riesige Geldquelle, die sie bald zur Nummer eins dieser Sparte machte. Mehr noch: Die von Goldman Sachs eingeführte Bewertungsmethode wurde zum Standard in der gesamten Finanzbranche.

Sidney Weinberg wird "Mr. Wall Street"

Der Erfolg von Goldman in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird dabei wesentlich von legendären Führungsfiguren wie Gustave Levy und Sidney J. Weinberg bestimmt. Letzterer stieg vom Hausmeistergehilfen mit einem Wochengehalt von drei Dollar zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) auf - und leitete die Bank fast 40 Jahre lang, von 1930 bis 1969. Weinberg, von der Presse "Mr. Wall Street" genannt, lenkte die Bank durch die große Depression der 30er Jahre und die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Später machte er sie wieder zur ersten Adresse der amerikanischen Finanzindustrie.

Eine weitere Zäsur erfolgte 1999. In diesem Jahr beschlossen die Partner in einer historischen Abstimmung, Goldman Sachs an die Börse zu bringen, um das Haus mit mehr Kapital und einer effizienteren Struktur auszustatten. Am 4. Mai 1999 wurden die Aktien unter dem Ticker-Symbol „GS“ zum Handel an der New Yorker Börse zugelassen.

Große Nähe zur Politik

Zu den Eigenheiten von Goldman Sachs gehört auch die Nähe zur Politik. Bereits Henry Goldman beriet den amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson bei der Gründung der Notenbank Federal Reserve. In den 1990er Jahren wurde der Co-Chef von Goldman, Robert Rubin, US-Finanzminister.

2006 folgte Hank Paulson, lange Vorstandschef der Bank, dem Ruf von George W. Bush ins Finanzministerium. Auch an den Schlüsselstellen von Finanzbehörden sitzen immer wieder ehemalige Goldman-Mitarbeiter.

"Government Sachs"

Die Verbindungen sind so eng, dass Goldman in den USA den Spitznamen "Government Sachs" erhielt. Daran hat sich auch nach der Wahl von Donald Trump nichts geändert, ist doch Steven Mnuchin, der derzeitige Finanzminister, ein ehemaliger Partner von Goldman Sachs. Auch Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, ist ein früherer Mitarbeiter von Goldman Sachs.

In ihrer langen Geschichte stand die Bank auch immer wieder im Mittelpunkt von Skandalen. So wurde Goldman Sachs wegen Täuschungen in der letzten Finanzkrise zu einer Strafe von 550 Millionen Dollar verurteilt. Zudem half die Bank mit komplizierten Finanzinstrumenten, das wahre Ausmaß der griechischen Schuldenkrise zu verschleiern. Wirklich geschadet haben ihr all diese Verwicklungen nicht. Sie verdient immer noch Milliarden und ist nach wie vor eine der wichtigsten Säulen der Finanzbranche - weltweit.

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Von Unterfranken in die Welt Goldman Sachs in Bildern

Marcus Goldman

Gründer Marcus Goldman
Den Grundstein für die Bank legte Marcus Goldman. Der 1848 aus Unterfranken eingewanderte Mark Goldmann, Sohn eines jüdischen Viehhändlers, spezialisierte sich auf den Ankauf und Weiterverkauf von Schuldscheinen, den späteren "Commercial Papers".

Die Geschäfte entwickelten sich prächtig. Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts verfügte Goldman bereits über ein Kapital von 100.000 Dollar.