Börsengeschichte(n)

Hans-Hermann Gerloff (l, mit Megafon), einer der Direktoren der Privatbank I.D. Herstatt, gibt am 27. Juni 1974 vor den vor der Bank versammelten Sparern eine Erklärung ab

40 Jahre Herstatt-Pleite "Goldjungs" verzocken Herstatt-Bank

Stand: 26.06.2014, 15:46 Uhr

Mit Devisenspekulationen, die weit über das eingeräumte Limit gingen, trieben sechs junge Händler die Herstatt-Bank im Juni 1974 in die Pleite. Immerhin hatte der spektakuläre Konkurs auch eine gute Seite.

Damals lief genau wie heute gerade die Fußball-WM, die Deutschland mit dem Weltmeistertitel abschloss. Währenddessen spielte sich in der deutschen Bankenszene ein Drama ab: Sparer stehen vor der Hauptniederlassung des Kölner Bankhauses vor verschlossenen Türen und versuchen erfolglos ihr Geld zu retten. Was war passiert?

Nicht in Risiken denken, sondern in Chancen

Einige Mitarbeiter der Bank waren im damals noch neuen Devisenhandel engagiert und verloren dabei die Kontrolle. Im Jahr 1971 wurde das System der festen Wechselkurse aufgegeben, was dem Handel natürlich ganz neue Möglichkeiten bot. Diese intern als "Goldjungs" bezeichneten jungen Händler wollten die sich bietenden Chancen nutzen. Offenbar um jeden Preis.

Die Goldjungs wurden bei den Spekulationen um den Dollar auf dem falschen Fuß erwischt. Danach ging alles den szenetypischen Gang. Sie überschritten die ihnen gesetzten Limits, um die Verluste zu kompensieren. Weitere Verluste kamen dazu, die Summen addierten sich solange, bis es nicht mehr weiterging. Die Parallelen zu Vorgängen der jüngeren Vergangenheit sind auffällig.

Die Lehren aus der Pleite 

Am 26. Juni schloss das Bundesamt für das Kreditwesen die Bank, denn aus den Devisenspekulationen war dem Finanzinstitut ein Verlust von rund 500 Millionen Mark entstanden. Viel zu viel für das vorhandene Eigenkapital. Anders ausgedrückt: Herstatt war pleite, tausende Sparer bangten um ihre Einlagen.

Eine positive Konsequenz der ersten Bankenpleite in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg war die Gründung eines Einlagensicherungsfonds durch die privaten Geldinstitute. Sie wurde vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) im November 1975 beschlossen.

Bank Run 2008 merkel steinbrück hypo real estate. | Quelle: picture-alliance/dpa

Der Fonds schützt nach Angaben des BdB die Einlagen der Kunden bis zu einer gewissen Obergrenze. Damit ist das Geld gemeint, das sie auf dem Girokonto, dem Sparbuch oder als Termingeld angelegt haben. Zudem sind Sparbriefe geschützt, die auf den Namen des Kunden lauten. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen und Inhabereinlagenzertifikate, werden dagegen nicht geschützt, schreibt der BdB.

ts