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Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE

Allianz-Chef wird 60 Glückwunsch, Herr Diekmann

von Robert Minde

Stand: 23.12.2014, 15:58 Uhr

Seit 2003 steht der gebürtige Westfale an der Spitze der Allianz, Europas größter Versicherungsgesellschaft. Mit dem Erreichen des 60. Lebensjahres, der internen Altersgrenze des Unternehmens, gibt Michael Diekmann nun das Zepter an seinen Nachfolger ab. Den Allianz-Konzern hat er maßgeblich geprägt.

Wenn der schon geraume Zeit als Kronprinz geltende Oliver Bäte nach der nächsten Hauptversammlung am 7. Mai das Zepter bei der Allianz übernimmt, ist er in der 125-jährigen Geschichte der Münchener Gesellschaft erst der zehnte Topmanager, dem dies gelingt. Kontinuität ist also angesagt beim europäischen Branchenprimus.

Vorgänger Michael Diekmann, der heute seinen 60. Geburtstag feiert, hat dann über elf Jahre an der Spitze des Konzerns gestanden, für den er seit dem Jahr 1988 arbeitet. Diekmann begann seine Karriere in der Hamburger Niederlassung und lernte das Geschäft dort von der Pike auf.

Henning Schulte-Noelle

Henning Schulte-Noelle. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Es gelang ihm, Konzernchef Schulte-Noelle auf sich aufmerksam zu machen, der sein großer Förderer wurde. In der Folge schickte er Diekmann nach Asien sowie nach Amerika und berief ihn in den Vorstand. Schließlich folgte ihm der Kronprinz im April 2003 auf dem Chefsessel. Henning Schulte-Noelle war von 1991 bis 2003 Vorstandschef der Allianz.

Diekmann hat den Konzern verändert

Blickt man auf die Zeit Diekmanns als Vorstandschef zurück, wird schnell klar, dass er den Konzern maßgeblich umgebaut hat. Auf dem viele Jahre hoch regulierten deutschen Heimatmarkt galt die Allianz nämlich lange Zeit als Inbegriff der klassischen Versicherungstugenden "Sicherheit" und "Stabilität". Was sie sich von den Kunden auch stets gut bezahlen ließ.

Darüber hinaus stand das Haus mit seinen Beteiligungen wie kaum ein Zweiter als Sachwalter der Deutschland AG. Die Krise an den Kapitalmärkten zu Beginn des Jahrtausends traf die Allianz unvorbereitet und tief. Die Aktie stürzte ab und gleich zu Beginn seines Vorstandsmandates musste Diekmann das Kapital erhöhen, um die Löcher zu stopfen.

Standen zuvor betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten trotz eines zunehmend härter werdenden Wettbewerbs nicht im Vordergrund, kam mit dem neuen Chef nun der Schnitt. Denn ausgerechnet der studierte Jurist Diekmann hat den einzelnen Bereichen knallharte ökonomische Vorgaben gemacht. Wer nicht seine Kapitalkosten verdient, bekommt auch kein neues Geld. Mit der lange Jahre üblichen Quersubventioniererei der einzelnen Geschäftsbereiche war es vorbei. Eine neue Ära der Unternehmenskultur hatte begonnen.

Ein Kurs, der ihm bei den Mitarbeitern bis hin zu seinen Vorstandskollegen nicht nur Freunde machte. 2006 kündigte er trotz eines Milliardengewinns den Abbau von 7.500 Arbeitsplätzen an und stand intern deutlich in der Kritik.

Milliardengrab Dresdner Bank

Zu seiner wohl größten Herausforderung zählte die Abwicklung der Dresdner Bank. Die traditionsreiche Banktochter mit ihrer Investmentbanking-Dependance Dresdner Kleinwort Wasserstein schickte sich im Zuge der Finanzkrise an, auch für die Muttergesellschaft Allianz zur existenziellen Gefahr zu werden.

Dresdner Bank-Logo, im Hintergrund der Commerzbank-Turm

Commerzbank. | Quelle: picture-alliance/dpa

Mit Verlust wurde die Bank schließlich 2009 an die kleinere Commerzbank verkauft. Der maßgeblich von Finanzvorstand Paul Achleitner immer wieder verteidigte Ausflug ins Allfinanzgeschäft war schmerzlich zu Ende gegangen. Über 30 Milliarden Euro hatte die Allianz 2001 unter der Ägide von Henning Schulte-Noelle für die grüne Bank auf den Tisch gelegt. Zum Schluss war die Bank kaum mehr fünf Milliarden wert. Die wohl verhängnisvollste Transaktion in der Geschichte der Gesellschaft.

Rosenkrieg bei Pimco

Geerbt hat Diekmann bei seinem Amtsantritt auch den Einstieg beim amerikanischen Asset-Manager Pimco ab dem Jahr 2000. Dieser gehört auch heute noch zum Konzern und ist ein ungleich erfolgreicherer Stützpfeiler des Geschäftsbereiches Asset Management, als es die Dresdner Bank für das Bankgeschäft jemals war.

Mohamed El-Erian (l.) Bill Gross

Mohamed El-Erian (l.) Bill Gross. | Montage: boerse.ARD.de, picture-alliance/dpa

Noch vor kurzem war Diekmann in Sachen Pimco ein letztes Mal als Krisenmanger gefordert, um im Führungsstreit der US-Tochter zu vermitteln. Den Abgang der Rentenfondslegende Bill Gross bei Pimco nach dem unrühmlichen Rosenkrieg mit seinem Vorstandskollegen Mohamed El-Erian konnte aber auch Diekmann nicht verhindern.

Zu Rettungsaktionen à la Pimco muss Diekmann nun erst einmal nicht mehr aufbrechen. Er will mehr Zeit für die Familie haben. "Bei meinen ersten drei Kindern war ich viel unterwegs, aber jetzt, bei meinem Jüngsten, gebe ich mir Mühe", erklärte er jüngst. Zumindest bis zum Jahr 2017, wenn er nach Ablauf der Wartefrist den Aufsichtsratsvorsitz der Allianz übernehmen will. Zunächst aber herzlichen Glückwunsch, Michael Diekmann.