Börsengeschichten

Illustration: Figur in Hängematte träumt von hohen Gewinnanteilen

Hätten Sie's gewusst? Gewinne im Schlaf

Stand: 04.04.2016, 14:29 Uhr

Den Schlusskurs kaufen und zur Eröffnung verkaufen: Diese simple Strategie hat sich beim S&P 500 auch in den vergangenen 20 Jahren als gewinnbringend erwiesen.

Wer träumt nicht davon: im Schlaf Geld verdienen. Was für die meisten Anleger wohl immer ein Wunschtraum bleiben wird, hätte sich für die Käufer eines Indexfonds (ETF) auf den S&P 500 als lukrative Anlage erweisen können.

Die Analysten der Investmentboutique Bespoke Group haben sich jetzt erneut die Mühe gemacht, die Strategie "buy the close, sell the open" (kaufen zum Schlusskurs und verkaufen zum Handelsbeginn) mit der umgekehrten Vorgehensweise ("buy the open, sell the close", kaufen zu Handelsbeginn, verkaufen zum Handelsschluss) zu vergleichen. Was ist lukrativer?

487 Prozent Gewinne

Dazu haben sie die Entwicklung des Indexfonds SPDR S&P 500 zwischen dem 29. Januar 1993 und dem 29. Januar 2016 angeschaut und entsprechend ausgewertet. Das Ergebnis ist in der Grundaussage das gleiche wie anlässlich einer ähnlichen Analyse vor sechs Jahren: Wer dieses Wertpapier zum Schlusskurs gekauft und zum ersten Kurs am anderen Tag wieder verkauft hat, konnte damit gutes Geld verdienen. Wer jedoch morgens gekauft und abends verkauft hat, musste auf die Jahre gesehen Verluste verkraften.

Ganz konkret sind mit der "buy the close, sell the open"-Strategie zwischen 1993 und 2016 aus 100 Dollar 587 Dollar geworden - ein Kursgewinn von 487 Prozent. Dagegen haben Anleger, die systematisch zu Handelsbeginn gekauft und zu Handelsschluss wieder verkauft haben im selben Zeitraum einen Verlust von 21 Prozent erlitten. Aus 100 Dollar wurden 79.

Privatanleger müssen aufpassen

Den Analysten zufolge ließ sich mit Anlagen außerhalb der regulären Handelszeiten deshalb mehr Geld verdienen, weil die Börsen in den Jahren seit 1993 immer wieder großen Schwankungen unterlegen waren, die sich naturgemäß während der Handelszeiten ereigneten. Im ersten Auswertungszeitraum zwischen 1993 und 2010 summierten sich die Gewinne mit der Übernachtstrategie auf 378 Prozent. Dagegen lagen die Verluste beim Handel am gleichen Tag bei 38 Prozent.

Privatanlegern, die nicht über außergewöhnlich gute Bedingungen ihres Brokers verfügen, werden trotzdem Mühe haben, mit einer "buy the close, sell the open"-Strategie ähnlich hohe Gewinne einzufahren wie die Analysten berechnet haben, fallen doch bei jeder Transaktion Gebühren an - auch und gerade bei Indexfonds. Zudem ist es für die meisten Privatanleger aus organisatorischen Gründen kaum möglich, immer genau zu den Schlusskursen zu kaufen und dem ersten Kurs am folgenden Tag zu verkaufen. Doch auch wer sich mit weniger als 487 Prozent Gewinn begnügt, kann mit der "buy-the-close-sell-the-open"-Strategie gutes Geld verdienen.

lg