Gebäude der Deutschen Bundesbank in Frankfurt

Bewegte Geschichte Deutsche Bundesbank wird 60

von Robert Minde

Stand: 26.07.2017, 08:11 Uhr

Die Deutsche Bundesbank hat einen wechselvollen Werdegang, der das Schicksal der Republik und Europas maßgeblich beeinflusst hat. Heute wird sie 60 Jahre alt.

Formell ist sie eine Bundesbehörde wie viele andere auch: Die in Frankfurt am Main ansässige Bundesbank. Sie ist mehr als nur eine Behörde, ein Begriff, dem für viele das Attribut 'verstaubt' anhaftet.

Aber nicht die Bundesbank, die am 26. Juli 1957 durch das Bundesbankgesetz gegründet wurde. Im Kontext der historischen Ereignisse zeigt sich die überragende Bedeutung der Bank und ihrer Vorgängerinstitution, der Bank Deutscher Länder, für das Land und seine Menschen.

Mit der Reichsbank fing alles an

Eigentlich beginnt die Geschichte der Bundesbank im Jahr 1875 mit der Gründung der Deutschen Reichsbank. Sie folgte der Gründung des Kaiserreichs 1871, als die Mark als Goldwährung des Reichs eingeführt wurde. Von einer Unabhängigkeit der Notenbank, wie sie über viele Jahre selbstverständlich war, war zu diesem Zeitpunkt noch nichts bekannt. Die Bank unterstand schlicht dem Reichskanzler.

»Sendung: Wirtschaft am Mittag, Deutschlandfunk, 26.7.2017, 13.35 Uhr«

Inflation 1923, Geldscheine werden abgewogen

Inflation 1923. | Quelle: picture-alliance/dpa

Das änderte sich in der Weimarer Republik, unter der die Befugnisse 1922 auf Druck der Alliierten einzig auf das Direktorium der Reichsbank übergingen. 1924 wurde sie dann endgültig unabhängig, was auch mit den Reparationsforderungen der Siegermächte des Ersten Weltkriegs zu tun hatte. Interessant dabei ist, dass das Eigenkapital der Bank auf tausende private Anleger aufgeteilt war, ähnlich dem heute üblichen Streubesitz bei privaten Aktiengesellschaften. Nach der Inflationszeit, viele Jahre ein schlimmes Trauma für die Deutschen, das bis heute nachwirkt, wurde 1924 die Reichsmark als neue Währung eingeführt.

Spätestens 1939 schalteten dann die Nationalsozialisten die Reichsbank völlig gleich und machten sie zu einem Teil ihrer Kriegsmaschinerie. Die Bank unterstand einzig Adolf Hitler, der sich somit seine Kriegskredite selbst genehmigen konnte. Anfang 1939 brachten eine Reihe von Bankdirektoren ihre Sorge über die Finanzlage des Reiches im Zuge der Aufrüstung zur Sprache - sie wurden entlassen, und manche tauchten dann nach dem Krieg wieder auf. Auch der international anerkannte Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht musste 1939 seinen Hut nehmen.

Die Bank Deutscher Länder

Aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges entstand auf Druck der Siegermächte erneut eine neue Währung (die alte Reichsmark war völlig wertlos) und damit verbunden ein neues Zentralbanksystem. Dieses Mal entstand nach dem Vorbild der amerikanischen Fed ein zweistufiges System aus der Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main und den zugehörigen Banken der Bezirke, den Landeszentralbanken (die seit 2002 allerdings nur noch nachgeordnete Hauptverwaltungen sind).

Karl Bernard

Karl Bernard. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Nach der verhängnisvollen Diktatur wurde erneut die Unabhängigkeit der Bank festgeschrieben, wie auch schon im Gefolge des Ersten Weltkriegs. Ein Punkt, der bis heute für die Bundesbank zentraler Teil ihres Selbstverständnisses ist und so manchem Nachkriegspolitiker in der Folgezeit sauer aufstoßen sollte - unter anderem dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer. Die "Bank Deutscher Länder" wurde zunächst von Karl Bernard und Wilhelm Vocke geführt, die schon zu Reichsbankzeiten tätig waren.

Jetzt ging es stürmisch voran. Die neue Notenbank ging am 1. März 1948 an den Start mit dem Ziel, die Währung und das Geld und Kreditsystem zu festigen. Am 21. Juni 1948 erblickte dann die D-Mark als Nachfolgerin der Reichsmark das Licht der Welt. Mit der neuen Währung waren die Grundlagen für das deutsche Wirtschaftswunder gelegt, anfangs in den Westzonen, später in der 1949 neu gegründeten Bundesrepublik. Kaum jemand konnte ahnen, dass die D-Mark binnen weniger Jahrzehnte zur härtesten und begehrtesten Währung der Welt werden sollte.

Die Bundesbank kommt

Jetzt schlug die Stunde der Bundesbank. Sie trat am 1. August 1957 an die Stelle der Bank Deutscher Länder. Die "neue" Bank hat(te) laut Bundesbankgesetz den Auftrag, die Währung zu sichern und für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs zu sorgen.

Fünfzig-Mark-Schein

Fünfzig-Mark-Schein der Bank Deutscher Länder. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Vor allem die Sicherung der Preisstabilität ist für die Bundesbank bis heute ihr zentrales Anliegen. Die neue Bank ist weiterhin unabhängig von den Weisungen der Bundesregierung und galt über Jahrzehnte als die 'Hüterin der D-Mark'. Oberstes Entscheidungsgremium ist heute der Vorstand mit seinen sechs Mitgliedern (frühere der Zentralbankrat, der sich aus den Direktoriumsmitgliedern der Bundesbank und den Präsidenten der Landeszentralbanken zusammensetzte).

Durch stürmische Zeiten

Fünfzig-Mark-Schein

Letzter Fünfzig-Mark-Schein vor dem Euro. | Bildquelle: Deutsche Bundesbank

Im Zeitablauf sah sich die Bundesbank zahlreichen Herausforderungen gegenüber, bei denen ihre stabilitätspolitische Handschrift immer wieder deutlich zu erkennen war. Ob die Hochinflationszeiten in den 70er Jahren mit dem Zusammenbruch des goldgedeckten "Bretton-Woods"- Währungssystems, die Ölkrise oder die deutsch-deutsche Währungsunion nach dem Fall der Mauer. Im Laufe der Jahre baute sie sich eine historisch einmalige Reputation auf und genoss weltweit höchstes Vertrauen und Respekt.

Sonntagsfahrverbot in der Ölkrise 1973. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Besonders der Weg zum Euro bleibt eng mit der deutschen Währungspolitik verbunden. Am 7. Februar 1992 wurde der Vertrag von Maastricht besiegelt, der in mehreren Stufen die Einführung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion regelte. Am 1. Januar 2002 wurde schließlich der Euro als Bargeld eingeführt, die D-Mark hatte ausgedient. Der Umtausch erfolgte zu allen Startwährungen in einem festen Austauschverhältnis (1,95583 D-Mark für einen Euro). Erinnerungen wurden wach an die Einführung der D-Mark 1948, als es seinerzeit ein "Kopfgeld" von 40 neuen D-Mark gegeben hatte.

Von der Bundesbank zur EZB

Im Zuge der Konvergenz zu einem europäischen Währungssystem übernahm die EZB ab 1999 mit ihrem obersten Entscheidungsgremium, dem EZB-Rat, die neue Geldpolitik in Europa. Als deren Sitz wurde ebenfalls Frankfurt am Main gewählt - was zunächst als Zeichen galt, dass die EZB die Stabilitätspolitik der Bundesbank auch in Euro-Zeiten genau so fortführen würde. Aber die EZB war eben nicht die Kopie der Bundesbank.

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Die Aufgaben der Bundesbank

Waren bei den langen Verhandlungen vor der Gründung der EZB noch deutsche Stabilitätswünsche maßgeblich eingeflossen, fährt die europäische Notenbank unter der Führung des Italieners Mario Draghi schon seit Jahren einen Kurs, den so mancher gestandene Bundesbanker nicht unterschrieben hätte.

So etwa der Ankauf von Staatsanleihen, ja sogar von Unternehmensanleihen, als eine Folge der europäischen Schuldenkrise ab 2010. Zu Zeiten der alten Bundesbank wäre dies wohl kaum eine Option gewesen. Kritiker werfen der EZB denn auch eine verdeckte Staatsfinanzierung vor, mit der sie ihren Auftrag überschreite.

EZB-Gebäude am frühen Morgen

EZB-Gebäude. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mit der Begründung, er mache Geldpolitik für ganz Europa, nicht nur für Deutschland, hat Mario Draghi diese Kritik aber immer wieder zurückgewiesen, und auch vom Europäischen Gerichtshof dafür grünes Licht erhalten. De facto verhindert Draghi derzeit mit seiner Geldpolitik den Zusammenbruch manches südeuropäischen Staates. Griechenland hat hierzu im Rahmen der Eurokrise die Blaupause geliefert.

Was aber passiert, wenn das einstige Schreckgespenst Inflation wieder aufkommt und die EZB dann gezwungen sein wird, die Zinsen zu erhöhen? Dies bei weiter nur mäßigem Wirtschaftswachstum und schwachen Haushalten so manches europäischen Staates. Ein solches Stagflationsszenario könnte ein weiterer markanter Meilenstein der Notenbankgeschichte werden, auch für Deutschland.

Jens Weidmann (l.) Präsident der Bundesbank und EZB-Präsident Mario Draghi im Gespräch

Weidmann und Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die EZB wird jedenfalls auch in diesem Fall eine starke Stellung haben. Bis heute ist sie auf Augenhöhe mit der mächtigen Federal Reserve, was an die Hochzeiten der Bundesbank erinnert, als diese maßgeblich das europäische Zinsniveau determinierte. Sie gilt bei vielen als die einzige europäische Institution, die wirklich funktioniert.

Dr. Jens Weidmann
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Jens Weidmann, der "Schwabe im Geiste"

Die Bundesbank unter ihrem aktuellen Präsidenten Jens Weidmann ist heute Teil des europäischen Systems der Notenbanken und ein Mitglied unter vielen in den Entscheidungsgremien der EZB. Sie ist zudem Teil der deutschen Bankenaufsicht, erstellt wichtige volkswirtschaftliche Analysen für das Land und bleibt ein wichtiger Mahner, wenn es um die geldpolitische Stabilität des Landes geht.

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Karl Bernard

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