Frauen und Männer im Gespräch

Neue Studie zu Vorstandsgehältern Frauen stechen Männer aus

Stand: 08.11.2019, 14:29 Uhr

Das Wehklagen über das Dasein von Frauen in den höchsten deutschen Chefetagen kann vielleicht wieder etwas leiser werden. Denn bei der Vergütung von weiblichen Führungskräften geht es zum Teil rasant aufwärts - anders als bei den Männern.

Im vergangenen Jahr verdienten die Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax im Durchschnitt 2,09 Millionen Euro und damit ein halbes Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Die Durchschnittsvergütung liegt damit 30.000 Euro niedriger als vor sechs Jahren.

"Die zunehmend schwierige konjunkturelle Lage und die durchwachsene Geschäftsentwicklung bei vielen Dax-Konzernen hat zu Gehaltseinbußen bei den Top-Managern geführt", kommentierte Jens Massmann von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Weiterer Rückgang bei den Männern

Besonders hat wurden in den Vorstandsetagen die Männer getroffen. Sie verdienten im Schnitt 1,9 Prozent weniger als 2017. Deutlich aufwärts ging es dagegen für Frauen, die ein Vergütungsplus von 6,9 Prozent verbuchten. Im Schnitt verdienten weibliche Manager 2,27 Millionen Euro. Damit lagen sie im Schnitt 480.000 Euro oder 27 Prozent über dem Niveau der Männer.

Allerdings ist die Entwicklung auch der unterschiedlichen Gehaltshöhe von Dax und den drei Indizes MDax, TecDax und SDax geschuldet. Außerdem sind bei den Indizes der zweiten und dritten Reihe deutlich weniger Frauen in den Vorständen vertreten als im Dax. Kurz gesagt: Wenn Frauen in Vorständen sind, dann hauptsächlich in Dax-Konzernen. Und da wird wegen der Unternehmensgröße eben mehr verdient.

Doch selbst wenn man nur auf Dax-Unternehmen blickt, verdienen weibliche Vorstände im Schnitt 120.000 Euro mehr als ihre männlichen Kollegen.

"Gender Pay Gap geschlossen"

"Der Gender Pay Gap in diesem Segment ist nachhaltig geschlossen", ergänzte Massmann. Als wichtigen Grund nennt er den wachsenden Wunsch der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da geeignete Kandidatinnen knapp seien, steige ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung.

Die Daten beruhen auf einer Untersuchung von EY, bei der allerdings die Vorstandsvorsitzenden ausgeklammert wurden. Denn CEO-Posten werden bisher fast ausschließlich von Männern bekleidet. Außerdem beziehen Vorstandsvorsitzende laut EY deutlich höhere Gehälter als die übrigen Vorstandsmitglieder.

Doch auch deutet sich eine Änderung an. Erst vor kurzem hatte die erste Frau den Sprung an die Spitzes eines Dax-Konzerns geschafft. Jennifer Morgan ist SAP-Co-Chefin und die erste weibliche Vorstandsvorsitzende eines Unternehmens der ersten Börsenliga.

ME