Interview

Florian Homm

Ehemaliger Hedgefonds-Manager Florian Homm: Finanzhai, Missionar, Nichtraucher

von Claudia Wiggenbröker

Stand: 23.10.2015, 12:53 Uhr

Zweifelsohne hat Florian Homm ein bewegtes Leben: Er studierte an der Elite-Uni Harvard, war als Finanzhai tätig. Wurde beschuldigt, angeschossen, inhaftiert. Man erklärte Homm zum Fahndungsziel des FBI, verurteilte ihn aber nie. Heute tritt er als Missionar auf.

Wenn man Florian Homm gegenüber steht, sieht man nicht mehr den Mann mit den Goldringen an jedem Finger. Nicht mehr den Mann, der in den Fußballclub BVB investierte, der sich die Zeit auf protzigen Yachten vertrieb und dicke Zigarren rauchte. Nein, Homm hat dem Rauchen abgeschworen, vor sechs Wochen.

Als er die Frankfurter Börse betritt, trägt er einen grauen, schlichten Anzug, der schon bessere Zeiten gesehen haben mag. Auf Homms Nase thront eine ebenso schlichte Brille. Vielleicht ist all dies Teil einer Inszenierung - aber dann einer guten.

Der ehemalige Finanzhai hat sich einen Unterstützer mitgebracht, der ihm während des Interviews beisteht. Florian Homm ist vorsichtiger geworden. In den USA drohen ihm 225 Jahre Haft, er steht auf der Fahndungsliste des FBI.

Auf die Frage, ob er Angst hat, erwähnt er aber nicht die Sorge um eine mögliche Festnahme - sondern Bedenken wegen all seiner Feinde. Oder, wie er es ausdrückt: "Ich habe mir nicht nur Freunde gemacht."

Harvard-Absolvent und Basketballspieler

Homm wuchs im hessischen Bad Homburg auf. Seine Familie ist kein unbeschriebenes Blatt, der Großonkel mütterlicherseits niemand geringerer als der Unternehmer Josef Neckermann.

"Meine Familie ist nicht sonderlich stolz auf mich", räumt Homm heute ein. Aber Kontakt gebe es schon, auch zu den "Neckermännern".

Bereits in jungen Jahren glänzte Homm mit seinen Talenten. Er war in der deutschen Basketball-Juniorenmannschaft, studiert an der Elite-Uni Harvard. Nach seiner Ausbildung arbeitete der Große - er misst 2,04 Meter - für die Großen: Der Finanzdienstleister Merrill Lynch und die Bank Julius Bär gehörten zu seinen Arbeitgebern.

Florian Homm mit Zigarre vor seiner Finca auf der Insel Mallorca (2007)

Florian Homm im Jahr 2007. | Bildquelle: picture alliance / Tom Solo

Homm, der Finanzhai

Mit 34 Jahren gründete Homm die Investmentfirma Value Management & Research AG. Der Börsenboom machte den Hessen reich. 2001 verließ er seine Firma und setzte die Gesellschaft Absolut Capital Management Holding (ACM) auf.

Mehr als drei Milliarden Dollar soll er eingesammelt haben, um seine Anlagen zu tätigen. Bekannt machte Homm sein Investment in den maroden Fußballclub Borussia Dortmund.

Homms Methoden hingegen waren zu diesem Zeitpunkt bereits berüchtigt: Er soll negative Analysen verbreitet und mit sogenannten Leerverkäufen vom Absturz der Aktien profitiert haben. Die US-Börsenaufsicht warf ihm zudem vor, dass er die Performance seines Fonds ACM künstlich aufgebläht habe. Er habe in spekulative Pennystocks investiert und deren Kurs hochgejubelt.

So soll Homm für die "Überbewertung" seiner Fonds gesorgt haben - statt das Geld seiner Investoren nachhaltig anzulegen. 63 Millionen Dollar habe er so erwirtschaftet, schätzen die Behörden.

Homm bestreitet allerdings, sich strafbar gemacht zu haben.

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"Fakt ist: Ich bin nicht verurteilt"