Wo bleibt das Börsenfieber? Firmen ziehen sich von der Börse zurück

Stand: 09.05.2017, 17:02 Uhr

Trotz des Höhenflugs am deutschen Aktienmarkt ist von Börseneuphorie derzeit wenig zu spüren. Die Zahl der an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen schrumpft zunehmend, warnt das Deutsche Aktieninstitut.

Dax-Rally? Na und, scheinen sich derzeit viele zu sagen - ob Anleger oder Unternehmen. Während der Dax von Rekord zu Rekord eilt, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Die Zahl der privaten Aktionären und Besitzer von Aktienfonds stagniert weiter bei rund neun Millionen Bundesbürgern.

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Und die Firmen machen weiter einen Bogen um den Kapitalmarkt. Schlimmer noch: "Die Zahl der deutschen börsennotierten Unternehmen an der Börse in Frankfurt ist in den letzten vier Jahren von 520 auf heute nur noch 410 gesunken", sagt BASF-Finanzvorstand Hans-Ulrich Engel, der neue Präsident des Deutschen Aktieninstituts. Im selben Zeitraum ist der Dax um über 60 Prozent gestiegen. "Diese Entwicklungen müssen uns zu denken geben", meint Engel.

Schuld ist nach Ansicht des obersten Aktien-Lobbyisten vor allem die zunehmende Regulierung. "Die sinkende Zahl börsennotierter Firmen hat ganz sicher auch mit dem Regulierungsniveau an der Börse zu tun", hadert er. Wer mehr Börsengänge wolle, müsse eine ehrliche Debatte über die Compliance-Pflichten und sonstigen Anforderungen für börsennotierte Unternehmen führen.

Regulierung und Abgeltungssteuer-Debatte schaden

Aucxh die Debatte um die Abgeltungssteuer sei ein gutes Beispiel, was schieflaufen könne. Sollte es tatsählich zur Abschaffung dieser Steuer kommen, fordert der Präsident des Aktieninstituts die Wiedereinführung des Halbeinkünfteverfahrens für Dividenden und eine Steuerfreiheit für Veräußerungsgewinne ab einer gewissen Haltedauer. "Sonst droht eine weitere steuerliche Diskriminierung der Aktienanlage."

Auch bei der Renten-Debatte sollte mehr über die Chancen der Aktie gesprochen werden. "Aktien eignen sich ideal für den langfristigen Aufbau einer prtivaten Zusatzvorsorge." Das belegen, so Engel, unzählige Untersuchungen. Stat den Einsatz von Aktien ganz gezielt zu fördern, dominiere vielerorts die Sorge vor vermeintlichen Risiken. Hier wären mehr Realitätssinn und weniger Beharren auf falschen Vorurteilen gefragt.

IPO-Flaute in Deutschland hält an

Die Lust deutscher Unternehmen auf Börsengänge ist spätestens seit den Brexit-Turbulenzen etwas abgeflaut. Im vergangenen Jahr gab es nur acht Börsenneulinge. mit Innogy, Brain, Senvion, Decheng, Va-Q-Tec, My Bucks, Shop Apotheke und der Eon-Abspaltung Uniper. 2015 hatte es noch fast doppelt so viele, nämlich 15 IPOs gegeben.

Auch das IPO-Jahr 2017 ist schleppend angelaufen. Einzig Aumann traute sich bislang aufs Parkett. Alzchem sagte sein für Februar geplantes IPO kurzfristig ab. Als Eisbrecher könnte sich Siemens erweisen, das seine Medizintechnik-Sparte Healthineers an die Börse bringen will. Oder Metro, der sich in ein Großhandels- und ein Elektronik-Unternehmen aufspaltet. Auch der Hamburger Krankenhauskonzern Asklepios sowie die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management werden als IPO-Kandidaten für dieses Jahr gehandelt.

Neben der Flaute bei Börsengängen sorgen zahlreiche Fusion und Übernahmen dafür, dass immer mehr Unternehmen vom Kurszettel verschwinden.

nb

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