Filmplakat

Filmkritik "Gold" Wenn die Realität spannender als der Film ist

von Fabius Engel

Stand: 08.05.2017, 08:51 Uhr

Vor 20 Jahren wurde mit Bre-X der größte Bergbaubetrug der Geschichte aufgedeckt. Stephen Gaghan inszeniert „Gold" mit Oscar-Preisträger Matthew McConaughey als Drama eines gescheiterten Geschäftsmanns, der feststellen muss, dass Gold manchmal mehr Probleme schafft als beseitigt.

Filmszene aus

Filmszene aus "Gold - Gier hat eine neue Farbe". | Bildquelle: Studiocanal

Grün steht für die Hoffnung, rot für die Liebe und gelb für die Gier, so sind die Farben in den Köpfen vieler Menschen konnotiert. Wenn es nach Stephen Gaghan geht, sollte aber zumindest die Gier eher golden glänzen als im drögen Gelb zu leuchten. Sein aktueller Film „Gold – Gier hat eine neue Farbe“, greift die Geschichte des Bre-X Skandals der 90er Jahre auf und verwandelt ihn in einen von der Gier getrieben Thriller um die Protagonisten Kenny Wells (Matthew McConaughey) und Michael Acosta (Édgar Ramírez).

Kenny Wells, Erbe einer Explorationsfirma, mit der es seit dem Tod seines Vaters stetig bergab geht, träumt immer noch vom großen Fund. Auf seiner Suche nach Gold beleiht er sogar den Schmuck seiner Freundin Kay (Bryce Dallas Howard). Sein Ziel: Den als Popstar in seiner Branche geltenden Geologen Michael Acosta in Indonesien aufzusuchen. Wells vermutet hier das große Gold und kann Acosta, dessen Karriere bisher auch mehr einen One-Hit-Wonder gleicht, überzeugen, ihm bei der Suche zu helfen.

Ohne bisher wirklich Gold gefunden zu haben, verkauft Wells zur Finanzierung der Bohrungen etliche Anleihen. Auf die Frage Acostas, was er denn den Menschen mit der Anleihe verkaufe, antwortete Wells mit „eine Story“- was zählen schon Werte, wenn die Geschichte stimmt? Das fasst die Spekulation um das mögliche Goldvorkommen sehr gut zusammen. Die Gier der Investoren und Anleger nach einem vermeintlichen Vermögen lässt im Film nicht nur die normalen Anleger erblinden. Investment-Banken, Explorationsfirmen und sogar die Wall Street verlangen immer mehr, sodass niemandem der Betrug auffallen wollte.

Erst unabhängige Bohrungen liefern das Ergebnis, dass die Proben durch Flussgold manipuliert wurden - und Acosta scheint spurlos verschwunden. Das Kartenhaus um Wells bricht noch schneller zusammen, als es aufgebaut wurde.

Mehr Drama als Wahrheit

Filmszene aus

Filmszene aus "Gold - Gier hat eine neue Farbe". | Bildquelle: Studiocanal

Der Oscar prämierte Gaghan legt die Geschichte rund um den Goldminen-Skandal in seinem Film mehr als weit aus. So werden neben veränderten Namen auch Personen hinzugedichtet oder weggelassen und Daten vertauscht - alles zu dem Zweck, einen Spannungsbogen bis zum Ende zu erzeugen. Das ist nicht ungewöhnlich oder gar schlimm, immerhin möchte Gaghan hier eben wie im Film eine Story verkaufen und keine Dokumentation drehen.

Trotzdem ist es schade um die Geschichte, denn auch ohne künstliche Veränderung bietet der Skandal mehr als genug Spannung. So entfremdet Gaghan die Finanzgeschäfte um die Goldmine mehr als Mittel zum Zweck, um die Gier der Banken zu inszenieren. Und er stellt Acosta als vermutliches Mastermind dar, was zumindest in der echten Geschichte nicht zu bestätigen ist.

Gleichzeitig misslingt es jedoch, eine wirklich ausgiebige Kritik an der Gier der Unternehmen zu verfassen. Stattessen konzentriert sich der Film mehr auf das Auf und Ab im Leben von Wells und dessen Männerfreundschaft zu Acosta.

Letztendlich versucht der Film zu viele Themen gleichzeitig zu berühren und scheitert darin in Teilen. Besonders das fast schon kitschig anmutende Ende des Films hinterlässt den Zuschauer in dem Gefühl eines Happy Ends. Falls das Gaghans Ziel war, so stellt er sich im eigenen Drama am Ende auf die Seite der Gier und des Goldes. Das Spiel Underdog gegen Wall Street gerät dabei leider in Vergessenheit.