Notenbank-Jubiläum

Federal Reserve-Gebäude in Washington D. C.

100 Jahre Federal Reserve Fed: Wie die Entenjagd zur Blaupause wurde

von Lothar Gries

Stand: 23.12.2013, 14:01 Uhr

Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve, kurz Fed, wird heute 100 Jahre alt. Ihre Bilanz fällt, besonders im Licht der kürzlichen Wirtschafts- und Finanzkrise, verheerend aus. Ein Rückblick.

Einen Tag vor Heiligabend jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem der damalige amerikanische Präsident Woodrow Wilson den Federal Reserve Act unterzeichnete und die Geldversorgung des Landes einer Zentralbank unterstellte.

Einige Jahre zuvor, 1907, hatte eine Finanzkrise in den USA eine schwere Rezession ausgelöst, die den Bankrott zahlreicher Banken zur Folge hatte, weil die USA nicht wie andere Staaten über eine Zentralbank verfügten, die die Geldhäuser hätte retten können.

Legendäre Nacht- und Nebelaktion

Um dies zu ändern, traf sich einige Jahre später, im November 1910, ein illustrer Zirkel von Bankern. US-Senator Nelson W. Aldrich lud sechs Repräsentanten der großen Wall-Street-Häuser, darunter J.P. Morgan, National City Bank of New York (heute: Citibank) sowie der deutschen Privatbank M.M. Warburg zu einem Geheimtreffen auf eine einsame Insel.

Ihren Familien sollten die Herren erzählen, sie führen für ein paar Tage aufs Land zur Entenjagd. In Wirklichkeit ging es in einer legendären Nacht- und Nebelaktion auf die über tausend Kilometer von New York entfernte Ferieninsel Jekyll Island vor der Küste von Georgia. Die Reise hatte nur ein Ziel: ein Konzept zur Gründung der ersten Notenbank der USA zu erstellen.

Das Treffen war so geheim, dass sich die Männer nur mit ihren Vornamen ansprechen durften, um dem Servicepersonal keinen Hinweis darauf zu geben, wer sich in dieser Novemberwoche auf der von Touristen längst verlassenen Insel traf.

Federal Reserve Board of Governors: P. Warburg, J.S. Williams, W.G. Harding, A.C. Miller, C.S. Hamlin, W.G. McAdoo, Fred. Delano. (ca. 1914

Federal Reserve Board of Governors (ca. 1914). | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Unterschiedliche Gründungsgeschichte

Damit unterscheidet sich die Gründungsgeschichte der Fed wesentlich von der europäischer Zentralbanken. Letztere wurden gegründet, um die Finanzierungswünsche der Könige und ihrer Kriege zu ermöglichen, nicht aber um Finanzkrisen zu verhindern und private Geschäftsbanken im Krisenfall vor der Pleite zu bewahren.

Fakt ist, dass 100 Jahre nach ihrer Entstehung die Bilanz der amerikanischen Notenbank äußerst bescheiden ausfällt. Finanzkrisen und Börsencrashs hat die Fed nämlich nicht verhindern können. Während der Großen Depression in den Dreißiger Jahren war die Meinung unter den Fed-Mitgliedern weit verbreitet, dass die Geldpolitik gegen die Wirtschaftskrise machtlos sei. "Mit billigem und im Überfluss vorhandenen Kredit glauben wir nicht, dass die wirtschaftliche Erholung beschleunigt wird, indem man den Kredit billiger und noch reichlicher macht”, argumentierte ein Fed-Vertreter 1930.

Dollar hat dramatisch an Wert verloren

Auch im Hinblick auf eines ihrer zentralen Mandate, die Inflation im Zaum zu halten, ist die Bilanz der Fed äußerst enttäuschend. Haben es doch die Notenbanker nicht vermocht, den Dollar vor Inflation und Entwertung zu schützen. "Gemessen am Dollar von 1913 ist der Greenback heute nur noch fünf Cent wert", stellt die "Wirtschaftswoche" fest.

Kritiker werfen der Fed zudem vor, auch bei ihrem anderen zentralen Mandat, die Wirtschaft zu fördern und die Arbeitslosigkeit zu senken, versagt zu haben. So seien die Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Produktion seit Beginn der Fed größer gewesen als in der Vor-Fed-Zeit.

Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg habe es immer wieder konjunkturelle Schwankungen gegeben, obwohl die Wirtschaft viel stärker diversifiziert war als zuvor und eigentlich eine stabilere Entwicklung habe erwarten können, so die Experten. Auch habe es die Fed im Schnitt der vergangenen 100 Jahre nicht vermocht, die Arbeitslosigkeit in den USA zu senken.

Mitverantwortlich für die Finanzkrise

In den letzten Jahren wird der Fed vorgeworfen, die Aktienmarktblase zur Jahrtausendwende und die weltweite Finanzkrise von 2008 mitverursacht zu haben. So habe sich die Notenbank gerade unter der 19 Jahre dauernden Präsidentschaft von Alan Greenspan in den Dienst der Wall-Street-Banken gestellt, monieren Experten.

Selbst die offizielle Untersuchungskommission der US-Regierung gibt Greenspan und den unter ihm umgesetzten Deregulierungen in der Bankenwelt die Hauptschuld an der Krise. Vor allem die Aufhebung des Glass-Steagall Acts, der die Trennung von Kredit- und Investmentbanken vorsah, sowie die überzogene Niedrigzinspolitik habe in erster Linie den Investmentbanken gedient, die nicht wollten, dass die Party an den Aktienmärkten zu Ende geht. Aus der Politik der niedrigen Zinsen sei schließlich auch die Immobilienkrise entstanden, die 2008 das gesamte Finanzystem ins Wanken brachte.

Privatwirtschaftlich geführt

Janet Yellen designierte Präsidentin FED Federal Reserve

Janet Yellen, Federal Reserve. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Wirklich überraschend ist die laxe Geldpolitik der Fed nicht, ist sie doch anders als die Europäische Zentralbank oder die Bank of England keine staatliche Institution. Vielmehr besteht das Federal Reserve System aus zwölf regionalen Zentralbanken, die privatwirtschaftlich geführt werden und rund 3.000 Mitgliedsbanken gehören. Dabei sind die Wall-Street-Häuser die einflussreichsten Anteilseigner. Sie bestimmen auch die jeweiligen Führungsgremien der regionalen Fed-Banken mit.

Doch auch der Staat spielt eine entscheidende Rolle. Der Fed-Chef und die sieben Mitglieder des Board of Governors werden durch den US-Präsidenten ernannt und vom Kongress bestätigt. Seine Mitglieder stellen auch die Mehrheit im zwölfköpfigen Offenmarktausschuss der Fed, der die Geldmenge und den Leitzins bestimmt.

Im Internet hält sich übrigens hartnäckig die These, Präsident Wilson habe später bedauert, dem von den Geschäftsbanken entworfenen Plan zur Gründung der Fed zugestimmt zu haben. Diese wird allerdings von Wilson-Biographen bestritten.

Wie dem auch sei, die Fed betritt im 101. Jahr ihres Bestehens Neuland: Ab dem 1. Februar 2014 wird mit Janet Yellen erstmals eine Frau die Geschicke der Federal Reserve bestimmen.

Alle Kommentare (11)

Kommentar von "B.Bernanke" am 24.12.2013, 05:47 Uhr

Das ist von den Banken und Regierungen so gewollt und funktioniert prima, halt nur nicht fuer den Sparer. Diese Banken sagen das auch einem direkt ins Gesicht, minimale zu erwartende Inflation, also Abwertung von 2% ! Darueberhinaus sind alle Papiergeldsparer die Erspartes auf einem Konto haben, der zyprischen Gefahr von Counter Party Risk ausgesetzt. Wenn die Bank zumacht oder es neue "Spielregeln" gibt, kommt mann halt nicht an das Ersparte (in vollem Umfang) ran. Also wer so dumm ist sein Wohlstand einer Bank dieser Pleitebanken auf einem Konto mit "Minizinsen" anzuvertrauen, ist selber schuld und verdient es dieses in vielleicht einem bail-in oder Geldreform mit massiver Abwertung zu verlieren. Waere ja auch mal gut wen die Tagesschau vielleicht mal etwas mehr als nur 1000 Zeichen zum kommentieren freigeben.

Kommentar von "B.Bernanke" am 24.12.2013, 05:46 Uhr

Alle Zentralbanken sind prinzipiell kriminelle Organisationen. Mit einem (Haupt)Auftrag, die Schulden der Regierungen fuer z.B. Kriege zu finanzieren. Die Zinsen die darauf anfallen werden bequemerweise von den Regierungen auf die Buerger abgewaelzt. Der gemeine Buerger stellt das nicht weiter infrage und ist daran gewoehnt als Steueresel misbraucht zu werden. Diese Banken "drucken" Waehrungen und kein Geld, da ist ein feiner Unterschied den die meisten Buerger immer noch nicht verstanden haben. Die Geschichte ist voll von zerfallenen Waehrungen, nun alles wertloses buntes Papier. Das sollte einem zu denken geben ! Als Buerger, sollte man besser Dinge besizten, die diese Banken nicht einfach mal so "drucken" koennen - anfassbare Werte wie z.B. Edelmetalle oder Kunstobjekte. Papier"geld" eignet sich also absolut nicht zur Wertaufbewahrung fuer einen Sparer, da konstant das Papier"Geld" massenhaft "gedruckt" wird und somit schleichend entwertet wird.

Kommentar von "Floridarolf" am 23.12.2013, 15:39 Uhr

Hab Zentralbanken(EZB)nachgelesen.Verstehe ich das richtig? Eine Zentralbank wird vom Staat(Steuerzahler) mit Finanzen ausgestattet? Gewinn Staat(Steuerzahler)= 0% Diese verleiht dann weiter an die Privatbanken? Gewinn Zentralbank ca. 1% Und die Privatbanken leihen es dann wieder dem Staat(Steuerzahler)? Gewinn Privatbanken 5-10% Also wenn das bei uns wirklich so läuft, dann fänd ich es besser, wenn die Privatbanken sich ihre eigene Zentralbank basteln und finanzieren. Nach dem obigen System, zahlen wir dafür uns selbst die Kohle zu leihen und tragen auch noch das Risiko. Also wenn die FED nicht von öffentlicher Hand finanziert wird, hat sie ihre Aufgabe entsprechend den Anforderungen der Eigentümer doch sehr gut erfüllt?Der EZB könnte(Wenn wirklich von öffentlicher Hand finanziert) man das Berichtete vorwerfen, aber nicht der FED als Privatunternehmen. Leider kann ich mich nur auf Wiki beziehen, daher meine Frage an jemanden ders weiß: Woher stammt das Kapital der EZB?

Kommentar von "Georg" am 23.12.2013, 15:00 Uhr

Die EZB ist eine staatliche Bank? Selten so gelacht. Wäre sie das wirklich, dann wäre der Euro ein staatliches Geld und das Problem der Staatsverschuldung gäbe es dann nicht, weil man sich nicht bei sich selbst verschulden kann. Die EZB ist ein Handlanger und eine Marionette der privaten Geschäftsbanken (privat; lat. privare = berauben), welche die EZB vor sich hertreiben. Warum z. B. muss ein Staat alleine für die Tatsache, dass sich Geld in seiner Volkswirtschft im Umlauf befindet, überhaupt Zinsen zahlen? Woher stammt das Geld für die Zinsen und wer kassiert diese? Solche und ähnliche einfachen Fragen sind aber in den Mainstream-Medien tabu. Aber zum Glück merken immer mehr Menschen, dass unser Geldsystem nur ein Taschenspielertrick ist - mit einer mathematisch bedingten permanenten Umvertreilung von Fleißig auf Reich.

Kommentar von "Fox" am 23.12.2013, 14:54 Uhr

@bubelhuz: Wie kommen Sie darauf, die EZB sei Hüterin der Geldwertstabilität? Ihre eigene Rechnung führt das doch ad absurdum. 2 % Inflation haben nichts mit stabilem Geldwert zu tun! Wieso bitte sollen 2% Inflation nötig oder gut seien? Inflation bedeutet immer die schleichende Enteignung der unteren und mittleren Einkommens- und Vermögensschichten; wie schon keynes völlig zu Recht anprangerte. Fakt ist, dass ohne permanente Inflationierung unsere Kreditpyramide zusammenbrechen würde. Die Schaffung dieser Kreditpyramide - allein zum Wohl von Finanzkapital und Großindustrie - wäre ohne das heutige Bank- und Zentralbanksystem gar nicht möglich gewesen. Es ist ein Irrglaube, dass Geldpolitik eine realwirtschaftliche Überproduktionskrise verhindern kann. Im Gegenteil, diese wird nur hinausgezögert und noch aufgebläht. Und dann kommen die Zentralbanker daher und geben sich ungeniert als Feuerwehr aus - obwohl sie den Brand erst mitverursacht oder zumindest kräftig angefacht haben.

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