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Fat Finger Trades – schlimme Finger an der Börse Teure Tippfehler

Silberner Finger drückt auf PC-Taste

Silberfinger (7. Juli 2017)
Von wegen sanftes Ruhekissen Silber: Kurz nach Mitternacht sackte der Silberpreis innerhalb von Sekunden um sieben Prozent auf ein 15-Monats-Tief von 14,86 Dollar ab, um sich danach wieder zu erholen. Experten gehen denn auch von einem "fetten Finger" eines Edelmetallhändlers aus, der sich in der Stückzahl vertan hat.

Fat Finger Trades – schlimme Finger an der Börse Teure Tippfehler

Silberner Finger drückt auf PC-Taste

Silberfinger (7. Juli 2017)
Von wegen sanftes Ruhekissen Silber: Kurz nach Mitternacht sackte der Silberpreis innerhalb von Sekunden um sieben Prozent auf ein 15-Monats-Tief von 14,86 Dollar ab, um sich danach wieder zu erholen. Experten gehen denn auch von einem "fetten Finger" eines Edelmetallhändlers aus, der sich in der Stückzahl vertan hat.

London Stock Exchange LSE

Ich hätte da noch eine Frage… (September 1997)
Du Idiot! Ein Händler an der London Stock Exchange hatte im September 1997 dreimal hintereinander 989.529 Aktien des Unternehmens Zeneca geordert. Das Handelsvolumen hatte einen Wert von knapp 21 Milliarden Pfund – der dreifache Börsenwert des Pharmakonzerns.

Doch die Londoner Börse wurde aufmerksam und fragte lieber noch einmal nach – mit der Rückfrage ersparte sie dem Mann Ausgaben in Höhe von 60 Milliarden Pfund. Eingegeben hatte er nämlich nicht das Kaufvolumen, sondern die sechsstellige Börsen-Kennnummer von Zeneca.

Eine Hand liegt auf einer PC-Tastatur

Der verflixte Ellenbogen (November 1999)
Überhaupt scheint die Londoner Börse über ein gutes Fehlererkennungssystem zu verfügen. So hat sie im November 1999 einen Auftrag über 1,8 Millionen Pfund rasch als Fehleingabe erkannt und rückgängig gemacht.

Ein Broker hatte mit seinem Ellenbogen 600 Mal 16.000 Premier-Oil-Aktien gekauft. Das Volumen des Auftrags hätte dem fünffachen täglichen Handelsvolumen des Wertpapiers entsprochen.

Medikamenten-Verpackungsanlage bei Roche in Kaiseraugst Schweiz

Ein paar Nullen zu viel (Januar 1999)
Der weltweit größte jemals gehandelte Deal einer Einzelaktie fand im Januar 1999 statt. Ein Aktienhändler der UBS gab zu viele Nullen in seinen Rechner ein und kaufte und verkaufte so in weniger als zwei Minuten zehn Millionen Roche-Aktien. Dabei existierten von dem Schweizer Pharmariesen nur sieben Millionen Stück!

Lehman Brothers Bank in New York

Auch Lehman hat ein Nullen-Problem (Mai 2001)
Ein Händler der Investmentbank Lehman Brothers hat im Mai 2001 zeitweise mal eben 30 Milliarden Pfund (44 Milliarden Euro) an Börsenwert vernichtet. Aus Versehen tippte er bei seinen Verkaufsorders zwei Nullen zu viel – und verkaufte damit hundertmal mehr Aktien als er wollte. Der Fehler handelte Lehman Brothers eine Strafe über 20.000 Pfund ein.

UBS-Logo

Aktienanzahl und Preis – wo ist denn da der Unterschied? (Dezember 2001)
Im Dezember 2001 begleitete UBS Warburg den Verkauf neuer Aktien des japanischen Unternehmens Dentsu. Ein Händler vertippte sich und verkaufte versehentlich 610.000 Dentsu-Aktien für 16 Yen das Stück - geplant war eigentlich die Veräußerung von 16 Aktien für 610.000 Yen pro Stück.

Der Fehler ruinierte das Börsendebüt von Dentsu. Die UBS verlor durch die Panne 100 Millionen Dollar, weil sie die Aktien zum Marktpreis zurückkaufen musste.

Vier Silhouetten von Geschäftsmännern vor Dax-Logo

Grenzenlose Verkaufsaufträge, grenzenlose Verluste? (September 2002)
Das ist aber auch verwirrend! Ein Händler an der Derivatebörse Eurex verwechselte im September 2002 die Eingabefelder für Kontraktzahl und Limit. Statt einen Kontrakt zu verkaufen, wenn der Dax 5.180 Punkte erreicht, verkaufte er 5.180 Kontrakte sofort und ohne Limit.

Fünf Stunden später, nachdem der Markt in den freien Fall übergegangen war, machte der Marktbetreiber eine Flut von Deals in diesem Zusammenhang rückgängig.

Bear Stearns-Schriftzug an der Zentrale in New York

Milliarden, Millionen – alles große Zahlen, oder?! (Oktober 2002)
Milliarden und Millionen auseinander zu halten – das ist für manche Menschen gar nicht so einfach. Blöd nur, wenn solche Menschen Aktienhändler sind. Im Oktober 2002 wollte ein Händler von Bear Stearns Aktien im Wert von vier Millionen Dollar verkaufen. Doch tatsächlich jagte er eine Verkaufsorder über vier Milliarden Dollar raus.

Bis der Fehler bemerkt und der Deal gestoppt wurde, hatten schon Wertpapiere im Wert von 600 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Das brockte dem Dow Jones am Ende des Tages ein Minus von 2,3 Prozent ein.

Ryanair-Maschine startet in Zadar, Kroatien

Der Tag, an dem Ryanair abhob (Oktober 2002)
Doch nicht nur Händler, auch Market Maker, also Akteure, die für die Kursstellung verantwortlich sind, machen Fehler. Das mussten die Aktionäre von Ryanair im Oktober 2002 erfahren.

Der Market Maker verwechselte im Oktober 2002 Pfund und Euro und sorgte für einen Kurssprung von 61 Prozent bei der in London gehandelten Ryanair-Aktie.

Fotoball-Spieler

"Fat Football" vermasselt 50-Millionen-Dollar-Deal (September 2006)
Er hatte alles so schön vorbereitet: Ein Händler der Bank of America musste nur noch einmal die Enter-Taste drücken, um einen fertig vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar abzuschließen.

Doch während er so da saß und auf die Anordnung seines Vorgesetzten wartete, warf ein Trainee einen Football quer durch den Raum und traf die Tastatur – inklusive der Enter-Taste.

Der Ball-Werfer handelte sich dabei jedoch nur eine scharfe Rüge ein. Zitat: "Footbälle sind ein übliches Risiko an jedem Handelsplatz, der 'Opfer-Händler' hätte sich gegen diese Möglichkeit absichern müssen."

Japanische Yen-Scheine

Immer diese Anfänger! (Dezember 2005)
Und auch dieser Trainee hat seinem Arbeitgeber ordentlich Nerven gekostet – und Geld: Ein 20-jähriger Trainee des japanischen Traders Mizuho verkaufte 610.000 Aktien des Telekom-Konzern J-Com zu 1 Yen. Eigentlich wollte er aber nur eine Aktie zu 610.000 Yen verkaufen. Vier Versuche von Mizuho, den Deal rückgängig zu machen, scheiterten.

Um das entstandene Minus von 224 Millionen Dollar auszugleichen, wurde das Weihnachtsgeld bei Mizuho gestrichen.

Morgan Stanley-Gebäude in New York

Der verflixte Multiplikator (Februar 2007)
War da was? Ein Händler von Morgan Stanley wollte im Februar 2007 eine Order über 100.000 Wertpapiere abgeben, übersah dabei aber einen automatischen Multiplikator von 1000. Dementsprechend hatte seine Order einen Wert von 10,8 Milliarden Dollar statt der gewünschten 10,8 Millionen Dollar.

Erst nachdem Aktien im Wert von 875,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hatten, wurde der Fehler bemerkt. Obendrein musste Morgan Stanley für den Fehler ihres Händlers 300.000 Dollar Strafe an die Börse New York zahlen. Die Bank hat die Handelsvorschriften am Desk seitdem deutlich verschärft.

Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange bedeckt mit der Hand seine Augen

Flash Crash – Maxi-Kursdesaster in Mini-Zeit (Mai 2010)
Ein vermeintlicher Fat Finger Trade ereignete sich am 6. Mai 2010. Innerhalb von sechs Minuten brach der S&P 500 um fast sechs Prozent ein, der Dow Jones Index verlor zeitweise sogar mehr als neun Prozent (knapp 1.000 Punkte). Manche Aktie verlor binnen weniger Minuten 99 Prozent ihres Werts – nur um sich dann wieder zu erholen.

Zunächst war die Rede davon, dass sich ein Händler bei einer Verkaufsorder vertippt habe und statt auf Taste "M" für "Million" auf die Taste "B" für "Billion", also Milliarden, gedrückt habe.

Auslöser des "Flash Crashs" waren aber wohl vielmehr massenhafte Schein-Verkaufsorders einer einzelnen Firma. Der Hochfrequenzhandel soll das Problem verschärft haben. Der vermeintliche "Verursacher" des Flash Crashs wurde erst im April 2015 in London festgenommen.

Fallende Nikkeikurse an der Tokioter Börse

Deutsche Bank ist ganz "big in Japan" (Juni 2010)
Nur einen Monat später, im Juni 2010, sorgte eine Deutsche-Bank-Tochter für Aufregung am japanischen Aktienmarkt. Die Deutsche Bank Securities hatte direkt nach Handelsauftakt einen Verkaufsauftrag für sechs Millionen Derivate auf den Leitindex Nikkei im Wert von sage und schreibe 150 Milliarden Euro erteilt.

Der Auftrag mit dem zehnfachen Volumen eines normalen Börsentags bescherte dem Nikkei ein Minus von 1,1 Prozent. Bis der Auftrag storniert wurde, hatten Terminkontrakte für 500 Millionen Euro den Besitzer gewechselt.

Deutsche Bank Türme in Frankfurt am Main

Der Sechs-Milliarden-Dollar-Fehler (Juni 2015)
Fünf Jahre später ereignete sich bei der Deutschen Bank wieder ein "Fat-Finger-Fehler". Aus Versehen überwies das größte deutsche Geldhaus sechs Milliarden Dollar an einen Hedgefonds.

Konkret soll ein – noch relativ neuer – Mitarbeiter während der Eingabe der Überweisung auf der Tastatur seines Computers zu oft die Null gedrückt haben. Der Chef war übrigens gerade im Urlaub. Glück für die Deutsche Bank: Einen Tag später war das Geld wieder zurück.