Justitia

Zinsmanipulation Ex-Deutsche-Bank-Händler verurteilt

Stand: 19.07.2018, 15:09 Uhr

Ein ehemaliger Starhändler der Deutschen Bank muss wegen Zinsmanipulationen ins Gefängnis. Christian Bittar wurde heute von einem Londoner Gericht zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten verurteilt.

Bittar war bekannt geworden, weil er 2009 mit 80 Millionen Euro den höchsten Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank zugesprochen bekommen hatte. Der Zinsmanipulationen hatte er sich bereits im März schuldig bekannt.

Bittar soll zusammen mit anderen Händlern von 2005 bis 2009 zum eigenen Vorteil den Euribor manipuliert haben, das europäische Pendant zum Londoner Interbankensatz Libor. Von solchen Zinssätzen hängen Geschäfte und Verträge im dreistelligen Billionen-Volumen ab. Die Deutsche Bank wurde 2015 wegen der Zinsmanipulationen von den amerikanischen und britischen Behörden zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert.

Der ehemalige Barclays-Händler Philippe Moryoussef wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Eine Jury hatte ihn vergangenen Woche für schuldig befunden, zwischen 2005 und 2009 den Euribor manipuliert zu haben. Bei drei weiteren ehemaligen Barclays-Händler hatte sich die Jury vergangene Woche nicht auf ein Urteil einigen können. Das für die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständige britische Serious Fraud Office (SFO) kündigte am Donnerstag an, ein neues Gerichtsverfahren für das Trio anzustreben.

rtr

1/5

Die größten Händlerskandale Galerie

Börsenhändler Nick Leeson wird 1995 aus dem Frankfurter Gefängnis zum Oberlandesgericht gebracht

Nick Leeson: Im Alleingang die Barings Bank ruiniert

"Es tut mir leid." Diesen Zettel fanden die Mitarbeiter von Nick Leeson im Februar 1995 an dessen Computerbildschirm. Von dem jungen Heißsporn, der an der Börse in Singapur rund eine Milliarde Euro Verlust gemacht und damit die traditionsreiche britische Barings Bank ruiniert hatte – keine Spur. Die Flucht des damals 28-Jährigen sollte aber schon nach wenigen Tagen am Frankfurter Flughafen enden. In Singapur wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Betrugs verurteilt.

Vor der Pleite galt Nick Leeson jedoch als brillanter "Mann mit goldenem Händchen", der forsch und dynamisch an Asiens Weltbörsen "zauberte". Mit nur 21 Jahren hatte ihn die Investmentbank Barings nach Singapur geschickt. Dort begann er 1993 unautorisiert zu spekulieren, vornehmlich mit Derivaten auf den Nikkei 225. Auf einem Konto mit der Nummer 88888 häufte er die Verluste an, die er eine ganze Zeit lang mit immer neuen Finanztricks vor der Londoner Zentrale geheim halten konnte. Bis die Bombe im Februar 1995 platzte. Er häufte Verluste in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar an.

Und so hatte ein einziger junger Mann nach mehr als 230 Jahren die Geschichte der Barings Bank mal eben beendet. Bankmanager auf der ganzen Welt hätten durch die Barings-Pleite ihre Lektion gelernt, sagte einst Simon Hills von der British Bankers' Association. Wirklich?