Banken

Deutsche Bank an der Wall Street in New York

Auf 8,25 Millionen Dollar verzichtet Ex-Deutsch-Banker wird zum modernen Robin Hood

Stand: 19.08.2016, 14:49 Uhr

Das ist wahrer Gerechtigkeitssinn. Ein ehemaliger Angestellter der Deutschen Bank schlägt Millionen aus und wird zum Anwalt der Betrogenen. Dabei rechnet er nicht nur mit seinem ehemaligen Arbeitgeber gnadenlos ab. Eine wirklich ungewöhnliche Geschichte.

Denn auf 8,25 Millionen Dollar freiwillig zu verzichten, dazu gehört wahre Größe. Eric Ben-Artzi ist ein solcher Mensch, wie jetzt bekannt wurde. Ben-Artzi, der im Jahr 2010 als Risikomanager für die Deutsche Bank arbeitete, hatte im Jahr 2011 als Kronzeuge unlautere Machenschaften des Geldhauses bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC angezeigt und auch als Kronzeuge fungiert.

Der Vorwurf: Die Deutsche Bank habe in den Jahren zuvor den Wert exotischer Derivate künstlich aufgebläht. Das Urteil: 55 Millionen Dollar musste die Bank als Strafe bezahlen, wegen "unzureichender Bilanzierungskontrollen". Als Belohnung für die Mithilfe bei der Aufdeckung des Gesetzesverstoßes standen Ben-Artzi nun 15 Prozent der Strafsumme von der SEC zu.

"Ich nehme das Geld nicht"

U.S. Securities and Exchange Commission SEC

Bürogebäude der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mit diesen Worten kommentierte der Kronzeuge den warmen Geldregen. Ben-Artzi hat eine ganz eigene Sicht der Dinge. Denn eigentlich seien die Bank und ihre Aktionäre die Opfer, sowie die vielen Menschen, die ihren Arbeitsplatz verloren hätten. Dies schrieb Ben-Artzi jetzt in der "Financial Times". Die Top-Manager mit ihren auf falschen Bilanzen beruhenden Millionen-Boni hätten hingegen die Bank derweil schon verlassen.

Auch die Aufsichtsbehörde SEC bekommt ihr Fett weg. Dass es so lange keine Konsequenzen gegeben habe, habe auch am sogenannten "Drehtür-Effekt" gelegen. Hochrangige Juristen seien nämlich immer mal wieder von der Bank zur SEC gewechselt und umgekehrt. Eine Kritik, die die bei den Banken eigentlich gefürchtete Aufsichtsbehörde nicht gelten lassen will. Alle Verstöße seien zur Anklage gebracht worden, soweit man sie habe beweisen könne, sagte SEC-Manager Andrew Ceresny in einer Stellungnahme.

Ex-Gattin not amused

Ben-Artzis noble Entscheidung gefällt übrigens seiner Ex-Frau überhaupt nicht - wie seine Anwälte forderte sie einen Teil des Geldes ein. Es gab auch noch einen weiteren Kronzeugen, einen Händler, dem der gleiche Betrag zusteht. Nachrichten, dass er das Geld nicht genommen hätte, gibt es keine.

Swap-Geschäfte im verstärkten Blick der Aufsicht

Apropos Derivate - zu der Geschichte passt die Meldung, dass die US-Derivate-Aufsicht CFTC der Deutschen Bank jetzt genauer auf die Finger schaut. Dazu wird eigens ein Aufseher installiert, dessen Einsetzung die Bank am Donnerstag zugestimmt hat. Grund für diese ebenfalls äußerst ungewöhnliche Maßnahme ist ein Systemausfall am 16. April, in dessen Zusammenhang einige Probleme bei öffentlich zugänglichen Informationen noch ungelöst sind. Diese behindern die Aufsicht bei der Bewertung der Risikoposition. Im Oktober hatte die CFTC die Deutsche Bank wegen ihrer Berichterstattung über Swap-Geschäfte bereits mit einer Strafe von 2,5 Millionen Dollar belegt.

Aktie am Dax-Ende

Wieder mal müssen die Aktionäre die Zeche zahlen. Das Papier der Deutschen Bank dümpelt weiter in der Nähe historischer Tiefstsände bei knapp unter zwölf Euro. Mit minus rund 3,7 Prozent liegt das Papier aktuell am Ende des deutschen Auswahlindex.

rm

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