Ein als Geschäftsmann steckt ein Bündel Geldscheine in die Jackentasche

Euribor-Manipulation: Der Prozess beginnt Erst 80 Millionen, dann Knast

Stand: 09.04.2018, 10:20 Uhr

Im Skandal um manipulierte Zinssätze stehen nun mehrere ehemalige Händler von Großbanken vor Gericht. Der ehemalige Deutsche-Bank-Händler Christian Bittar hat das Spiel mit gezinkten Karten bereits zugegeben. Im Jahr 2008 hatte er so einen sagenhaften Bonusanspruch erworben.

80 Millionen Euro! So fantastisch hoch hätte der Bittars Bonus für das Jahr 2008 sein sollen – der höchste Bonus in der Geschichte der Deutschen Bank. Sein Arbeitsvertrag garantierte ihm einen festen Prozentsatz der von ihm erzielten Spekulationsgewinne. So wollte das Management Leistungsanreize setzen, die besten Handels-Talente motivieren und in der Firma halten. Irgendwie ist das wohl schiefgegangen, wie man heute weiß.

Die Hälfte des Rekordbonus behielt die Bank wegen der Ermittlungen in Sachen Zinsmanipulation ein. Bittar hat sich nach Angaben der britischen Strafverfolgungsbehörde SFO (Serious Fraud Office) bereits schuldig bekannt, den europäischen Referenzzinssatz Euribor manipuliert zu haben.

Kein Fancy Car für Mr. Basis Point

Wie Bloomberg berichtet, lebte Mr. Basis Point so sein Spitzname, trotz famoser Bezahlung in London mit Frau und Kindern in für einen Investmentbanker durchaus bescheidenen Umständen, fuhr kein auffälliges Auto. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft. Für den Prozess gegen die Händler, zu denen Mitarbeiter der britischen Barclays und der französischen Société Générale gehören, sind drei Monate angesetzt, mit einem Urteil wird im Sommer gerechnet.

Banner mit der Aufschrift

Banner mit der Aufschrift "Deutsche Bank Betrüger aus Leidenschaft" am Eingang zur Deutsche Bank-Hauptversammlung 2015. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Was könnte auf die Angeklagten zukommen? Vier ehemalige Händler der Bank Barclays sind wegen der Manipulation des Referenz-Zinssatzes Libor in Großbritannien bereits zu zum Teil mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Vom Libor hingen weltweit Finanztransaktionen im Volumen von 450 Billionen Dollar ab. Der Libor ist inzwischen abgeschafft. Der ehemalige UBS - und Citigroup-Händler Tom Hayes war im August 2015 im ersten Libor-Prozess in London wegen der Zinsmanipulationen zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Interne Abläufe besser kontrollieren

Westminster Magistrates Court

Westminster Magistrates Court. | Bildquelle: Imago

Die Zinsmanipulationen der Händler gehören zu den teuren Altlasten der Investmentbanken.  Viele große Häuser, darunter auch die Deutsche Bank, wurden von den Aufsichtsbehörden zu Milliardenstrafen verdonnert. Die Deutsche Bank einigte sich dafür 2015 mit Behörden in Großbritannien und den USA auf eine Rekordbuße von 2,5 Milliarden US-Dollar.

In einer eigenen Untersuchung kam die Deutsche Bank 2015 zu dem Ergebnis, dass "kein gegenwärtiges oder ehemaliges Vorstandsmitglied Kenntnis über das Fehlverhalten im Handelsbereich hatte oder daran beteiligt war". Allerdings sah sich die Bank gezwungen, interne Abläufe und Aufsichtsmechanismen zu verschärfen.

ts/dpa