Merrill Lynch-Büros in New York

Name Merrill Lynch verschwindet Ende einer Institution

Stand: 26.02.2019, 10:51 Uhr

Einst war sie ein Synonym für die "Masters of the Universe", die Investmentbanker, die Milliarden-Transaktionen durchziehen und Millionen verdienen. Nun wird einer der renommiertesten Namen an der Wall Street verschwinden: Merrill Lynch.

Die traditionsreiche Marke verschwindet aus der Welt des Investmentbankings. Die Bank of America, die das über 100 Jahre alte Wall-Street-Haus in der Finanzkrise übernommen hatte, will den Namen im Kapitalmarktgeschäft weitgehend streichen. In der Vermögensverwaltung und Investmentsparte bleibt dann lediglich die Kurzform Merrill als Zweitmarke bestehen.

Mit der Namenstilgung geht ein Stück Wall-Street-Geschichte zuende. Das Kreditinstitut wurde am 6. Januar 1914 durch Charles E. Merrill in der New Yorker Wall Street eröffnet. Im gleichen Jahr trat Edmund C. Lynch in das Unternehmen ein. 1915 wurde die Bank in "Merrill Lynch & Co" umbenannt. In den 1920er Jahren wurden weitere Büros in Detroit, Chicago, Denver und Los Angeles eröffnet und es begann eine rasche Expansion, die unter anderem durch frühe Warnungen vor dem Börsencrash 1929 begünstigt wurde. Im Jahr 1971 ging Merrill Lynch an die Börse.

Aktien für Kleinanleger

Es folgte eine rasche Expansion, das Firmenlogo mit dem Bullen wurde zu einer festen Größe. "Mother Merrill" gilt an der Wall Street als Wegbereiter des Massengeschäfts, der Kleinanleger an die Aktienmärkte holte.

Im Jahr 2006 verhalf Merrill Lynch dem Vermögensverwalter Blackrock dazu, einer der größten Asset Manager der Welt zu werden. Das Investment-Managementgeschäft wurde zusammen mit Blackrock in eine neue Gesellschaft überführt, an der Merrill Lynch knapp die Hälfte der Anteile hielt. Blackrock nutzt den Produktnamen "Merrill Lynch" etwa für Investmentfonds ihrer Kapitalanlagegesellschaft "Merrill Lynch International Investment Funds" (MLIIF).

Milliardenverluste in der Subprime-Krise

Der Crash im Zuge des Kollapses des US-Häusermarkts 2007 brachte das Institut jedoch ins Wanken. Die Bank musste im Geschäftsjahr 2007 bilanzielle Wertberichtigungen in Höhe von 23,2 Milliarden Dollar an ihrem Bestand von amerikanischen Collateralized Debt-Anleihen (CDO) und Subprime-Krediten vornehmen. Der damalige CEO Stanley O’Neal musste das Unternehmen Ende Oktober 2007 verlassen.

Merrill Lynch und Bank of America kündigten im September 2008 den Zusammenschluss beider Institute an, der am 1. Januar 2009 vollzogen wurde. Eine Merrill Lynch-Aktie wurde gegen 0,8595 Aktien der Bank of America-Aktien getauscht, das entsprach einer Übernahmeprämie von 70 Prozent auf den damaligen Kurs.

Ära der Investmentbanken zuende

Der langjährige Chef John Thain war nach der Übernahme bei der Bank of America für den Bereich Global Banking, Securities and Wealth Management verantwortlich. Er wurde allerdings schon Ende Januar 2009 wegen später entdeckter Milliardenlöcher bei Merrill Lynch zum Rücktritt gezwungen.

Das Aus für den Namen Merrill Lynch symbolisiert auch das Ende einer Ära reiner Investmenthäuser in den USA. Mit Goldman Sachs verbleibt nur noch eine reine Investmentbank in der Finanzarena, ihr gegenüber stehen mit der Bank of America, der Citigroup oder JPMorgan Universalbanken, die auch große Investmentbankensparten haben.

AB