Biographie

Buchcover der Elon Musk-Biografie, FinanzBuch Verlag

Elon Musk Der egozentrische Weltverbesserer

von Notker Blechner

Stand: 03.06.2015, 17:28 Uhr

Was der "Ironman" in den Marvel-Comics macht, tut Elon Musk im wahren Leben: Er kämpft für eine saubere Welt mit grünen Energien. Der Tesla-Gründer machte Elektroautos gesellschaftsfähig und krempelte in den USA die Solar-Industrie um. Eine Biographie zeigt, wie der Weltverbesserer wirklich tickt.

Im Silicon Valley gilt er als der derzeit wohl innovativste Unternehmer, der auf den Spuren von Steve Jobs wandelt. An der Wall Street ist er wegen der Erfolgsgeschichte mit Tesla ein Börsenheld. Und in der Auto- und Energie-Industrie wird er gehasst und gefürchtet.

Bessere Welt mit Elektroautos, Solaranlagen und Stromspeichern

Elon Musk will die Welt vor dem Untergang retten - mit immer neuen Utopien und Innovationen. Erst verhalf er den Elektroautos zum Durchbruch - und revolutionierte die Autoproduktion und den -vertrieb. Dann rollte er mit Solarcity den Markt für Solaranlagen auf. Und nun steigt er ins Geschäft mit Stromspeichern für Privathaushalte und Unternehmen ein. Künftig soll jeder seinen grünen Solarstrom daheim speichern und sich autark mit sauberer Energie versorgen.

Wer ist dieser Welt-Visionär Elon Musk? Erstmals gibt ein Buch Einblick in das Leben des 43-jährigen Tech-Unternehmers. Der Wirtschaftsjournalist Ashlee Vance hat im Finanzbuch-Verlag eine Biographie über Musk veröffentlicht - mit dem Titel "Tesla, PayPal, SpaceX - wie Elon Musk die Welt verändert". Auf 368 Seiten beschreibt er einfühlsam, wie aus dem gemobbten Jungen ein erfolgreicher Multi-Millionär wurde. In elf Kapiteln beschreibt er die wichtigsten Stationen in der Karriere Muks. Wer mehr über die Erfolgsstory von Tesla erfahren will, braucht allerdings viel Ausdauer. Sie wird erst in der zweiten Hälfte des Buchs behandelt. Börsenaspekte kommen leider so gut wie nicht vor.

Vorbild Ironman

Iron Man fliegt über den Wolken

Iron Man. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Neben langwierigen Passagen gibt es immer wieder überraschende Aussagen Musks. "Vielleicht habe ich zu viele Comics gelesen", gibt der "da Vinci des 21. Jahrhunderts" im Buch zu. Dort scheine es immer darum zu gehen, die Welt zu retten. So vor allem in den Marvel-Comics. Musks Vorbild ist der "Iron Man", der "Eisenmann", der die bösen Mächte besiegt und für eine sauberere Welt kämpft.

Schon als kleines Kind war der gebürtige Südafrikaner fasziniert von Science Fiction. Er las Tolkiens "Herr der Ringe" und Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis". "Beim Einkaufen ging der kleine Elon manchmal verloren, seine Mutter und sein Bruder fanden ihn dann im nächsten Buchladen, wo er am Boden saß und in einem seiner tranceartigen Zustände las."

Erstes Videospiel mit 12 entwickelt

Heute spricht er von einer "harten Kindheit", die er in Südafrika erlebte. In der Schule wurde er gemobbt und verprügelt, und zuhause litt er nach der Scheidung seiner Eltern unter der "psychologischen Folter" seines Vaters. Er flüchtete in die Welt der Computer und entwickelte mit 12 sein erstes Videospiel namens "Blastar". Zudem bastelte er mit seinem Bruder und seinen Cousins an Sprengstoff und Raketen. "Ich bin froh, dass ich heute noch alle meine Finger habe."

Mit 17 wanderte Musk nach Kanada aus, um dort Physik und Wirtschaft zu studieren. Dann endlich begann sein amerikanischer Traum wahr zu werden. Nach dem Studium zog er nach Kalifornien und arbeitete für Start-ups. Zusammen mit seinem Bruder gründete er 1995 das Web-Angebot Zip2, ein Verzeichnis von Unternehmen mit einem entsprechenden Kartendienst. "Eine Mischung aus Yelp und Google Maps", heißt es im Buch.

Von Zip2 zu X.com

1999 kaufte Compaq die Firma für 307 Millionen Dollar. Musk erhielt 22 Millionen und wurde auf einen Schlag Dotcom-Millionär. Die Millionen steckte er in sein nächstes Projekt, das die Bankenbranche aufmischen soll: den Internetbezahldienst X.com. Größter Konkurrent war das Start-up Confinity unter der Leitung von Max Levchin und Peter Thiel. Nach einem heftigen Preis-Kampf einigen sich die beiden auf eine Fusion. Daraus ging der Dienst PayPal hervor, der 2002 für 1,5 Milliarden Dollar von Ebay gekauft wurde. 250 Millionen davon gingen an Musk.

Tesla-Chef Elon Musk

Tesla-Chef Elon Musk. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Platzen der Internet-Blase hätte Musk fast nicht mehr miterlebt. Beim ersten Urlaub mit seiner Frau Justine nach Südafrika holte er sich die schwerste Form von Malaria. In Kalifornien, wo die Krankheit nach dem Urlaub ausbrach, behandelten ihn die Ärzte falsch, bis Musk beinahe tot war. Erst ein Arzt aus einem anderen Krankenhaus rettete ihn mit einer Höchstdosis des Antibiotikums Doxycyclin. Es dauerte sechs Monate, bis sich Musk wieder völlig erholte. "Ich war dem Tod sehr nahe", sagt er heute. Seine Lektion: "Urlaub machen bringt Dich um."

Der Traum vom Weltall

Einen Teil des Gelds, das er beim PayPal-Verkauf kassiert hatte, investierte der Silicon-Valley-Unternehmer in seinen nächsten Traum: Die Eroberung des Weltraums. 100 Millionen Dollar steckte er in das Raumfahrt-Unternehmen SpaceX. Doch die selbst entwickelte Rakete, die von einem Südsee-Atoll abhob, floppte. Die ersten drei Starts misslangen.

Auch der Einstieg in die Autowelt bei Tesla Motors war schwieriger als gedacht. Der erste Elektro-Sportwagen "Tesla Roadster" verzögerte sich und wurde immer teurer. 2008 standen Musk und Tesla kurz vor der Pleite.

Später Durchbruch

Dann aber gelang doch noch der Durchbruch und Musks Aufstieg zum "Super-Helden". Die Elektroflitzer von Tesla stießen auf große Resonanz und entwickelten sich zum Verkaufshit. 2010 ging Tesla an die Börse. Der Kurs verzehnfachte sich seither.

Auch das Raumfahrt-Abenteuer erlebte ein spätes "Happy-End". Der vierte Start der "Falcon1-"Rakete klappte. Daraufhin bekam SpaceX einen milliardenschweren Auftrag für Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation. Als erstes privates Unternehmen schaffte es SpaceX, mit seiner Falcon-Rakete und der "Dragon"-Kapsel ein unbemanntes Versorgungsraumschiff zur ISS und wieder zurück zu bringen.

Der 43-Jährige weiß aber, dass sein Stern schnell wieder fallen kann - bei der nächsten Rakete, die explodiert oder beim Rückruf seiner Elektroautos. Deshalb tüftelt der rastlose "Ironman" weiter an Innovationen, um die Welt zu verändern und besser zu machen. Nachts schläft er kaum, weil er Angst hat, dass Google-CEO Larry Page eine Flotte von künstlich intelligenten Robotern aufbaut, die in der Lage sind, die Menschheit zu zerstören. "Bin ich verrückt"?, fragt er den Buchautor. Eine wirkliche Antwort darauf lässt Vance offen.

Mitarbeiter werden ausgebeutet

Das Buch gibt andererseits erstaunliche Einblicke in die egozentrischen Charakterzüge des Erfolgs-Unternehmers: Während Musk von den einen gefeiert wird, wird er von anderen gefürchtet oder gar gehasst. In seinen eigenen Unternehmen verlangt er von seinen Mitarbeitern totale Hingabe. Sie müssen auch am Wochenende arbeiten. Wer Tippfehler in E-Mails macht oder nichts Besonderes leistet, wird gefeuert. Seine langjährige Assistentin, die ihn teilweise ganze Nächte betreute, schickte er in den Urlaub, als sie mehr Gehalt forderte. Bei ihrer Rückkehr erklärte er ihr, sie werde nicht mehr gebraucht.

"Wärst Du meine Angestellte, würde ich Dich feuern"

Elon Musk und Ex-Ehefrau Talulah Riley auf dem Sofa in ihrem Haus in Los Angeles

Elon Musk und Ex-Ehefrau Talulah Riley. | Bildquelle: Talulah Riley

Auch im Privatleben scheint Musk eiskalt. Als seine erste Frau Justine sagte, "Ich bin Deine Ehefrau und nicht Deine Angestellte", antwortete er kühl: "Wärst Du meine Angestellte, würde ich Dich feuern." Die Trennung verlief ziemlich gefühlslos. Nachdem er ihr ein Ultimatum stellte, die Ehe noch heute zu retten, bat Justine um mehr Zeit. Musk strich ihr über den Kopf - und ging. Am Mittag waren ihre Kreditkarten gesperrt.

Seine zweite Frau, die englische Schauspielerin Talulah Riley, heirate er gleich zweimal. 18 Monate nach der ersten Trennung vermählte er sich erneut mit ihr. Inzwischen sind sie zum zweiten Mal geschieden. Seither ist Musk wieder Single - und rast von einem Projekt zum nächsten. Sollte es irgendwann mal zu Ende sein, hat Musk nur noch einen Wunsch. "Ich will auf dem Mars sterben." In der SpaceX-Rakete?

1/19

Die wichtigsten Stationen im Leben von Elon Musk Erst gemobbt, dann vergöttert

Klein-Elon Musk mit Telefonhörer

Das frühreife Kind

Darstellung: