Ölgemälde. Schiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie

So fing alles an Eine kurze Geschichte der Dividende

von Angela Göpfert

Stand: 25.04.2018, 06:40 Uhr

Am Anfang standen die "Pfeffersäcke von Amsterdam". Wie ein holländisches Unternehmen im 17. Jahrhundert den Grundstein für die Dividenden-Kultur legte.

Auch wenn die Dividende in Zeiten von Niedrigzinsen derzeit in der Wahrnehmung vieler Anleger eine wahre Renaissance erfährt: Regelmäßige Einnahmen für Aktionäre – das gibt es schon seit rund 400 Jahren.

Traumrenditen für die "Pfeffersäcke"

1602 von niederländischen Kaufleuten gegründet, zahlte die Vereinigte Ostindische Handels-Kompanie (V.O.C.) erstmals 1645 eine Bar-Dividende. Insgesamt verteilte die Kompanie in den knapp 200 Jahren ihres Bestehens 3.600 Prozent Dividende. Das sind im Durchschnitt mehr als 18 Prozent jährlich.

Bis 1645 wurde die Dividende in Form von Naturalien ausgezahlt. Exotische Gewürze wie Ingwer, Zimt und Pfeffer machten die Aktionäre reich. Die Aktionäre hatten denn auch bald ihren Spitznamen weg: die "Pfeffersäcke von Amsterdam".

Ölgemälde: Ein Kaufmannspaar und Schiffe der Niederländische Ostindien-Kompanie

Reich mit Gewürzen: Die Niederländische Ostindien-Kompanie machte es vor . | Bildquelle: picture alliance/akg-images

Die Mutter aller Aktiengesellschaften

Noch heute gilt die V.O.C. vielen Experten als das größte Unternehmen in der Geschichte. Seine wirtschaftliche Stärke beruhte vor allem auf der Kontrolle der Gewürzroute von Hinterindien nach Europa.

Die V.O.C. gilt zudem als Mutter der Aktiengesellschaften moderner Prägung. Die Direktoren beschlossen nämlich 1602 die historisch erstmalige Finanzierung der Kompanie durch die Herausgabe von Aktien.

Eine Finanzierungsmöglichkeit, die schon bald Schule machen und sich in der ganzen Welt ausbreiten sollte. Wichtigstes Mittel, um die Anleger für Aktien zu gewinnen: die Dividende.

Entschädigung für Extra-Risiken

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein waren Aktien-Anleger denn auch weniger an potenziellen Kursgewinnen ihrer Aktien als an hohen Dividendenzahlungen interessiert. Die Dividende sollte Anleger für die höheren Risiken entschädigen, die Aktien im Vergleich zu Anleihen bedeuteten.

Dieses Interesse verschob sich jedoch im Laufe des 20 Jahrhunderts, die Hoffnung auf Kursgewinne gewann bei Aktien-Investments zunehmend an Bedeutung. Viele Unternehmen zogen es von nun an vor, ihre Gewinne zu reinvestieren, anstatt sie an die Anleger auszuschütten.

Ein Wachstumsunternehmen wie Microsoft zahlte erst 2003 die erste Dividende – nach 28 Jahren hoher Wachstumsraten. Seither hat Microsoft seine Dividende Jahr für Jahr erhöht - und verfügt damit trotzdem über eine im amerikanischen Vergleich recht kurze Dividenden-Historie.

Das erste Microsoft-Office

Seit dem ersten Microsoft-Office hat sich viel getan . | Bildquelle: Unternehmen

Von Aristokraten und Königen

Denn in den USA gibt es – im Gegensatz zu Deutschland – eine Vielzahl von Unternehmen mit einer jahrzehntelangen Dividenden-Kultur. So hat etwa Coca-Cola seinen Anteilseignern seit 1893 ununterbrochen eine Dividende gezahlt.

Coca Cola Sixpack-Werbung aus den 1920er -30er Jahren

Die Dividende wird bei Coca-Cola groß geschrieben . | Bildquelle: Unternehmen

Unternehmen, die ihre Dividende mindestens 25 Jahre in Folge erhöht haben, werden in den Rang des "Dividenden-Aristokraten" erhoben. Das Dividenden-Portal Sure Dividend zählt aktuell 53 Dividenden-Aristokraten im S&P 500. In Deutschland erfüllt mit dem Dax-Konzern Fresenius nur ein einziges Unternehmen dieses Kriterium.

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So sehen deutsche Dividenden-Aristokraten aus Die Top 7

Dollarzeichen mit Krone auf Dollarstapel

Amerika, Du hast es besser!
In den Vereinigten Staaten haben Dividenden eine große Tradition. Viele börsennotierte Unternehmen in den USA haben seit mindestens 25 Jahren Jahr für Jahr ihre Dividende erhöht. Für solche fleißigen Dividenden-Zahler hat sich die Bezeichnung "Dividenden-Aristokraten" eingebürgert.