Johanna Quandt steht zwischen ihren beiden Kindern Stefan Quandt und Susanne Klatten

Deutsche Börsen-Dynastien Die Quandts: Hollywoodreife Familien-Saga

Stand: 06.08.2015, 15:12 Uhr

Das Firmenimperium der Familie Quandt gehört zu den größten privaten Industriebeteiligungen Deutschlands. Wie kaum eine zweite Familie präg(t)en die Quandts die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Anfang August 2015 ging eine Ära in der Familie Quandt zuende. In Bad Homburg starb die 89-jährige Johanna Quandt, die Witwe des 1982 verstorbenen Firmen-Patriarchen Herbert Quandt. Dieser hatte zusammen mit seinem Bruder Harald das bereits vor dem Krieg beachtliche Beteiligungsvermögen seines Vaters Günther Quandt weiter vermehrt. Heute stehen Johanna Quandts Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt in der ersten Reihe.

Herausgekommen ist in der Tat Erstaunliches. Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt gehören heute (per Ende 2015 laut Forbes) mit zusammen 34,1 Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen. Wahrscheinlich dürfte die Summe noch höher sein, denn nicht alle Mitglieder des großen Clans stehen so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie Johanna Quandts Kinder. Dabei gilt Diskretion als eines der wichtigsten Markenzeichen der Familie, lautstarke Auftritte sind ihr Ding nicht. Trotzdem liest sich die Geschichte der Quandts und ihrer Beteiligungen spannender als so mancher Thriller.

Die wichtigste Entscheidung des Herbert Quandt

Kern des Wirtschaftsimperiums der Quandt-Dynastie ist heute die 46,7-prozentige Beteiligung der Familie am Münchener Autobauer BMW. Deren aggregierter Wert liegt bei knapp 26 Milliarden Euro, denn BMW gehört zu den weltweit erfolgreichsten Autobauern der Premiumklasse überhaupt.

Logo auf der Fassade der BMW-Zentrale in München

BMW Zentrale. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das war nicht immer so - auf der BMW-Hauptversammlung 1959 stand nicht mehr oder weniger auf der Tagesordnung als der Anschluss an den Konkurrenten und heutigen Erzrivalen Daimler-Benz. Denn BMW war zu dieser Zeit in schwerem Fahrwasser. Herbert Quandt hatte bereits in den fünfziger Jahren damit angefangen, BMW-Aktien zu kaufen. Gleichzeitig war er aber auch Daimler-Aktionär, denn er erkannte die wachsende Bedeutung des Automobils. Eine schwere Entscheidung für Quandt, es sollte die wichtigste seines Lebens werden. Die Kleinaktionäre konnten die Daimler-Pläne verhindern und Quandt pumpte im Rahmen einer Kapitalerhöhung neues Geld in die Firma. Der Anfang vom Aufstieg BMWs war gemacht.

Grundlage des Imperium schon vor dem Krieg gelegt

Das Quandt-Imperium entstand ursprünglich aus Tuchwebereien, die Uniformen produzierten. Der Erste Weltkrieg sorgte für einen sprunghaften Anstieg der Aufträge.

Herbert Quandt

Herbert Quandt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Herbert und Harald Quandts Vater Günther baute danach das Imperium über die wechselhafte deutsche Geschichte weiter aus. Günther Quandt, der 1954 starb, bevorzugte dabei Firmen, die einen hohen Streubesitzanteil aufwiesen. Bis heute gelten solche Firmen als bevorzugte Übernahmeziele, denn ein Investor muss sich nicht mit einem womöglich störrischem Großinvestor auseinandersetzen, ohne dessen Zustimmung meist nichts geht.

Rüstungsindustrie im Fokus

Günther Quandt geriet an die Accumulatoren-AG-Fabrik (AFA), aus der später Varta werden sollte. Quandt überrumpelte das Management und stieg 1922 mit vier Sitzen in den Aufsichtsrat ein. Zuvor hatte er dem Industriellen August Rostberg vom Wintershall-Konzern dabei geholfen, sich auf die Kali-Industrie zu konzentrieren und sammelte dabei wichtige Erfahrungen. Seit den 60er-Jahren gehört Wintershall übrigens zu BASF - ein Deal, bei dem die Quandt-Familie seinerzeit kräftig die Fäden zog.

AFA wie auch die Ende der zwanziger Jahre übernommenen Berlin-Karlsruher-Industriewerke (seit 1936 Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken) waren im Dritten Reich wichtige Rüstungsbetriebe. So baute AFA unter anderem U-Boot-Batterien. Aus der Munitionsfabrik wurde später IWKA, aus der dann wiederum die heutigen Kuka-Werke hervorgingen. Bis 1980 bestand die Quandt-Beteiligung an IWKA.

Während des Krieges wurden gerade bei der AFA aber auch Zwangsarbeiter eingesetzt - ein Makel, der heute noch auf der Geschichte der Familie haftet. Erst 2007 beauftragten die Quandts unabhängige Forscher mit der Aufarbeitung der Familiengeschichte während der NS-Zeit.

Die Stunde von Herbert und Harald Quandt

Mit dem Tod des Vaters Günther wurde das Vermögen zwischen den Söhnen Herbert und Harald aufgeteilt. Harald war der jüngere Halbbruder (geboren 1921) und Sohn von Magda Goebbels, der späteren Frau von Nazigröße Joseph Goebbels. Sie ließ sich 1929 von Günther Quandt scheiden. Dessen erste Frau, Herberts Mutter, war 1918 an der spanischen Grippe gestorben.

Harald Quandt

Harald Quandt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Beide Brüder verstanden sich gut und saßen auch im Aufsichtsrat von Daimler-Benz. Der Clan wurde durch den Tod des damals 45-jährigen Harald bei einem Flugzeugabsturz 1967 jäh auseinandergerissen, denn es gab heftige Auseinandersetzungen mit Haralds Witwe. 1974 verkauften die Quandts ihren 14-prozentigen Daimler-Anteil an das Scheichtum Kuwait - ein Geschäft, das in der alten Bundesrepublik seinerzeit hohe Wellen schlug.

Pantoprazol - ein weiterer Meilenstein im Quandt-Imperium

Susanne Klatten. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nach dem Tod Herbert Quandts 1982 erbte seine damals 19-jährige Tochter Susanne eine kleine Pharmafirma: Altana, ein Unternehmen, das 2002 sogar in den Dax aufsteigen sollte. Der Erfolg kam mit einem einzigen Medikament - dem Magenmittel Pantoprazol. Als klar war, dass sich mit Auslaufen des Patents kein geeigneter Nachfolger für das Wundermedikament fand, verkaufte Susanne die Pharmasparte, die Spezialchemie behielt sie. Im Jahr darauf erhielt sie mit 2,4 Milliarden Euro die höchste Dividende, die jemals an einen Einzelaktionär gezahlt wurde.

Nordex Windturbine

Nordex Windturbine. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sie investierte in das Altana-Chemiegeschäft und in einen 22-prozentigen Anteil am Windkrafthersteller Nordex, heute im TecDax vertreten. Alles Beteiligungen, die heute in ihrer Holding Skion liegen. Im Gegensatz übrigens zu ihrem 12,6-prozentigen BMW-Anteil, der dort nicht gebündelt ist.

Bruder Stefan, der mit 17,4 Prozent größter Einzelaktionär bei BMW ist, hat mit der Delton AG ein ähnliches Beteiligungskonstrukt wie seine Schwester Susanne. Mutter Johanna hielt bis zu ihrem Tod 16,7 Prozent.

Nie auf eine Branche fokussiert

Beschäftigt man sich mit der Familiengeschichte zeigt sich, dass die Stärke der Quandts ihre Wandlungsfähigkeit ist. Sie erkannten rechtzeitig die Zeichen der Zeit und richteten ihre Beteiligungen neu aus. Vom Textilbetrieb über Rüstung, Batterien, Automobile und Pharma - die Reihe der rund 200 Firmen, die von der Familie gehalten wurden und immer noch werden, ist lang und beeindruckend.

Batteriehersteller Varta übrigens, noch heute als Marke bestens bekannt, überlebte den Wandel der Zeit nicht. Die Unternehmensteile wurden verkauft, am Standort Hannover sitzt jetzt der US-Mischkonzern Johnson Controls, der die Autobatteriesparte übernommen hat. Der Varta-Konzern wurde unter den Kindern Herberts aus seiner zweiten Ehe, zwei Töchtern und einem Sohn, aufgeteilt. Tochter Sylvia aus der ersten Ehe wurde abgefunden. Sie zeigte lange gar kein unternehmerisches Interesse, ehe sie ihren Namen dann doch noch kurzzeitig in der Finanzbranche zur Verfügung stellte.

1/12

Das Firmenimperium der Quandts Von Altana bis SGL

BMW: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 10 Jahre

BMW

rm