Nick Leeson

Der "neue" Nick Leeson Vom Saulus zum Paulus

Stand: 09.04.2013, 11:43 Uhr

Über vier Jahre musste er im Gefängnis verbüßen, weil er die britische Barings Bank mit seinen Spekulationen in den Ruin getrieben hatte. Nun geht es zurück auf Null. Nick Leeson fängt ein neues Leben an und berät ausgerechnet Schuldner.

Es eine Hundertachtzig-Grad-Wende, die Nick Leeson derzeit hinlegt. Vielen ist der Name noch allzugut in Erinnerung. Schließlich hatte der britische Derivatehändler mit seinen Spekulationen eine der ältesten Investmentbanken Großbritanniens, die Barings Bank, in den Ruin getrieben und damit für Aufsehen gesorgt. Als Chefhändler in Singapur hatte er 1995 Verluste in Höhe von 1,4 Milliarden Dollar angehäuft.

Gezockt hatte Nick Leeson vornehmlich mit Derivaten auf den Nikkei-Index. "Es tut mir leid", stand auf einem Zettel, den der Spekulant damals auf seinem Computer hinterließ. Die Flucht des damals fast 28-Jährigen endete nach wenigen Tagen am Frankfurter Flughafen. In Singapur wurde Leeson zu sechseinhalb Jahren Gefängnis wegen Betrugs verurteilt, aus der er wegen guter Führung und einer Krebserkrankung zwei Jahre früher entlassen wurde.

Die perfekte Drehbuchvorlage für Hollywood

Nach verbüßter Haft lebt Leeson nun in Irland. Immer noch gibt es eine gerichtliche Verfügung gegen ihn, nach der er mehr als 100 Millionen Euro als Entschädigung für die Barings-Pleite zahlen müsste. Vollstreckt ist sie nicht.

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Trailer zum Barings/Leeson-Film "Rogue Trader" mit Ewan McGregor

Der Brite hält Vorträge in aller Welt. Er ist Manager des irischen Erstligisten Galway United. Außerdem hat er ein Buch über seinen Coup veröffentlicht. Sein Leben wurde sogar zur Drehbuchvorlage für Hollywood.

Und jetzt das: Ausgerechnet der Mann, der den Zusammenbruch einer Bank verursacht hat, soll Verbrauchern helfen, ihre Schulden in den Griff zu bekommen. Leeson will Iren beraten, die nach dem Kollaps am Immobilienmarkt ihre Kredite neu verhandeln wollen.

"Die peinlichste Zeit meines Lebens"

Leeson tritt bei GDP Partnership ein. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen rund um Immobilien. Auf dessen Internetseite spricht der neue Schuldnerberater ganz offen über den zweifelhaften Ruf, den er im Zusammenhang mit dem Kollaps der Bank Barings erworben hatte, die so wörtlich "peinlichste Zeit seines Lebens".

"Ich habe in der Vergangenheit schon vor einigen schwierigen Situationen gestanden, und am Ende hat es sich zum Besseren gewendet", hieß es in einer Erklärung, die der 46-Jährige über Twitter verbreitete. Es sei oftmals schwierig, die Lösung zu sehen, aber es gebe immer eine. Eine Lösung können die Iren gut gebrauchen, denn sie stecken in einer der schlimmsten Immobilienkrisen in ganz Europa.

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Kweku Adoboli, UBS, hat "Gott gespielt"

Es ist einer der größten Bankenskandale in der Geschichte des Finanzplatzes London: Der UBS-Börsenhändler Kweku Adoboli verzockt im Jahr 2012 2,3 Milliarden Dollar. Zwischenzeitlich waren die Risiken sogar bis auf zwölf Milliarden Dollar angeschwollen und hatten damit das Überleben der größten Schweizer Bank bedroht. Insgesamt hat Kweku Adoboli 2,3 Milliarden Dollar versenkt.

Adoboli war am Handels-Desk für Exchange Traded Funds (ETF) aktiv. Dort handelte er mit allen möglichen Spielarten von börsennotierten Papieren wie Aktien, Anleihen und Rohstoffen. Beim Handel mit ETFs auf den Dax, S&P 500 und den EuroStoxx 50 überschritt er allerdings massiv die Risikolimits seiner Bank. Zudem täuschte er Absicherungsgeschäfte nur vor, um die Gewinnaussichten weiter zu erhöhen.

Dafür wurde Adoboli im November 2012 von einer britischen Jury in erster Instanz des Betrugs für schuldig gefunden und von einem Richter zu sieben Jahren hinter Gittern verurteilt. Sasha Wass, die Chef-Anklägerin in dem Prozess, bezeichnete Kweku Adoboli als arrogant und rücksichtslos. Er habe mit dem Geld der Bank "Gott gespielt", um sein Ego zu nähren und mittels höherer Boni seine Geldbörse zu füllen.

Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Adoboli 32 Jahre alt. Zuletzt kämpfte er gegen seine Abschiebung nach Ghana - erfolglos. Im November wurde Adoboli, der seit seinem 12. Lebensjahr in Großbritannien lebte, abgeschoben.