SoftBank-Chef Masayoshi Son

Die Visionen des Masayoshi Son Ein japanischer Fonds steuert unsere Zukunft

von Thomas Spinnler

Stand: 19.12.2018, 06:45 Uhr

Der japanische Milliardär Masayoshi Son treibt mit der Abspaltung des Softbank-Telekomgeschäfts die Neuausrichtung seines Imperiums voran. Wir zeigen, wie Son mit seinem "Vision Fund" die Geschicke der vielversprechendsten Startups weltweit lenken möchte und so unsere Zukunft mitgestaltet.

Heute bringt der japanische Softbank-Konzern seine Mobilfunktochter an die Börse. Es ist das größte japanische IPO aller Zeiten. Gründer und Boss von Softbank ist Masayoshi Son. Son ist mit einem Vermögen von mehr als 20 Milliarden Dollar laut aktueller Forbes-Liste der reichste Mann Japans, global belegt er den 39. Rang. Auf der Forbes-Liste der mächtigsten Menschen der Welt hat er es 2018 bis auf Platz 55 gebracht. Vielleicht schafft er es im kommenden Jahr 2019 weiter nach vorn. 

Wie auch immer eine solche Liste zustande kommt, angeführt wird sie vom chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, Russlands Präsident Wladimir Putin ist zweiter Sieger, mit Rang drei wird Donald Trump nicht glücklich sein. Auf dem fünften Platz finden wir mit dem Amazon-Gründer und Tech-Multi-Milliardär Jeff Bezos den reichsten Mann der Welt - einen Mann aus der Branche, die Son anpeilt.  

Donald Trump und Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jinping: Zwei der drei mächtigsten Männer der Welt. | Bildquelle: Imago

Was macht den Japaner zu einem mächtigen Mann? Er könnte mit seinen eigenen Milliarden - und vor allem mit seinem milliardenschweren Fonds „Vision Fund“ - mitbestimmen und mitgestalten, wie unsere Zukunft aussehen wird.

Wer das Geld hat, hat das Sagen

Denn der Vision Fund ist mit knapp 100 Milliarden Dollar Kapital der größte Technologiefonds der Welt. Größter Investor ist Saudi-Arabien. Das Land ist über den Staatsfonds Public Investment Funds (PIF) mit 45 Milliarden Dollar beteiligt. Boshaft könnte man sagen, Son sei bei der Wahl seiner Geschäftspartner nicht unbedingt wählerisch, denn der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, einer der Drahtzieher des Mordes am Journalisten Jamal Khashoggi zu sein. Bei einer Investorenkonferenz in Riad im Oktober hatte es Absagen gegeben. Wie auch immer man Saudi-Arabiens Rolle in der Welt einschätzen mag: Ein Hort der Transparenz, der Menschenrechte und der Demokratie ist es nicht.

Natürlich mag man einwenden, dass bei Investitionen ohnehin immer Renditegesichtspunkte entscheidend sind. Gleichwohl regt es zum Nachdenken an, wenn man weiß, dass unter anderem in Riad Entscheidungen mitgetroffen werden, die eine für die globale Zukunft derart bedeutende Branche betreffen. Das betrifft indes nicht nur den "Vision Fund" und seine Investoren. Jedenfalls wird die Komplexität in Business-Fragen wohl nicht übermäßig reduziert, wenn man behauptet: Wer das Geld gibt, bestimmt die Richtung. Und wer das meiste Geld gibt, bestimmt am meisten.    

Der Prinz von Saudi Arabien Mohammed bin Salman Al Saud und Masayoshi Son, SoftBank Group-CEO

Der saudische Mohammed bin Salman Al Saud (r.) und Masayoshi Son, SoftBank Group-CEO. | Bildquelle: picture alliance / AA

Sons Konzern Softbank steuert selbst rund ein Drittel bei, weitere Investoren sind unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate, Apple, Qualcomm oder Sharp. Aus einem aktuellen Dokument der SEC geht hervor, dass bislang insgesamt 14 Investoren mit an Bord sind. Einige der leitenden Mitarbeiter des „Vision Fund“ haben ihr Handwerk übrigens unter anderem auch bei der Deutschen Bank ausgeübt oder verfeinert.

Gesucht sind die Marktführer der Zukunft

Son hat die überragende Bedeutung des Tech-Sektors erkannt und krempelt sein Softbank-Imperium komplett um. Das Thema: Die digitale Revolution. „Wir fokussieren uns auf Geschäftsmodelle, die geführt werden von ‚disruptiven Innovatoren‘, die fundamentale Plattformen für die Revolution in der Informationstechnologie anbieten wollen“, heißt es dazu auf der Homepage von Softbank.

Vernetzung, Mobilitätsdienste, Robotik und Künstliche Intelligenz, die bunte Palette der Zukunftstechnologien, wird von nun an Sons Spielwiese sein. Vor allem Künstliche Intelligenz ist laut Son die größte Revolution in der Menschheitsgeschichte. „Ich habe 97 Prozent meiner Zeit mit dem Steuern des Telekomgeschäfts verbracht und nur drei Prozent mit dem Investieren“, sagte Son.

SoftBank-Chef Masayoshi Son

SoftBank-Chef Masayoshi Son: Disruptive Innovatoren gesucht. | Bildquelle: Imago

Ein Masterplan für die nächsten 300 Jahre

Er wird das Verhältnis umkehren. Sein „Target“ sind insbesondere sogenannte Einhörner. So werden in der Startup-Szene junge Unternehmen genannt, die am Finanzmarkt eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar erreichen. Das Mindestinvestment des Fonds beträgt dabei jeweils 100 Millionen Dollar. Aus diesen Unternehmen sollen natürlich die Marktführer der Zukunft entstehen.

Und wenn Son Zukunft sagt, dann meint er auch Zukunft, denn der Mann denkt langfristig. Er erschaffe ein Unternehmen, das 300 Jahre lang wachsen werde, kündigte er der Welt einmal in der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ an. Aktuell in Planung: Der „Vision Fund II“.

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Der Vision Fund investierte im Januar 460 Millionen Euro in das deutsche Online-Gebrauchtwagen-Startup Auto1, bekannt für die Seite wirkaufendeinauto.de. Der Fonds erhielt dafür ein Fünftel am Unternehmen.