Dax

Der Dax bei 10.000

10.000 Punkte haben Geburtstag Ein Jahr fünfstellig

Stand: 05.06.2015, 14:15 Uhr

Am frühen Donnerstagnachmittag vor einem Jahr war es soweit: Der Dax erreichte erstmals in seiner Geschichte die magische Marke von 10.000 Punkten. In den folgenden zwölf Monaten gab es eine wilde Achterbahnfahrt, die wohl weitergehen dürfte.

Der Sprung über die 10.000 war aus Sicht vieler Analysten überfällig, manche Marktteilnehmer allerdings malten gleich nach Erreichen der Marke vor einem Jahr Crash-Szenarien an die Wand.

Die Politik des billigen Geldes durch EZB und die US-Notenbank Fed hatte den letzten Satz des deutschen Leitindex' eingeleitet: Am 5. Juni 2014 hatte EZB-Chef Mario Draghi den entscheidenen Impuls gesetzt: Der Leitzins wurde - nicht zum letzten Mal - gesenkt, auf den damaligen, vorläufigen Tiefstand von 0,15 Prozent.

Zusätzlich führte die EZB einen negativen Einlagenzins für Geschäftsbanken ein, die ihr Geld bei der Notenbank parken wollten.

Keine Torte zum Rekord

Dax-Chart vom 05.06.2014 bis 05.06.2015

Ein Jahr Dax 10.000 . | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Richtig beliebt war die Fünfstelligkeit allerdings nicht. Die Deutsche Börse verzichtete sogar auf eine "Rekordtorte", die sonst beim Erreichen eines neuen Allzeithochs stets fällig war. Vielleicht in Erinnerung an die Rekordläufe vergangener Jahre. Denn sowohl dem Platzen der Technologieblase nach der Jahrtausendwende als auch der Hypothekenkrise 2008 gingen Rekordstände beim Dax voraus.

An skeptischen Kommentaren zur runden Dax-Marke mangelte es ebenfalls nicht. Stellvertretend für viele Mahner etwa Christian Kahler von der DZ Bank, der der Meinung war: "Die Stimmung an den Aktienmärkten läuft heiß." Die Genossen warfen postwendend einen Großteil ihrer Aktienbestände über Bord. Auch Markus Reinwand, Aktienexperte der Landesbank Hessen-Thüringen, meinte: "Die Party geht allmählich zu Ende. Selbst Aktienbullen räumen inzwischen ein, dass Dividendentitel nicht mehr günstig sind."

Krisenfahrt auf 8.500 Punkte

Die Experten sollten zumindest auf kurze Sicht richtig liegen. Denn der Dax bröckelte schon bald nach Erreichen der 10.000 Marke wieder ab. Noch einmal im Juni und danach Anfang Juli 2014 robbte sich der Dax zum neuen Rekordhoch, danach war der "Spuk" wirklich erst einmal vorbei.

Gründe für das Abbröckeln der Kurse waren der Russland-Ukraine-Konflikt und unklare Signale über den Fortgang der Konjunktur in Euroland und den USA. Bis auf 8.500 Punkte purzelte der Leitindex im August nach unten.

Erst Anfang Dezember schaffte es der Dax erneut an die Schwelle von 10.000 Punkten anzuklopfen, noch einmal ging es danach 500 Punkte bergab, ehe ein Stabilisierungsversuch einsetzte. Das Jahr 2014 beendete der Dax aber weiterhin im vierstelligen Bereich, bei 9.806 Punkten.

Ein Tausender pro Monat

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.550,78
Differenz relativ
+0,68%

Dafür purzelten im neuen Jahr die Tausendermarken gleich im Monatstakt. Billiges Geld der Notenbanken, dazu Entspannungssignale im Ukraine-Konflikt und ermutigende Konjunkturdaten verfehlten ihre Wirkung nicht: Mitte Januar war die 10.000 erneut fällig, bereits am 13. Februar die 11.000 und am 16. März wurde gar die 12.000 erreicht. Seit Mitte April ist der Dax aber nun wieder im Rückwärtsgang. Die drohende Zinswende in den USA spätestens im Herbst bremst die Börsen ein. Inzwischen kann sich die Mehrheit der Anleger aber wohl nicht mehr vorstellen, zurück ins Zeitalter der Vierstelligkeit zu fallen.

AB