Eluid Kipchoge im Ziel mit neuem Weltrekord

Ineos großer Player im Sport-Sponsoring Wie ein Chemieunternehmen die Sportwelt aufmischt

Stand: 14.10.2019, 17:39 Uhr

Tour de France-Sieger, Marathon-Rekordversuch und ein französischer Fußball-Erstligist: Ineos weiß sich gut in Szene zu setzen. Wer steckt hinter dem Chemieunternehmen?

Radteam Ineos

Radteam Ineos. | Bildquelle: Unternehmen

Den ersten Auftritt als Sponsor im Hochleistungssport hatte Ineos im Mai dieses Jahres. Am 1. Mai löste Ineos Sky als Sponsor des gleichnamigen Profiradsport-Teams ab. Nur wenig später gelang dem Team Ineos dann ein großer Erfolg. Im Juli konnte der erst 22-jährige Egan Bernal für das Team die Tour de France gewinnen.

Die Ankunft als Sponsor im Profiradsport reichte Ineos aber offenbar nicht. Im August übernahm das Unternehmen den französischen Fußball-Erstligisten OGC Nizza. Medien berichteten damals von einer Kaufsumme von über 100 Millionen Euro. Zuletzt kam Ineos massive Aufmerksamkeit durch die „INEOS 1:59 Challenge“ in Wien zu. Hierbei versuchte der Olympiasieger im Marathon, Eliud Kipchoge, die Distanz von 42,195 Kilometern als erster Mensch in unter zwei Stunden zu absolvieren. Dem Kenianer ist der Versuch gelungen. Als Weltrekord wird das aber nicht gewertet, da das Rennen unter "Laborbedingungen" stattgefunden hat. Die Strecke war auf Kosten von Ineos neu asphaltiert worden, am Wendepunkt gab es eine Steilkurve, um Zeit zu sparen und 41 Top-Läufer fungierten als Tempomacher.

Das von Ineos gesponsorte Team von Eluid Kipchoge startet

Start Marathon-Weltrekord. | Bildquelle: Unternehmen

Das macht Ineos

Ineos ist eine Gruppe mehrerer chemischer Betriebe mit Hauptsitz in London. Das Konglomerat entstand aus einem Management-Buyout beim Ölkonzern BP und ist seitdem durch Zukäufe stark gewachsen. Weltweit beschäftigt das Petrochemie-Unternehmen 19.000 Mitarbeiter an 171 Standorten in zwei Dutzend Ländern. Ineos kaufte beispielsweise Teile von bekannten Chemiekonzernen wie BASF und Bayer.

Wem gehört Ineos?

Ineos gehört dem, nach eigener Aussage, reichsten Mann Großbritanniens: Sir James Arthur Ratcliffe. Sein persönliches Vermögen betrug laut eigenen Angaben zuletzt rund 14 Milliarden Dollar. Seit 2017 ist er alleiniger Eigentümer des Schweizer Fußballteams FC Lausanne. 2021 soll das „Ineos Team UK“ am America’s Cup der Segler teilnehmen. Dafür stellte der Milliardär 2018 umgerechnet gut 127 Millionen Euro zur Verfügung.

Ineos-Chef Jim Ratcliffe

Jim Ratcliffe. | Bildquelle: picture alliance / empics

Ihm gehören 60 Prozent der Anteile an Ineos. Seine Aktivitäten sind allerdings umstritten. Er befürwortet den Brexit und zog Anfang des Jahres in das Steuerparadies Monaco. Zwischenzeitlich verlegte der Milliardär auch den Steuersitz von Ineos in die Schweiz. Umweltaktivisten reizt er dadurch, dass sein Unternehmen sein Geld vor allem durch die Herstellung von Plastik und mit Fracking verdient.

Was bezweckt Ineos mit dem Sponsoring?

Seit Jahren gibt es Gerüchte, dass Ratcliffe dem Russen Roman Abramowitsch den britischen Top-Fußballclub FC Chelsea abkaufen will. Ratcliffe und Ineos könnten in den kommenden Jahren also zu einem der wichtigsten Player im Sport werden.

Während der Tour de France protestierten Umweltaktivisten vor dem Bus des Ineos-Teams. Sie warfen Ratcliffe vor, das Image seines Unternehmens durch den Sport aufpolieren zu wollen. Dieser Verdacht drängt sich auch bei dem Rekord-Marathon-Lauf in Wien auf.

Der Chemiekonzern verfolgt mit den Investitionen im Sport eine ähnliche Marketing-Strategie wie der Österreicher Dietrich Mateschitz bei Red Bull. Dem Hersteller von Energydrinks ist es gelungen, dass sich potenzielle Kunden mit der Marke auseinandersetzen, ohne dass das Produkt im Vordergrund der Werbung steht. Red Bulls größte PR-Aktion im Extremsport war der Stratosphärensprung von Felix Baumgartner im Jahr 2012.

ms