Börsengeschichten

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DAB-Bank jetzt bei Consorsbank Direktbank-Pionier macht dicht

Stand: 14.11.2016, 11:07 Uhr

Mit dem Ende der DAB-Bank, ehemals "Direkt-Anlage-Bank", geht ein Stück Bankgeschichte in Deutschland zuende. Die einstige Tochter der Hypo-Vereinsbank geht in der Consorsbank auf, die zur BNP Paribas gehört.

Wilde Zeiten hat die DAB-Bank erlebt, vor allem während der Jahrtausendwende: Wegen des ausufernden Aktienhandels der Privatanleger wurde auch Freitagsabend bis 23 Uhr "gezockt". Und sogar am Samstag ging das Treiben rund um die "Highflyer" des Neuen Marktes weiter. Wer das Musterdepot der berüchtigten "3Sat-Börse" vom Freitagabend nachbilden wollte, hatte dazu ausreichend Gelegenheit bei der Direktbank.

Aggressives Markting in den Anfangsjahren

DAB Bank Vorstand, Matthias Kröner, Oktober 2000

DAB Bank Matthias Kröner. | Bildquelle: Imago

Matthias Kröner, damals Co-Chef der Bank, heute Vorstand der "Community"-Bank Fidor, ließ sich damals bei einem Werbespot mit der Aussage filmen: "Wenn ihr Bankberater so gut ist - warum arbeitet der eigentlich noch?"

DAB Bank Anlage-Center Filiale in Berlin, 2000

DAB Bank Anlage-Center. | Bildquelle: Imago

Aggressives Marketing gehörte damals zum Geschäft, mussten sich die neuen Direktbanken doch erst gegen die arrivierten Institute und das "Billig"-Banken-Image durchsetzen. Die damals noch als "Direkt Anlage Bank" firmierende DAB-Bank war die erste "Online-Bank". Bereits 1994, drei Jahre vor dem Start des Neuen Marktes, wurde sie ins Leben gerufen - übrigens von der sonst eher biederen Bayerischen Hypotheken- und Wechsel Bank, die kurz darauf mit der Bayerischen Verseinbank zur HypoVereinsbank fusionierte.

Schnelle Orders, niedrige Gebühren

Die Direkt Anlage Bank ermöglichte Privatanlegern erstmals die Aktienorder vorbei am Bankberater in der Bankfiliale. Der Privatanleger wurde beim Börsenhandel rasant näher ans Börsengeschehen geführt, auch wenn die Ausführung der Orders nicht immer ganz so schnell ging wie heute. Bei den Ordergebühren brachte das neue Online-Modell einen Preisrutsch zugunsten der Kleinanleger um bis zu 90 Prozent mit sich. Aktienhandel wurde damit für Jedermann jederzeit bezahlbar und attraktiv.

Schriftzug der Consors Bank

Consors Bank. | Bildquelle: Unternehmen

Das Vorbild der Direkt Anlage Bank fand schnell Nachahmer: Ebenfalls bereits 1994 gründete Karl Matthäus Schmidt, Sproß des Schmidt-Bank-Gründers den Online-Broker Consors. Die beiden Urgesteine einer neuen Generation von Bank finden sich unter Umwegen nun unter einem Dach wieder: Consors wurde bereits 2002 von der franzäsischen Großbank BNP Paribas übernommen und zunächst mit der eigenen Direktbank Cortal zu CortalConsors und danach zur Consorsbank geformt.

Auf verschlungenen Wegen zum Zusammenschluss

Die DAB-Bank wurde mit der Übernahme der HypoVereinsbank durch die Unicredit ebenfalls Teil der italienischen Großbank. 2014 übernahme die BNP Paribas rund 81 Prozent der Anteile und führte die Online-Bank zunächst unter eigener Marke fort. Seit dem 14.11. sind nun DAB-Bank-Kunden mit der Bank selbst zur Consorsbank "migriert". Neben der Commerzbank-Tochter Comdirect ist nun ein zweite großer Direktbank-Anbieter entstanden. Für Kunden ändert sich wenig, günstige Ordergebühren, ein großes Spektrum an Fonds ohne Ausgabeaufschlag, sind seit langem gelebte Online-Bank-Routine - die wilden Pionier-Zeiten sind lange vorbei.

AB