Rezension

Markus Gürne

Buch von Markus Gürne "Die Welt ist eine Börse"

von Notker Blechner

Stand: 23.12.2016, 09:16 Uhr

Die meisten Börsenratgeber beschreiben das Finanzsystem, stellen mögliche Geldanlagen vor und geben Tipps. ARD-Börsenmoderator Markus Gürne geht einen Schritt weiter: In seinem neuen Buch stellt er die Geldinvestments in einen weltpolitischen Zusammenhang.

Wer erfolgreich an den Kapitalmärkten sein Geld investieren will, muss die Welt-(Politik) verstehen. Das ist das Credo von TV-Moderator Markus Gürne. Folglich heißt auch sein neues Buch: "Die Welt ist eine Börse".

Politische Entwicklungen beeinflussen die Kurse

Ob IS, Euro-Krise, Emerging-Markets-Boom und -Abstieg oder Syrien-Krieg - "wer die Entwicklungen in der Welt beobachtet und einschätzen kann, der weiß, wie sich die Kurse verändern, und kann viel besser sein Vermögen planen als der, der nur mit theoretischen Zahlen beschäftigt ist", schreibt Gürne.

Der Chef der ARD-Börsenredaktion war jahrelang Auslandskorrespondent im Irak und in Asien. Dort hat er gelernt, wie Kriege, Krisen und politische Veränderungen Wirtschaft und Finanzmärkte beeinflussen. So hat der Syrienkrieg zu einer massiven Flüchtlingsbewegung nach Europa geführt, was die Eurozone schwächen wird.

Noch deutlicher sind die Zusammenhänge beim Öl. Die Kriege in Nahost und das Fracking in den USA sowie der Machtkampf der Opec-Länder haben den Ölpreis gedrückt - und Ölaktien auf Talfahrt geschickt.

Vom Ende der US-Hegemonie bis zur europäischen Schuldenkrise

Auf fast 300 der über 400 Seiten des "Anti-Ratgeber"-Buchs analysiert Gürne die geopolitischen Machtverschiebungen: vom Ende der US-Hegemonie, über das Pulverfass Naher Osten bis hin zur neuen Rolle der Schwellenländer. Auch die Identitätskrise Europas wird von Gürne in einem Kapitel abgehandelt.

Dabei beschränkt sich der ARD-Experte nicht auf die reine Politik-Analyse. Am Ende jedes Kapitels spannt er den Bogen zur eigenen Geldanlage, da - wie gesagt - Politik und Börse miteinander zusammenhängen. In wenigen Stichworten gibt er allgemeine Ratschläge, was die Lage im Nahen Osten oder die Schuldenkrise in Europa für unser Geld bedeutet.

Nur Verlierer bei Währungskriegen

Lesenswert ist besonders das Kapitel zu den Währungskriegen. Diese neue Form des Kriegs vergleicht Gürne mit einem Wettrennen, bei dem der Langsamste gewinnt. Gespickt mit Zitaten von Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank erklärt er, dass es letztlich nur Verlierer im globalen Abwertungswettlauf gibt. Als Alternative zu riskanten Devisengeschäften empfiehlt Gürne Gold und Silber.

Es dauert bis Seite 336, bis Gürne das eigentliche Finanzsystem und die verschiedenen Anlagemöglichkeiten erklärt. Kurz und knapp werden dort Vor- und Nachteile von Aktien, Fonds, Anleihen, Genussscheinen, Zertifikaten, Immobilien und Edelmetallen dargestellt - gut verständlich für Börseneinsteiger wie in einer dreiminütigen "boerse vor acht"-Sendung.

"Wer heute sparen will, muss Aktien kaufen!"

Immer wieder macht sich Gürne stark für Aktien. Denn angesichts der Nullzinsen führt kein Weg mehr an Aktien vorbei, weiß auch er. "Wer heute sparen will, muss Aktien von morgen kaufen."

Am Ende des Buchs empfiehlt Gürne zehn Schritte zur Vermögensplanung. Der Anleger sollte sich zunächst ein Finanzwissen erarbeiten und lernen, über den Tellerrand zu schauen. Dann sollte er seine Wünsche mit den möglichen Anlageprodukten abgleichen und passende Produkte im Rahmen einer definierten Anlagestrategie auswählen. Am Ende lautet die Devise: Kontrollieren, abwarten und Tee trinken!

Ein Anti-Ratgeber-Buch

Das klingt irgendwie doch nach allgemeinem Ratgeber, soll es aber nicht. Gürne nennt sein Buch einen Anti-Ratgeber und vermeidet klare Empfehlungen, ob man sein Geld jetzt in US-Aktien oder in einen Emerging-Markets-Fonds stecken soll.

Kritiker dürften Gürne entgegenhalten, dass "politische Börsen kurze Beine haben". Kriege, Wahlen und neue Gesetze haben oft nur einen kurzfristigen Einfluss auf die Börse. Siehe Brexit, Trump-Sieg in den USA oder gescheiterte Verfassungsreform in Italien.

Orientierungshilfe für weltpolitische Zusammenhänge

Das weiß natürlich Gürne. Sein Ziel ist es vielmehr, die Anleger für (welt)wirtschaftspolitische Zusammenhänge zu sensibilisieren. Wer die Welt nicht kennt, sollte halt eher nicht in einen Emerging-Markets-Fonds oder in portugiesische Staatsanleihen investieren.

Fazit: Wer im Gürne-Buch Aktien Tipps und konkrete Empfehlungen sucht, wird enttäuscht sein. Wer dagegen im Informationsdschungel vor Finanzentscheidungen zurückschreckt, dem könnte das Buch Mut machen, aktiver zu werden. Und helfen, Zusammenhänge besser zu verstehen.

Infos zum Buch:

Markus Gürne: Die Welt ist eine Börse
CBX Verlag
416 Seiten
Preis: 19,95 €