Deutsche Unternehmerlegenden

Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann

Autozulieferer Die Schaefflers aus Herzogenaurach

Stand: 02.09.2015, 16:16 Uhr

Wie man das Erbe nach dem Tod des 24 Jahre älteren Gatten nicht nur erhält, sondern auch kräftig ausbaut und dabei notfalls nach dem sonst so verschmähten Staat ruft, kann man von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg lernen.

Einer breiten Öffentlichkeit wurde die im fränkischen Herzogenaurach ansässige Schaeffler-Familie erst 2008/2009 bekannt. Der Wälz- und Kugellagerhersteller hatte kurz vor Ausbruch der Finanzkrise nach dem deutlich größeren Autozuliefer Continental aus Hannover gegriffen - und sich dabei schwer verkalkuliert. Die Folge war ein Schuldenberg von rund 10 Milliarden Euro, der Schaeffler knapp an der Insolvenz entlangschrammen ließ.

In einer Art Offenbarungseid verkündete Georg Schaeffler, zusammen mit seiner Mutter Maria-Elisabeth persönlich haftender Gesellschafter der Firma Schaeffler, dass ihnen fünf bis sechs Milliarden Euro Eigenkapital fehlten. Dem Beispiel der Banken folgend, die eine nach der anderen mit Hilfe von Staatsgeldern vor dem Bankrott gerettet wurden, appellierten auch die Schaefflers an die Berliner Regierung, sie vor dem Untergang - und dem Verlust mehrerer Zehntausend Arbeitsplätze zu retten.

Pakt mit dem Teufel

In ihrem Überlebenskampf suchte die von der Boulevard-Presse als "schöne Milliardärin" und "listige Witwe" titulierte Frau Schaeffler sogar die Hilfe der IG Metall. Dabei verpflichtete sie sich in einer veröffentlichten Vereinbarung mit der Gewerkschaft auf die Einführung weitgehender Mitbestimmung nach dem Vorbild einer Aktiengesellschaft. Eine Revolution in einem bis dahin patriarchaisch organisierten Konzern.

Am Ende gelang es Schaeffler auch ohne Hilfe des Staates die Kontrolle über Conti zu erlangen. Heute hält die Familie 49,9 Prozent der Anteile des im Dax notierten Hannoveraner Autozulieferers. Damit ist Conti das siebtgrößte Familienunternehmen Deutschlands. Die weiterhin existierende Schaeffler AG bringt es auf Rang 17.

Zäher Überlebenskampf

Dabei hatten viele Beobachter Maria-Elisabeth Schaeffler einen mit solcher Tragik geführten Kampf gar nicht zugetraut. Doch der 1941 in Prag als Tochter einer Unternehmerfamilie geborenen Frau mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Nach der Niederlage der Nazis müssen alle Deutschstämmigen die Tschechei verlassen. Familie Kurssa, so der Mädchenname von Frau Schaeffler, wird enteignet und flüchtet nach Wien, wo Schaefflers Vater eine Stelle als Finanzberater im Hauptquartier der US-Streitkräfte findet. 1960 entscheidet sich die damals 19jährige Maria-Elisabeth Kurssa für ein Medizinstudium.

Nur drei Jahre später lernt sie beim Skilaufen den 24 Jahre älteren Wälzlagerfabrikanten Georg Schaeffler kennen, heiratet ihn noch im gleichen Jahr und zieht mit ihm in das fränkische Städtchen Herzogenaurach. Dort hatte Schaeffler nach seiner Flucht aus Schlesien die Schaeffler KG gegründet.

Charme eines Autoauspuffs

Die Firma wächst und gedeiht und wächst mit 20.000 Beschäftigten und einem Milliardenumstz zu einem der führenden Autozulieferer Deutschlands heran. Sie stelle Dinge her, die den Charme eines Autoauspuffes versprühten, mokierte sich einst die Wochenzeitung "Die Zeit". Dazu gehören für das korrekte Rollen eines Fahrzeugs so unverzichtbare Dinge wie Nadelkränze, Vierpunktlager, Zylinderträger oder Spannhülsen.

 Georg F. W.  Schaeffler

Georg F. W. Schaeffler. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Als Georg Schaeffler 1996 stirbt, übernimmt seine Frau Maria-Elisabeth das Firmenimperium - und baut es weiter aus. Der Übernahme des Kupplungsherstellers LuK folgt 2001 der Kauf von FAG Kugelfischer in Schweinfurt. Damit wächst die Schaeffler-Gruppe von 20.000 auf über 60.000 Mitarbeiter. Die Geschäfte laufen so glänzend, dass Maria-Elisabeth Schaeffler 2007 in die Liste der reichsten Deutschen des Manager-Magazins aufgenommen - auf Platz 22. Ihr Vermögen wird auf knapp 5 Milliarden Euro geschätzt.

Reichster Mann Deutschlands

Heute besitzt ihr 50 Jahre alter Sohn Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler die Mehrheit an der Firmen-Gruppe. Ein zweiter Sohn ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Georg F.W. hat zunächst Betriebswirtschaft studiert, entschied sich dann für ein Zweitstudium in den USA und eröffnete im Anschluss eine Wirtschaftskanzlei in Dallas/Texas. Inzwischen ist er Aufsichtsratschef der Schaeffler AG - und verfügt laut neuester Forbes-Schätzung über ein Privatvermögen von 26,9 Milliarden Dollar. Damit hat er den verstorbenen Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht als reichsten Deutschen abgelöst. 2014 lag Georg Schaeffler noch auf Platz 7.

Aus der operativen Führung halten sich Mutter und Sohn Schaeffler inzwischen heraus. Geführt wird die Schaeffler AG von Klaus Rosenfeld, dem früheren Finanzvostand der Dresdner Bank. Elmar Degenhart leitet die Conti AG.

lg