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Susanne Klatten Die reichste Frau Deutschlands

von von Notker Blechner

Stand: 19.09.2013, 11:03 Uhr

In der Öffentlichkeit ist Susanne Klatten relativ unbekannt. Dabei ist die Quandt-Erbin mit einem geschätzten Vermögen von zehn Milliarden Euro die reichste Frau Deutschlands. Neben BMW hält Klatten eine Vielzahl von Beteiligungen. Sie investiert vor allem in Öko- und Hightech-Aktien.

Viele Erben ruhen sich auf ihrem Vermögen aus oder verprassen es gar. So etwas würde Susanne Klatten, geborene Quandt, nie tun. Die 51-jährige Milliardärin baut ihren Besitz kontinuierlich aus und steckt ihr Vermögen in Beteiligungen, die sie langfristig hält. "Ich stehe dafür ein, was mein Vater uns vererbt", soll Klatten einmal gesagt haben.

Mit dem BMW-Erbe fing alles an

Als 1982 ihr Vater Herbert Quandt starb, wurde sie im zarten Alter von 20 Jahren quasi über Nacht zur Milliardärin. Quandt vererbte an die Familie ein milliardenschweres Aktienpaket an BMW und Altana. Seither ist die Quandt-Tochter Großaktionärin von BMW mit einem Anteil von über zwölf Prozent. Altana ist zu 100 Prozent in ihrem Besitz. Den Pharma- und Spezialchemie-Konzern zerschlug sie und trieb den Verkauf der Pharmasparte voran. Das auf die Spezialchemie zusammengeschrumpfte Unternehmen nahm Klatten von der Börse.

Die 2,4 Milliarden Euro Erlöse aus dem Verkauf der Pharmasparte steckte die Milliardärin in die Gründung einer strategischen Beteiligungsgesellschaft mit dem Namen Skion. Die beiden Anfangsbuchstaben sind ihre Initialen. Skion ist außerdem der Name einer germanischen Gottheit.

Erfolge mit Gemalto und SGL

Mit göttlichem Segen bewies Klatten ein relativ gutes Händchen mit ihren Investments. Vor allem die neunprozentige Beteiligung am Smartcard-Hersteller Gemalto erwies sich als Volltreffer. Der Kurs vervierfachte sich in den letzten sechs Jahren. Anfang 2009 kaufte sich Klatten mit acht Prozent bei dem Karbonfaser-Hersteller SGL Group ein. Der Kurs zog daraufhin kräftig an. Gut 70 Prozent Kursgewinn hat Klatten mit ihrem Anfangsinvestment gemacht. Zuletzt geriet SGL allerdings stark unter Druck. Die Erfolgsstory hat Kratzer bekommen.

Bauchlandung mit Nordex

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
8,77
Differenz relativ
+0,27%

Ein Flop war dagegen ihr Engagement beim Windanlagenbauer Nordex, wo sie Ende Juli 2008 einstieg. Seither hat sich der Kurs mehr als halbiert, auch wenn er sich in den letzten Monaten wieder etwas erholt hat. Klatten hält 21 Prozent an der Windkraftfirma.

Neben börsennotierten Firmen setzt die reichste Frau Deutschlands auch auf Unternehmen abseits des Kurszettels. So hält Klatten Anteile an dem Gebrauchtöl-Upcycler Avista Oil und an der Abwasseraufbereitungsfirma Paques aus den Niederlanden. Vor kurzem baute die 51-jährige Investorin ihr Wasser-Engagement aus und übernahm die Mehrheit bei der Darmstädter EnviroChemie, die Anlagen für die Wasser- und Abwasseraufbereitung errichtet.

Suche nach ausgereiften Firmen mit Zukunftstechnologie

Klatten steckt am liebsten Geld in interessante Zukunftstechnologien. Ihr Fokus liege auf Firmen, die sich durch innovative Rohstoffkreisläufe und industrielle Anwendungen auszeichnen, erklärt Skion-Sprecher Jörg Appelhans gegenüber boerse.ARD.de. Sie suche ausgereifte solide Unternehmen mit einer etablierten Technologie. Klatten geht es darum, in Industrien zu investieren und nicht schnelle Wertsteigerungen zu erzielen. "Frau Klatten agiert nicht kursgetrieben", betont der Skion-Sprecher. "Wir wollen keine Quick-Flips." Also keine kurzfristigen Überflieger.

Das einzige Unternehmen, das Skion aus seinem Portfolio wieder abgestoßen hat, ist das Frankfurter Unternehmen Geohumus. Das Geschäftsmodell mit dem wasserspeichernden Granulat funktionierte offenbar nicht.

Kurzfristige Flops und Verluste kann Susanne Klatten durchaus aushalten. Allein ihre Beteiligung an BMW hat sich in den letzten Jahrzehnten absolut ausgezahlt. Seit 1992 hat sich der Kurs des Autobauers verachtfacht.

Selbst ihr Freund wusste nicht, wer sie wirklich ist

Über Geld spricht die Quandt-Erbin in der Öffentlichkeit so gut wie nicht. "Geld bewertet nicht, was oder wer ich bin", sagte sie einst. "Es zieht einen Vorhang vor mich, der mich überhaupt nicht zeigt."

Für ihr Milliarden-Erbe schämte sie sich einst so sehr, dass sie in ihren jungen Jahren ihre Identität verbarg. Unter dem erfundenen Namen "Susanne Kant" machte sie ein Praktikum. Dort lernte sie den Ingenieur Jan Klatten kennen, den sie später heiratete und dessen Namen sie annahm. Ihm erzählte sie angeblich erst viel später, wer sie wirklich ist.

Die öffentlichkeitsscheue Milliardärin

Heute lebt die öffentlichkeitsscheue Klatten zurückgezogen mit ihrem Mann und drei Kindern in München. Promi-Partys meidet sie. Einzig bei der Hauptversammlung von SGL Group oder bei Terminen der ihrer Stiftung zeigt sie sich in der Öffentlichkeit. Einmal allerdings geriet sie doch in die Schlagzeilen der Boulevardpresse - wegen ihrer Affäre mit dem Schweizer Gigolo Helg S. Als der Schweizer sie erpressen wollte, erstattete sie Anzeige. Helg S. wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Die Affäre hat die Quandt-Familie nur kurzzeitig erschüttert. Das Thema ist jetzt abgehakt. Sie gehe nun mit dem Leben anders um, sagte Klatten gegenüber dem "Focus". Frei nach dem Motto ihrer Mutter Johanna Quandt: Nicht auffallen und kein Geld verschwenden!

nb