Filmkritik

Filmstill aus

"Money Monster" Die Rache des Kleinanlegers

von von Thomas Spinnler

Stand: 30.05.2016, 15:27 Uhr

Die Finanzindustrie hat die Welt in Geiselhaft genommen, heißt es. In Jodie Fosters "Money Monster" wird ein Kleinanleger zum Wutbürger und schließlich selbst zum Geiselnehmer.

Lee Gates (George Clooney) gilt als Börsengenie. Seine Fähigkeiten haben ihm nicht nur ein Vermögen, sie haben ihm auch eine Fernsehshow eingebracht. Das Konzept besteht aus der unschlagbaren Kombination aus überspannten Showeinlagen mit leichtbekleideten Girls und dem Versprechen dabei zu helfen, die Gier nach Reichtum zu befriedigen: In seiner Sendung "Money Monster" analysiert Gates Börsenkurse, interviewt Experten, und singt und tanzt seine Meinung zu Aktien vor. Die Show erinnert durchaus an Jim Cramers "Mad Money". Mehr dazu hier.

Gates ist ein großartiges Entertainment-Talent, aber bei seinem jüngsten Börsentipp ("So sicher wie ein Sparbuch!") ist etwas gewaltig schief gelaufen. Die Aktie bricht ein und wird praktisch wertlos. Dummerweise hat ihn der werdende Familienvater Kyle Budwell (Jack O'Connell) Ernst genommen. Budwell hat sein ganzes Vermögen auf den "Jahrtausend-Tipp" gesetzt und verloren.

Occupy Fernsehen

Wieso tut der Junge das? Jedermann müsste mittlerweile wissen, dass man sein Portfolio diversifizieren sollte und es keine todsicheren Börsentipps gibt. Aber anstatt sich fluchend in die Masse der Enttäuschten einzureihen, will Budwell Antworten. Er lässt sich nicht mit der Erklärung abspeisen, ein interner Computerfehler hätte das Unternehmen 800 Millionen gekostet und an den Rand der Pleite getrieben.

Schauspieler George Clooney und Regisseurin Jodie Foster in einer Drehpause

Schauspieler George Clooney und Regisseurin Jodie Foster in einer Drehpause. | Bildquelle: Filmwebsite

Mit einem Sprenggürtel und einer Pistole bewaffnet stürmt er die Liveshow, nimmt den zynischen Gates und seine Regisseurin Patty Fenn (Julia Roberts) als Geisel. Die Sache läuft also völlig aus dem Ruder und die Welt sitzt bei dem Medienspektakel in der ersten Reihe. Gates und Fenn müssen nun versuchen ihr Leben zu retten, indem sie aufklären, was tatsächlich hinter der "technischen Panne" steckt.

Überfrachtet und zusammengeschustert

Der erste Teil funktioniert als Mischung aus Drama und Komödie noch ziemlich gut und ist vor allem dank George Clooney, der den schmierigen Showmaster glänzend spielt, sehr unterhaltsam. Irgendwas ist dann aber bei Jodie Fosters vierter Regiearbeit schief gelaufen - oder genauer gesagt beim Drehbuch. Der Film wirkt gegen Ende hin überfrachtet und wild zusammengeschustert.

Denn je mehr die Sache im Studio außer Kontrolle gerät und sich der Schauplatz des Geschehens schließlich auf die Straßen New Yorks verlagert, gerät auch der Film außer Kontrolle. Aus dem Finanzdrama wird ein Thriller, der seine Spannung daraus bezieht, wer mit dem Leben davonkommt und was die robuste New Yorker Polizei unternimmt, um das Geiseldrama zu beenden. Und weshalb noch einmal haben sich die Millionen in Luft aufgelöst?

Jodie Foster, Robert De Niro und  Martin Scorsese (v. l.) bei  Dreharbeiten zum Film

Und wieder eine Drehpause, diesmal vor 40 Jahren: Jodie Foster, Robert De Niro und Martin Scorsese ("Taxi Driver", 1976). | Bildquelle: picture alliance / dpa

Problematisch ist vor allem die Figurenlogik: Ihre Handlungen und Wandlungen sind nicht sehr glaubwürdig motiviert. Und die Auflösung des Millionenrätsels ist letztlich eher unterkomplex und für einen Film, der zumindest auch den Finanzmarkt thematisiert, ziemlich unbefriedigend.