Bill Ackman

Showdown im Herbalife-Krimi Die letzte Schlacht des Bill Ackman

Stand: 30.08.2017, 14:37 Uhr

Bill Ackman muss ein extremer Optimist sein. Bildlich gesprochen zerreißt er gerade jeden Tag 63.000 Dollar mit seiner Milliarden-Wette gegen Herbalife. Dabei ist der Spekulant in Sachen Herbalife eigentlich das Gegenteil: ein Ober-Pessimist. Kann Ackman den Kampf gewinnen?

Bill Ackman ist ein Finanzjongleur, den das Glück verlassen hat. Sein Hedgefonds Pershing Square Capital beendete sein Investment in Aktien des Pharmakonzerns Valeant in diesem Jahr mit einem Milliarden-Verlust. Vier Milliarden Dollar hat er mit Valeant versenkt. Ackmans Wette gegen Herbalife, die er vor fünf Jahren aufmachte, könnte ebenfalls schmerzlich ausgehen.

Denn anstatt dass die Aktien des Herstellers von Diätprodukten und Kosmetik fallen, worauf Ackman spekuliert, steigen sie seit fünf Jahren. Daran hat der Konzern einen erheblichen Anteil: Er holte sich andere große Finanzgenies zu Hilfe. Erst Daniel Loeb, dann gewann man Multimilliardär Carl Icahn als Großaktionär. Jetzt ist auch noch ein anderer mysteriöser Investor aufgetaucht, der angeblich Herbalife komplett aufkaufen und von der Börse nehmen wolle.

Herbalife kauft zudem kontiniuerlich eigene Aktien vom Markt. Insgesamt will der Diätkonzern über ein aggressives Rückkaufprogramm in drei Jahren 1,5 Milliarden Dollar für eigene Aktien ausgeben. Laut Herbalife hat man in diesem Jahr schon Aktien für 300 Millionen Dollar gekauft.

Verlustreiches Wettgeschäft

Schlecht für Ackman, denn dadurch sind immer weniger Herbalife-Aktien im Umlauf und dadurch steigt der Kurs. Allein Herbalifes Ankündigung der Auktion am 21. August hat Herbalife-Aktien beflügelt, sie legten in der Spitze elf Prozent zu. Dieser Kursanstieg soll den Hedgefondsmanager 115 Millionen Dollar gekostet haben, so das Nachrichtenportal "Business Insider".

Holländische Auktion

Herbalife will seinen Aktionären Aktien im Wert von 600 Millionen Dollar über eine Auktion abnehmen. Über eine so genannte Holländische Auktion oder auch Rückwärtsauktion: Der Verkäufer bietet dabei ein Produkt an, gibt einen Startpreis vor. Während der Auktion sinkt der Angebotspreis - der erste, der zuschlägt, erhält den Zuschlag. Je länger die Auktion dauert, desto niedriger fällt also der Preis aus. Eine holländische Auktion ist bei der Vesteigerung von Blumen üblich. Oder auch bei Fisch.

Short Seller wie Ackman leihen sich Aktien gegen Gebühr und verkaufen sie. Ihre Hoffnung ist, dass sie die Papiere nach einem Kursrückgang später über die Börse billiger kaufen können, um sie dann dem Verleiher wieder zurückzugeben und die Wettposition aufzulösen. Doch wehe, wenn der Kurs steigt statt fällt. Dann muss ein Short Seller seine Spekulationsgeschäfte mit Verlust "glatt stellen". Dann muss Ackman Herbalife-Aktien teuer einkaufen, um aus seiner Wette herauszukommen.

Die Holländische Auktion könnte noch äußerst schmerzlich für Ackman ausgehen. Sollte Herbalife über die Versteigerung alle Aktien loswerden, würde die Zahl der am Markt frei verfügbaren Herbalife-Aktien von 67 Millionen auf 57 bis 58 Millionen Papiere sinken. So errechnete es Igor Dusaniwsky von der Analysefirma S3. Für die 'Shorties', die auf fallende Kurse spekulieren, wird es dann enger. 24 Millionen Herbalife-Aktien werden aktuell 'geshortet', so Dusaniwsky. Ackman hält rund drei Viertel davon, seine Wette läuft auf rund 18 Millionen Aktien.

Wird Ackman ausgequetscht?

Bei einer erfolgreichen Auktion wird die Herbalife-Wette für Ackman, auf dessen Konto rund 75 Prozent der Short-Positionen gehen, immer schwieriger und immer teurer. Für die Aktienleihe zahlt Ackman laut der Schätzungen der Analysefirma S3 schon jetzt 63.000 Dollar am Tag, um das Geschäft aufrecht zu erhalten. Diese Kosten könnten leicht auf 300.000 oder gar 1,2 Millionen Dollar pro Tag steigen. Ackman wird es aber dennoch verkraften, so Dusaniwsky, einen "fatal short squeeze" wird es wohl nicht geben.

Aber Ackmans Ruf schadet die ganze Herbalife-Geschichte doch. Und auch seinem Fonds: Die Kunden flüchten. In nur den letzten anderthalb Jahren halbierten sich die Einlagen. Damit nicht genug der Hiobsbotschaften. Ackman sieht sich auch von einer Sammelklage konfrontiert. Es geht um den Missbrauch von Insiderwissen im Zusammenhang mit Valeant. Sollte der Fall gegen Ackman entschieden werden, könnten milliardenschwere Schadenersatzzahlungen fällig werden. Das Magazin "Forbes" spekuiert, dass Ackman künftig vielleicht nicht mehr in seiner illustren Milliardärsliste auftaucht.

Dabei galt der Investor einst als "Alphawolf" der Szene. Bloomberg etwa kürte ihn 2015 zum besten Hedgefonds-Manager 2015 und Vanity Fair lobte seine Finanzakrobatik in den höchsten Tönen. Aber Ackman galt auch immer schon als einer der rücksichtslosesten und aggressivsten Finanzhaie.

Ackman: Ich bleibe Sieger!

Auch wenn der New Yorker jetzt auf der Verliererseite steht. Seine Wette auf den Niedergang von Herbalife war nicht unbegründet. Das Geschäftsmodell verstoße gegen US-Gesetze, sagte er damals. Das globale Vertriebsnetz sei ein Lügengebilde, "das am besten gemanagte Schneeballsystem in der Geschichte der Menschheit", so Ackman. Der US-Konzern hat ein ähnliches Vertriebsmodell wie Amway und Avon, ist weltweit der drittgrößte Direktverkäufer. Der größte Teil der Kunden - also auch der Verkäufer der Herbalife-Produkte - bleibe auf den Produkten sitzen und könne sie nicht weiterverkaufen.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC (Federal Trade Commission) nahm sich den Konzern vor und ermittelte wegen des umstrittenen Geschäftsmodells. Herbalife musste im vorigen Jahr 200 Millionen Dollar Entschädigung zahlen an seine 35.000 Kunden. Und die FTC verlangte, dass Herbalife sein Geschäft umstrukturiert. Doch die Behauptung, es handele sich um ein Pyramidensystem, wurde fallen gelassen.

Bill Ackman sieht sich im Herbalife-Kampf immer noch obenauf. Im jüngst veröffentlichen Halbjahresbericht seines Hedgefonds Pershing Square weist er genüsslich auf das Umsatzminus von Herbalife von immerhin 18 Prozent im vergangenen Quartal hin. Das liege auch daran, dass die FTC den Konzern jetzt im Visier hat. Er glaubt immer noch daran, mit Gewinn aus der Herbalife-Wette zu kommen. Dafür müsste die Aktie aber unter 30 Dollar fallen. Aktuell kostet sie über 68 Dollar.

bs

Das Depot von Bill Ackman [01.06.17]

Der Hedgefondsmanager Bill Ackman hat zuletzt eine Vorliebe für Fastfoodketten und Lebensmittelhersteller entwickelt. Einen milliardenschweren Fehler beging der streitbare Investor bei einem Pharmakonzern. Sehen Sie hier seine größten Positionen.

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