Börsengeschichte(n)

Dramatische Rettung vor fünf Jahren Die Hypo Real Estate – ein Milliardengrab

von von Ursula Mayer

Stand: 27.09.2013, 09:14 Uhr

An die ehemalige Hypo Real Estate erinnert heute nicht mehr viel. Der verstaatlichte Konzern wurde aufgeteilt und umbenannt. Vor fünf Jahren erhielt die Bank vom Staat Milliardenhilfen. Nur so konnte ein Zusammenbruch gerade so abgewendet werden.

Hypo Real Estate . | Quelle: picture-alliance/dpa

Am 28. September 2008 wurde bekannt, dass der Münchener Immobilien- und Staatsfinanzierer ein Riesenproblem hat. Das sorgte für Panik am Finanzplatz Deutschland. Bis tief in die Nacht verhandelten Banker mit Politikern. Mit einer Bilanzsumme von 400 Milliarden Euro und ihrer herausragenden Stellung auf dem deutschen Pfandbriefmarkt wurde die Hypo Real Estate als "systemrelevant" eingestuft. Deshalb brauchte es für die Bank schnell einen Notfallplan: Der Bund wurde ihr einziger Aktionär und zahlte dafür einen hohen Preis: Über 100 Milliarden Euro waren nötig, um die Bank vor dem Crash zu bewahren.

Was die Schieflage bei der Hypo Real Estate maßgeblich mit ausgelöst hatte, war das Geschäftsmodell ihrer Tochter Depfa. Geld langfristig verleihen und sich kurzfristig refinanzieren – diese Rechnung ging nach der Lehman-Pleite nicht mehr auf. In Folge kam der Interbankenmarkt völlig zum Erliegen und der Depfa fehlten plötzlich 35 Milliarden Euro.

Depfa wird zum Liebling der Hedgefonds

Fünf Jahre später steht die HRE-Tochter mit Sitz in Dublin zum Verkauf. Sie zieht Bankenkreisen zufolge vor allem das Interesse von Finanzinvestoren und Hedgefonds auf sich. Dazu zählen offenbar Lone Star, Apollo, Cerberus, KKR und Blackstone. Die Hypo Real Estate muss die Depfa auf Geheiß der EU-Kommission bis Ende 2014 verkaufen, sonst droht ihr die Abwicklung.

Bei der Hypo Real Estate selbst ist kaum ein Stein auf dem anderen geblieben. Nach dem gerade noch verhinderten Zusammenbruch wurde der einstige Dax-Konzern in zwei Teile zerlegt. Alles Schlechte wurde aussortiert und in eine Bad Bank verbannt: die FMS Wertmanagement. Die "toxischen" Wertpapiere und Kredite beliefen sich vor drei Jahren auf einen Buchwert von 170 Milliarden Euro. Davon waren 2012 noch 130 Milliarden Euro übrig.

Die Bad Bank macht einen Mini-Gewinn

Bei ihren Geschäften musste die FMS Wertmanagement bisher nur geringe Abschläge hinnehmen, weil Finanzinvestoren mit großem Risikoappetit an den Markt zurückgekehrt sind. Dadurch schaffte sie 2012 sogar einen Mini-Gewinn. Doch noch sitzt sie auf kaum verkäuflichen Großfinanzierungen für Mautbrücken, Zollstraßen oder Tunnel. Auf riskanten Krediten oder Anleihen mit Laufzeiten von 50 Jahren. Ob sich dafür ein Käufer finden lässt, ist fraglich. Für Verluste, die bei der Auflösung der Bad Bank entstehen, haftet am Ende der Steuerzahler.

Das Herzstück des Konzerns nennt sich Deutsche Pfandbriefbank (nicht zu verwechseln mit der Depfa, die kein Neugeschäft mehr betreiben darf) und ist auf die Finanzierung von Immobilienprojekten wie Bürogebäude oder Hotels spezialisiert. Seit der Rettung hat die Bank laut Konzernleitung vor Steuern 590 Millionen Euro verdient und mehr als 20 Milliarden Euro an Krediten ausgereicht. Der Vorstand und der Aufsichtsrat hätten sie völlig neu aufgestellt, berichtet die Vorstandschefin Manuela Better. Das ist auch nötig. Denn der Bund muss die Bank schnell loswerden. Bis 2015 soll sie privatisiert werden – das fordert die EU.

Schadenersatzklage gegen Ex-Vorstandschef Funke

Derweil lebt der frühere HRE-Chef Georg Funke auf Mallorca und handelt mit Immobilien. Er streitet jede Verantwortung für das HRE-Drama ab. Doch die Bank verlangt nun in beim Landgericht München erhobenen Klagen von ihrem ehemaligen Vorstandschef und zwei Kollegen Schadenersatz in Höhe von 220 Millionen Euro. Dabei gehe es allerdings nicht um etwaige Vorwürfe wegen des Zusammenbruchs der Bank, sondern um einzelne Kredite. Die hätten aus Sicht der Bank so nicht vergeben werden dürfen.

Funke hat nun offenbar über seine Anwälte bei Gericht der Schadenersatzklage widersprochen. Die HRE-Gruppe kann laut "Süddeutscher Zeitung" nun bis zum 10. Dezember auf die Entgegnungen der beklagten Ex-Vorstandsmitglieder reagieren. Sollte es keine Einigung geben, könnte ein Prozess im kommenden Jahr beginnen.