Glück oder Können?

Geldsäcke mit Dollarnoten

Die glückliche Hand von Buffett und Soros Die größten Investoren aller Zeiten

von Bettina Seidl

Stand: 17.07.2014, 15:34 Uhr

Warren Buffett Superstar: Der amerikanische Milliardär ist der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Das zeigt eine Grafik, die derzeit in der Finanzwelt kursiert. Investorenlegenden wie George Soros, Benjamin Graham oder Jim Rogers sind zwar auch nicht schlecht. Aber Buffett sticht sie alle aus. Ist das Glück oder Können?

Es sieht ganz danach aus, als habe der Mann, der wegen seines guten Riechers für lukrative Aktieninvestments auch das Orakel von Omaha genannt wird, abgeleitet von seinem Wohnort im US-Bundesstaat Nebraska, die geheime Formel für Erfolg gefunden. Oder ist auch eine gehörige Portion Glück bei seinen Aktieninvestments? Dass es mehr Können als Glück ist, legt eine vom britischen Verlag Harriman House erstellte Grafik nahe, die derzeit in der Finanzszene über Twitter verbreitet wird.

Auf der Kurzstrecke sind viele besser

Darin werden die Erfolge der größten Investoren aller Zeiten dargestellt. Warren Buffett ist dabei auf lange Sicht der beste Investor der Geschichte. Gemessen wurde der Erfolg der Investments daran, wie stark sie den Gesamtmarkt übertrumpft haben, ausgehend vom marktbreiten Aktienindex S&P 500. Buffett war demnach im Schnitt rund 13 Prozent besser als der Markt, über 55 Jahre lang.

Auf den ersten Blick scheint das gar nicht so überragend: Es gibt sogar eine ganze Reihe von Leuten, die den Markt noch deutlich starker ausgestochen haben als Buffett. Rohstoffspezialist Jim Rogers etwa schafft eine 30 Prozent höhere Überrendite gegenüber dem S&P.

Überrenditen der Top-Investoren gegenüber dem S&P 500

Überrenditen der Top-Investoren gegenüber dem S&P 500. | Bildquelle: Business Insider / Plan Maestro, Grafik: boerse.ARD.de

Rogers schlägt Soros – oder umgekehrt?

Aber Rogers den besseren Investor zu nennen, wäre ein wenig kurzsichtig. Er schaffte diese überaus hohe Outperformance nämlich nur über elf Jahre hinweg. 1980 stieg er aus seinem Hedgefonds Quantum Funds aus, den er 1969 mit Investorenlegende George Soros gegründet hatte.

Soros blieb drin. Und kann so als Beispiel dienen, dass es über einen langen Zeitraum weitaus schwieriger ist, diese überdurchschnittlichen Erfolge zu erzielen. Der Quantum Fonds konnte den Vergleichsindex nämlich über 34 Jahre "nur" um etwa 17 Prozent übertreffen. Das ist immer noch ansehnlich, damit übertrumpft Soros Starinvestor Buffett immerhin um einige Prozente – und kann ihm auch mit Blick auf den langen Zeitraum durchaus das Wasser reichen.

Aber es zeigt eben auch: In späteren Jahren war der Hedgefonds einiges schlechter als in den ersten elf Jahren. In etlichen Jahren blieb er sogar hinter dem Marktdurchschnitt zurück, es gab sogar Verlustjahre. Das wiegt umso schwerer, als der Quantum Funds gerade in den 90er Jahren seinen Riesen-Coup mit Spekulation gegen das überbewertete Britische Pfund landete. In nur einer Woche strich er mit der Pfund-Wette einen Gewinn von einer Milliarde Dollar ein.

Buffetts Formel für den Erfolg

Generell spricht also einiges dafür, dass der Investor, der über besonders lange Zeit überdurchschnittliche Renditen erzielt, der bessere Investor ist. Insofern ist also Warren Buffett in der Tat der beste Investor aller Zeiten. Der US-Milliardär übertrumpfte sogar seinen Lehrmeister Benjamin Graham, den Urvater der Wertpapier-Analyse, der 20 Jahre lang rund zehn Prozent über der Marktentwicklung lag.

Buffetts Erfolgsformel klingt einfach. Er kauft hochwertige Aktien, zu einem günstigen Preis, Aktien mit einer niedrigen, aber steten Rendite. Doch für andere außer Buffett ist sie schwierig umzusetzen. Das kann man an Buffetts Anlage-Tipp für seine Erben ablesen. Er rät ihnen, 90 Prozent ihres Vermögens in einen kostengünstigen Indexfonds auf den S&P 500 zu stecken.

Das Glück der Langlebigkeit

Berkshire Hathaway A: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
277.063,00
Differenz relativ
-1,59%

Aber eine Garantie für Erfolg hat Buffett deshalb trotzdem nicht gefunden. Auch er hatte mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway Verlustjahre, auch er konnte bisweilen den Markt nicht schlagen. Eine gehörige Portion Glück ist auch dabei. Und wenn es nur das so genannte "Survivorship Bias" ist: Er hat einfach Glück, dass er so alt geworden ist und damit einer der Überlebenden aus der Schar der Investoren ist. Wären andere so alt geworden wie er, hätten sie vielleicht ihn übertrumpft.

Eine andere Erfolgsbilanz von Buffett klingt dann aber doch mehr nach Können denn nach Glück. Er ist der einzige auf der legendären Forbes-Liste der 400 reichsten Menschen der Welt, der sein ganzes Vermögen nur durch geschicktes Investieren verdient hat.