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Die Brüder Alexander, Oliver und Marc Samwer (v. l.)

Die Samwer-Brüder Die deutschen "Raketen-Jungs"

Stand: 30.09.2014, 16:38 Uhr

Sie gelten als Deutschlands neue Super-Helden: die Samwer-Brüder. Mit dem Rocket-Internet-Imperium sind sie zu Deutschlands erfolgreichsten Internet-Investoren aufgestiegen. Doch den "Raketen-Jungs" haftet der Vorwurf der "Raubkopierer" an. Wer sind die Samwers wirklich?

Schon in der Schule fielen Alexander, Oliver und Marc Samwer (im Bild von links nach rechts) auf. Sie gehörten in ihren Klassen zu den Besten. Der jüngste von ihnen, Alexander (Jahrgang 1975), schaffte gar mit einem Notenschnitt von 0,66 das beste Abitur in Nordrhein-Westfalen. Später studierte er an den Eliteuniversitäten Harvard und Oxford. Die beiden anderen Brüder blieben in der Heimat. Oliver (geboren 1973) studierte an der privaten Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar bei Koblenz, und Marc (Jahrgang 1970) schloss als einer der besten Absolventen seines Jahrgangs nach nur acht Semestern Rechtswissenschaften in Köln ab.

Bruderpakt am Vierwaldstätter See

Schnell war den Söhnen eines bekannten Kölner Rechtsanwalts klar, dass sie gemeinsam etwas aufbauen wollten. Vor 25 Jahren während eines Segelausflugs auf dem Vierwaldstätter See in der Schweiz schworen sich Alexander, Marc und Oliver im Teenager-Alter, eines Tages ein gemeinsames Unternehmen zu gründen.

Zehn Jahre später wurde der "Bruderpakt" eingelöst. 1999 gründeten die Samwers ein deutsches Internet-Auktionshaus namens Alando. Die Inspiration dazu kam vom damaligen Sommerhit "Bailando". Einer der Gründer hatte "Alando" verstanden und den Song im Büro nachgesungen. Schon nach einem halben Jahr verkauften die Samwer-Brüder Alando wieder - für stolze 90 Millionen D-Mark an den Internet-Riesen Ebay. Alexander Samwer stieg zum Ebay-Chef für Deutschland auf. 

Von Alando bis Jamba

Zur Jahrtausendwende folgte der nächste Coup: Mit anderen Partnern gründeten die Samwers 2000 das Unternehmen Jamba, das Handy-Klingeltöne vertrieb. 2004 wurde Jamba von der amerikanischen VeriSign übernommen. Die Amerikaner zahlten 273 Millionen Dollar.

Beim Aufstieg von Groupon, StudiVZ und Home 24 hatten die Samwers auch ihre Hände im Spiel. Selbst an Facebook sollen sie beteiligt gewesen sein.

Rocket Internet erobert die Welt

Schließlich entschloss sich das "Trio Digitale", das ganz große Ding zu drehen. 2007 starteten sie Rocket Internet zur Eroberung des Internets. Die Berliner Firma gründete eine Vielzahl von Startups mit exotischen Namen - von Autoda bis Zooprint. Zum bekanntesten Baby entwickelte sich der Online-Modehändler Zalando, der am 1. Oktober an die Börse geht.

Doch der Erfolg des Samwer-Imperiums basiert nicht auf eigenen Erfindungen, sondern auf Nachahmungen, werfen Kritiker vor. So erinnert Wimdu, die Plattform für private Übernachtungen, an die Airbnb. Und auch Zalando ähnelt verblüffend dem Geschäftsmodell von Zappos in den USA. Die Samwers kopierten ihre Ideen gnadenlos, heißt es im Silicon Valley. Teilweise würden gar Designs, Logos und Programmcodes nachgeahmt, klagt ein Marktbeobachter.

Alles nur kopiert?

Das ZDF-Magazin "Frontal21" deckte fragwürdige und aggressive Methoden der Samwer-Brüder auf. Nicht nur Ideen würden geklaut, sondern auch Konkurrenten behindert und Subventionen abkassiert.

Auch im Umgang mit den Mitarbeitern und Geschäftspartnern sollen die Raketen-Brüder nicht all zu zimperlich sein. Manche gestandenen Manager sollen weinend aus Meetings gerannt sein. Die Mitarbeiter von Rocket soll Oliver Samwer per E-Mail zum "Blitzkrieg" aufgefordert haben. Der Kampf um die Herrschaft im Internet gelinge nur über schnelle Siege. "Ich werde sterben, um zu gewinnen", schrieb er.

"Ich bin Bob, der Baumeister!"

Oliver Samwer

Oliver Samwer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Für solch eine Wortwahl entschuldigt sich der Rocket-Vorstandschef. Die Vorwürfe bestreitet er aber. "Wir haben noch nie Daten geklaut", sagt er. Kopien freilich findet er gar nicht so schlimm. Es komme nicht darauf an, eine Idee als erster zu haben, sondern entscheidend sei, daraus ein Geschäft zu machen. Im Buch "Die Paten des Internets" von Joel Kaczmarek (Finanzbuch-Verlag) gesteht er: "In der Internetindustrie gibt es Einsteins und Typen wie Bob, der Baumeister. Ich bin Bob, der Baumeister."

Nichtsdestotrotz ist Oliver Samwer bemüht, sein Image des Raubkopierers abzustreifen. Auf der Pressekonferenz von Rocket Internet versprach er den Aktionären eine neue Strategie. Künftig will Rocket Internet die Mehrheit an den Start-ups erwerben und die Beteiligungen möglichst halten. Bei Startups einsteigen und sie gleich wieder teuer zu verscherbeln – das soll nicht mehr das Erfolgsmodell von morgen sein.

Vielleicht schaffen es die Samwers dann doch irgendwann, so berühmt zu werden wie ihre Vorbilder in den USA oder China - Jeff Bezos von Amazon, Mark Zuckerberg von Facebook oder Jack Ma von Alibaba. Die Internet-Senkrechtstarter wollen endlich von der Öffentlichkeit akzeptiert werden.

nb

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