Deutscher Reichstag  1871 in der Leipziger Straße, Berlin

Geschichte 12. Juli 1879 - Deutsches Reich verhängt Schutzzölle

Stand: 12.07.2018, 11:38 Uhr

Vor 139 Jahren verhängte das deutsche Kaiserreich Schutzzölle, unter anderem auf Stahlimporte. Der Fall zeigt Parallelen zum aktuellen Handelsstreit und einen möglichen Ausgang.

Seit dem Börsencrash 1873 und der darauf folgenden Rezession und Deflation stand das deutsche Kaiserreich unter großem wirtschaftlichen Druck. Spätestens ab Mitte der 1870er Jahre waren die deutsche Landwirtschaft und Eisenindustrie international nicht mehr wettbewerbsfähig. Grund waren billige Importe aus den USA und Osteuropa.

Gewinner und Verlierer

Am 12. Juli 1879 beschloss der deutsche Reichstag unter Reichskanzler Otto von Bismarck deshalb Schutzzölle auf importiertes Holz, Getreide, Fleisch und auf Eisenerzeugnisse, wie beispielsweise Stahl. Die Folge war ein starkes Wachstum der deutschen Wirtschaft nach 1880. Davon profitierte auch die Landwirtschaft, allerdings nur kurzfristig. In den folgenden Jahren verfielen die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse wieder deutlich. Das lag auch daran, dass die USA und später auch Frankreich ebenfalls Schutzzölle erhoben. Und sogar im traditionell wirtschaftsliberalen Großbritannien wurde der Freihandelsgedanke zunehmend in Frage gestellt.

Finanziert wurde das deutsche Wirtschaftswachstum vor allem von den deutschen Bürgern selbst. Die Preise für Getreideprodukte stiegen innerhalb des deutschen Kaiserreichs aufgrund der Schutzzölle deutlich an. Im Schnitt zahlten die Deutschen rund 30 Prozent mehr für Getreide als ihre europäischen Nachbarn.

Von der Krise zur Sozialversicherung

Die höheren Lebenshaltungskosten trieben die Arbeiter zunehmend auf die Seite der Arbeiterbewegungen und sozialdemokratischen Organisationen. Letztere waren aber schon 1878 verboten worden. Um die Arbeiterschaft wieder stärker auf die Seite der Regierung zu ziehen, führte Bismarck in den 1880er Jahren erstmals die gesetzliche Kranken-, Unfall und Rentenversicherung ein. Das bremste den Zulauf der sozialdemokratischen Organisationen aber nicht, was schließlich zu einem Faktor von Bismarcks Sturz als Reichskanzler 1890 wurde.

mb