Tidjane Thiam (l.) und Iqbal Khan

Filmreifer Krimi bei der Credit Suisse Detektive verfolgen Schweizer Star-Banker

Stand: 26.09.2019, 11:48 Uhr

Normalerweise geht es in der Schweizer Bankenszene diskret zu. Nun aber erschüttert ein Skandal den Finanzplatz Zürich. Die Credit Suisse soll angeblich heimlich einen Star-Banker beschattet haben, der zur Erzrivalin UBS wechselt. Steckt hinter der umstrittenen Aktion der CS-Chef?

Heute startet das internationale Filmfestival in Zürich - mit der Credit Suisse als Topsponsor. Filmreif ist auch das, was sich derzeit hinter den Kulissen der Großbank abspielt. Angeblich von der Credit Suisse angeheuerte Privatdetektive sollen den ehemaligen Leiter der Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, beschattet haben. Sie sollten verhindern, dass er wichtige Mitarbeiter der Credit Suisse abwerbe, schreibt der "Tages-Anzeiger".

Wollte Khan CS-Mitarbeiter zur UBS mitnehmen?

Der 43-jährige Khan, der als Kronprinz von Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam galt, hatte im Juli überraschend seinen Rücktritt verkündet. Im August wurde bekannt, dass er am 1. Oktober zur Rivalin UBS wechselt. Ein solch schneller Wechsel ist in der Bankenszene eher ungewöhnlich. Normalerweise müssen Banker bis zu zwölf Monate warten, bis sie zur Konkurrenz gehen dürfen.

Iqbal Khan

Iqbal Khan. | Bildquelle: Credit Suisse

Laut Medienberichten gab es Hinweise auf handfeste Abwerbeversuche Khans. Der Star-Banker sei drauf und dran gewesen, einige wichtige CS-Banker zur UBS zu lotsen. Ein Sprecher Khans wies die Vorwürfe als "absurd und vollkommen aus der Luft gegriffen zurück".

Beschattungsaktion fliegt in der Züricher City auf

Die Credit Suisse ließ Khan von Privatdetektiven beschatten. Man wollte ihn auf frischer Tat beim Treffen mit CS-Kundenberatern ertappen, heißt es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Doch die Detektive stellten sich offenbar so stümperhaft an, dass der Starbanker sie bemerkte.

Als er in der vergangenen Woche seinen Sohn zum Fußballtraining brachte, stellte er fest, dass er von einem Auto verfolgt wurde. Er hielt an und stieg aus, um das Nummernschild der Verfolger zu fotografieren. Daraufhin sollen angeblich die drei Männer aus dem Auto versucht haben, ihm das Handy zu entreißen, flüchteten dann aber, als Passanten auf den Tumult aufmerksam wurden. Khan erstattete Anzeige. Die Züricher Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren gegen die Privatdetektive wegen Nötigung  und Drohung.

Nun fragt sich die Presse, wer hinter der filmreifen Beschattungsaktion steckte. Nach Angaben der "Sonntagszeitung" hat die Sicherheitsabteilung der Credit Suisse die Detektive auf Khan angesetzt. Die Konzernleitung wusste davon nichts.

Steckt CS-Chef Thiam hinter der Aktion?

Tidjane Thiam, CEO, Credit Suisse

Tidjane Thiam. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Doch ein Bericht des "Tages-Anzeiger" wirft ein neues Licht auf die Affäre. Offenbar soll es zwischen Khan und dem CS-Chef Thiam im Januar zu einem handfesten Streit gekommen sein. In Thiams Villa in Herrliberg am Zürichsee sollen sich die beiden in die Haare geraten sein.  Khan habe sich an Leib und Leben bedroht gefühlt. Seither ist das Verhältnis der beiden Top-Banker zerrüttet. Steckt also Thiam hinter der fragwürdigen Beschattungsaktion seines geschassten Kronprinzen?

Das Image der Credit Suisse jedenfalls ist ramponiert. Zumal im Züricher "Tagesanzeiger" nun auch noch aufgedeckt wurde, dass die Bank die E-Mail-Konten einiger Mitarbeiter, die mit Khan zusammengearbeitet hatten, gescannt habe. Selbst ein paar Telefone wurden überwacht.

Grübel fordert Rücktritt Thiams

Am Finanzplatz Zürich werden die Rufe nach personellen Konsequenzen immer lauter. Ex-CS- und Ex-UBS-Chef Oswald Grübel fordert den Rücktritt Thiams. "Wenn die Zeitungsberichte stimmen, dann sollte der Verwaltungsrat der CS sofort handeln und den CEO ersetzen, denn ein solches Verhalten ist einer Schweizer Großbank unwürdig", sagte Grübel in der "Handelszeitung". Je länger die Credit Suisse den Fall nicht vollständig aufkläre, desto mehr leide ihre Reputation, so Grübel.

Die Aktien der Credit Suisse stehen seit Wochenbeginn unter Druck. Sie haben in den letzten drei Handelstagen rund sechs Prozent verloren.

nb