Mann mit leeren Hosentaschen

DSW-Aufsichtsratsstudie VW-Aufsichtsrat nagt am Hungertuch

Stand: 23.09.2016, 12:00 Uhr

So kann's gehen. Der millionenfache Diesel-Betrug, von VW euphemistisch verbrämt als "Diesel-Problematik" bezeichnet, hat auch den Aufsichtsrat des Konzerns richtig viel Geld gekostet. Das ist eines der Ergebnisse der neuesten Aufsichtsratsstudie der DSW.

Danach untersuchten die Aktionärsschützer, welche die mächtigsten Aufsichtsräte in Deutschland sind. Die Macht der Aufsichtsräte ist dabei nicht zu unterschätzen. "Der Deutsche Corporate Governance Kodex verlangt vor allem von den Aufsichtsratsvorsitzenden und den Ausschussmitgliedern mittlerweile deutlich mehr Mitarbeit an strategischen Entscheidungen der Unternehmen als dies früher üblich war", sagte Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz) bei der Vorstellung der Studie. "Um diese Aufgaben wirklich erfüllen zu können, ist daher ein hohes Maß an Kompetenz, Erfahrung und - gerade in Krisenfällen – Belastbarkeit und ausreichend Zeit erforderlich."

Deutlich mehr Zeit benötigte der Aufsichtsrat von Volkswagen im vergangenen Jahr auf jeden Fall. "Trafen sich die Kontrolleure des Konzerns 2014 an 18 Terminen zu Plenums- und Ausschusssitzungen, so stieg die Sitzungszahl in 2015 auf fast das Doppelte: 35 Sitzungen hielten der Aufsichtsrat und seine Ausschüsse im vergangenen Jahr ab", so Christiane Hölz, Landesgeschäftsführerin NRW der DSW.

Minus 94 Prozent

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr
Kurs
140,98
Differenz relativ
-1,74%

Finanziell gelohnt hat sich das für das VW-Kontrollgremium aber nicht, denn die Vergütung brach im vergangenen Jahr um gut 94 Prozent auf 0,7 Millionen Euro ein. Denn ein Großteil der Aufsichtsratsvergütung ist bei den Wolfsburgern an die Dividende gekoppelt. Und von der gab es 2015 fast gar nichts mehr.

Durch den starken Rückgang der Vergütung bei Volkswagen sank die Gesamtvergütung der Aufsichtsräte im Dax zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder. Das Minus lag bei 8,6 Prozent. Um diesen Sondereffekt bereinigt lag das Plus der restlichen Dax-Konzerne bei knapp sechs Prozent.

Dumm gelaufen

"Insbesondere der Fall Volkswagen zeigt deutlich die Nachteile eines hohen variablen Vergütungsanteils auf, vor allem, wenn dieser ausschließlich kurzfristig ausgestaltet ist", stellte Benner-Heinacher fest. "Insbesondere die Dividende als Motivationsanreiz für den Aufsichtsrat ist, gerade in Krisenzeiten, sicherlich der falsche Indikator für die Vergütung des Kontrollgremiums."

Auch sonst spielt Volkswagen bei der DSW-Studie eine gewisse Sonderrolle. Denn keines der Aufsichtsratsmitglieder des Konzerns taucht in den Top 10 der mächtigsten Aufsichtsräte auf. Diese bekleiden insgesamt 29 Mandate bei 19 der 30 Dax-Unternehmen.

Das DSW-Ranking wurde durch ein ausgeklügeltes Punktesystem ermittelt. So gab es beispielsweise zehn Punkte für einen Aufsichtsratsvorsitz in Kombination mit (mindestens) einem Ausschussvorsitz, acht Punkte wurden für eine Aufsichtsratsmitgliedschaft in Kombination mit einem Ausschussvorsitz vergeben. Immerhin noch vier Punkte ergab eine Mitgliedschaft in einem Dax-Aufsichtsrat ohne besondere Positionen in dem Gremium.

ME

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Die mächtigsten Aufsichtsräte Deutschlands

Helmut Perlet

Platz 9: Helmut Perlet