Börsengeschichten

Kaffeedose

Gewusst wie Der Trick mit der Kaffeedose

Stand: 18.02.2016, 15:43 Uhr

Schon Altmeister André Kostolany wusste, Aktien sollte man kaufen und dann liegen lassen. Damit könne man reich werden. Vermögensverwalter Robert Kirby erfand das "Kaffeedosen-Depot".

Die Strategie ist ganz einfach. Robert Kirby kaufte in den 50er Jahren solide Aktien im Wert von jeweils 5.000 Dollar und ließ sie anschließend mehrere Dekaden ruhen. Der Amerikaner verkaufte nie, bewahrte immer die Ruhe, auch wenn manche Titel abschmierten oder von anderen Firmen übernommen wurden und als Eigenmarke verschwanden. Auch seinen Anlegern empfahl er, Aktien mindestens zehn Jahre zu halten. 1984 gab er dieser Strategie den Namen "Coffee Can Portfolio", weil sie ihn an die Angewohnheit erinnerte, Wertsachen in einer Kaffeedose zu verstecken.

Mit dieser Strategie des "buy and hold" sparte er Transaktionskosten und vermied die typischen Fehler vieler Anleger: Verkaufen, wenn die Kurse fallen und einsteigen, wenn sie wieder zulegen. Es ist paradox, aber genau diesen Fehler machen die meisten Anleger immer noch.

Ungeduld ist das größte Problem

Sie kaufen Aktien oder andere Wertpapiere nach einem guten Lauf. Und verkaufen nach einem schlechten Lauf. Dieses Schema wiederholen sie. Tatsächlich sind die meisten Anleger grottenschlecht darin, den Markt richtig zu beurteilen und den günstigsten Zeitpunkt zum Ein- und Ausstieg zu finden.

Dabei erscheint die Ungeduld meist als das größte Problem, wollen doch viele Anleger heutzutage ihr eingesetztes Geld nicht mehr verdoppeln, verzehnfachen oder verzwanzigfachen - sondern verhundert- oder vertausendfachen. So wie es bei Google (heute Alphabet) und Microsoft tatsächlich geschehen ist.

Auf mehr als 800.000 Dollar explodiert

Dass sich auch die sanfte Strategie von Robert Kirby auszahlen kann, hat seine Gattin erfahren. Als sie nach seinem Tod das Depot erbte, konnte sie kaum glauben, wie steinreich sie plötzlich geworden war. Klar, einzelne Aktien hatten sich quasi in Luft aufgelöst. Andere Posten waren dafür auf 100.000 Dollar hochgeschnellt. Und eine Position war gar auf mehr als 800.000 Dollar explodiert.

Der Erfolg dieser Strategie beruht natürlich in erster Linie auf der richtigen Auswahl der Titel. Welche Aktien haben aus heutiger Sicht die besten Aussichten, in zehn Jahren mehr wert zu sein? Anleger sollten dabei vor allem auf eine breite Streuung der Titel achten. Es macht keinen Sinn, sich Aktien von fünf Ölfirmen in die Kaffeedose oder ins Depot zu legen. Fällt der Ölpreis, wie derzeit, fallen auch die Papiere der ölfördernden Konzerne.

Keine Ausnahme

Dass die Strategie von Kirby keine Ausnahme war, sondern sich damit wirklich Geld verdienen lässt, zeigt eine Umfrage der US-Vermögensberater SigFig. Sie beobachten mehr als eine halbe Million Anleger in den USA mit einem Portfolio von rund 200 Milliarden Dollar.

Und siehe da: In den Auswertungen ihrer Depots schneiden die "buy and hold“-Anleger meistens am besten ab. Sie verdienten allein in den sechs Monaten bis Ende Oktober diesen Jahres durchschnittlich 3,57 Prozent, während alle anderen Anlegertypen (aktiv, sehr aktiv, aggressiv) im Schnitt Geld verloren hatten. Geduld kann sich also doch noch auszahlen.

lg