Porträt

Wim Duisenberg

"Mister Euro" Wim Duisenberg - der standhafte Holländer

von Ursula Mayer

Stand: 15.04.2015, 13:31 Uhr

Als erster Chef der Europäischen Zentralbank musste der mittlerweile verstorbene Wim Duisenberg noch den frisch eingeführten Euro rechtfertigen. Versuchen politischer Einflussnahme widersetzte er sich knallhart. Die Staaten fühlten sich in seinem Würgegriff.

Wer soll der erste Mann an der Spitze der Europäischen Zentralbank werden? Das Gerangel um diesen Posten war vor dem Start 1998 groß. Am Ende stand ein Kompromisskandidat: der Niederländer Wim Duisenberg, aus einem kleinen Land der Eurozone. Die Wahl sei auch auf ihn gefallen, erzählte der heutige Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, einmal rückblickend, weil die Niederlande ein Veto gegen den Euro angedroht hatten.

Wim Duisenberg
Audio

Nachruf Wim Duisenberg

Dafür sollte Duisenberg auf Drängen der Franzosen schon nach vier Jahren seinen Posten räumen. Dagegen sperrte sich der Friese anfangs, stimmte dann aber zu. Von seinem Aufstieg war der promovierte Volkswirt selbst überrascht, ließ er oft durchblicken. Generell galt er als bescheiden und zurückhaltend. Zugleich war er bekannt für seine unverblümte Art. Von einem Journalisten um eine konjunkturelle Einschätzung gebeten, sagte er: "Lesen Sie, was ihr Kollege geschrieben hat. Ich könnte es nicht besser erklären."

Geburtshilfe für den Euro

EZB Duisenberg-Unterschrift auf Zweihunderteuroschein

Duisenbergs Unterschrift. | Bildquelle: colourbox.de

Während Duisenbergs Amtszeit wurde 1999 der Euro eingeführt, was dem Holländer mit der auffälligen Haartracht den Spitznamen "Mister Euro" einbrachte. "Es ist sicher keine leichte Aufgabe, den Euro zu einer ebenso stabilen und geachteten Währung wie die DM zu machen", räumte der frühere EZB-Präsident ganz offen ein. Damals war die Skepsis in der Bevölkerung groß, gerade die Deutschen trauerten ihrer D-Mark noch lange hinterher. Mittlerweile sind Milliarden Euro-Scheine im Umlauf – viele mit Duisenbergs Unterschrift.

Der Euro-Währungshüter hatte sich schon früher den Ruf als Verfechter einer stabilen Währung erworben, als jahrelanger Leiter der niederländischen Zentralbank. Diese Linie behielt er auch bei der EZB bei und widersetzte sich während seiner gesamten Amtszeit allen Versuchen der politischen Einflussnahme auf die Geldpolitik der europäischen Notenbank.

Standhaft gegen jede Kritik

"Wir hören sie, aber wir hören nicht hin", pflegte er zu sagen, wenn Politiker Druck auf die EZB ausüben wollten. Länder wie Deutschland und Frankreich forderten, Duisenberg solle angesichts des niedrigen Wirtschaftswachstums an der Zinsschraube drehen. Duisenberg blieb standhaft und prangerte immer wieder die mangelnde Haushaltsdisziplin in der Euro-Zone an. Von der "Wirtschaftswoche" bekam er dafür prompt den Titel "Wim der Würger" verpasst. Gerade nach den Terroranschlägen in den USA 2001 rang sich Duisenberg schließlich doch noch durch, den Leitzins Schritt für Schritt bis auf 2,00 Prozent zu senken.

Die größten Kritiker hatte der Banker allerdings im Nicht-Euro-Land Großbritannien. 2000 machte ihm ein Interview mit der Londoner "Times" schwer zu schaffen. Im Anschluss ging der Euro auf Talfahrt und notierte zeitweise bei 0,82 Dollar. Eine herbe Schlappe für den Währungsfachmann, der sich anhören musste, er habe den Euro "herunter geredet".

Größter Coup – der Beitritt Griechenlands

Herumtänzelnd und in bester Laune erlebte ihn im selben Jahr Maurice Lévy, Chef des Werbekonzern Publicis, der einst die Kampagne für die Einführung des Euro gestaltet hatte. Der EZB-Chef freute über den Euro-Beitritt Griechenlands. "Es ist lächerlich anzunehmen, der könne die Gemeinschaftswährung in Gefahr bringen", war er damals noch überzeugt.

Wim Duisenberg übergibt das Amt des EZB-Präsidenten an Jean-Claude Trichet

Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet (r.). | Bildquelle: EZB/Joppen

Im Alter von 68 Jahren übergab der Geldexperte 2003 den Stab an seinen Nachfolger, den französischen Kandidaten Jean-Claude Trichet. Zwei Jahre später verstarb Duisenberg auf seinem Anwesen in der südfranzösischen Provence. Als EZB-Chef zeigte er, wie Verbal-Attacken von Politikern einer Notenbank zu einer starken Reputation verhelfen können. Und er selbst sagte einmal lobend über sein deutsches Vorbild: "Mit der Bundesbank ist es wie mit Schlagsahne – je mehr man sie schlägt, desto fester wird sie."