Porträt

Portrait Sir John Templeton

Vater aller Fonds Der Schnäppchenjäger John Templeton

von Ursula Mayer

Stand: 10.09.2014, 10:30 Uhr

Mit einem Ritterschlag ist nur eine Finanzgröße ausgezeichnet worden: der mittlerweile verstorbene Sir John Templeton. Gewinnen kann nur, wer gegen den Strom schwimmt, war sein Credo. Das setzte er gerade in jungen Jahren mitten in Krisenzeiten äußerst erfolgreich um.

Das zeigte sich vor allem 1939: Es war die Zeit der großen Depression in den USA und der weltweiten Wirtschaftskrise. In Europa brach der Zweite Weltkrieg aus. Die amerikanische Börse lag am Boden. Anleger verkauften in Panik Aktien – der damals 26 Jahre alte John Templeton sah seine Chance.

Er lieh sich 10.000 Dollar und kaufte je 100 Aktien von 104 Unternehmen, für jeweils weniger als einen Dollar. In den darauffolgenden Jahren machten bis auf vier alle Unternehmen Profit. Es war ein Pokerspiel, bei dem Templeton Entschlossenheit und gute Nerven an den Tag legte.

"Kaufe das, was andere verkaufen"

Vorher hatte er sich sein Wirtschafts- und Jura-Studium an den Elite-Universitäten Yale und Oxford unter anderem tatsächlich auch mit Pokerspielen finanziert. Zocken sollte man aber nicht, predigte der in Tennessee geborene Investor in späteren Jahren. Das Risiko sollte bei Investments immer überschaubar bleiben.

Niedrig kaufen, hoch verkaufen – diese simple Börsenweisheit beherzigte Templeton, der 2008 im Alter von 95 Jahren verstarb, bis zum Extrem. Er war auf der Suche nach unpopulären und unterbewerteten Aktien, frei nach dem Motto: "Kaufe das, was andere verkaufen." Dabei hoffte Templeton auf Wachstumspotenzial und eine überdurchschnittliche Rendite.

Auf zu neuen Investment-Paradiesen

Schlitterte ein Unternehmen, eine Branche oder ein Staat in eine Krise, witterte er ein Geschäft. "Die Hausse entsteht aus dem Pessimismus", war eine seiner Devisen. Danach richtete sich Templeton auch als Manager des Templeton Growth Fonds, den er 1954 aus der Taufe hob. Damit wurde er zum Pionier der Investmentfonds-Branche und zum Milliardär.

Der Fonds gehörte in den 60er Jahren zu den ersten, die breit in japanische, russische und chinesische Aktien investierten. Beispielsweise in Titel von Hitachi und Fuji, bis dahin völlig unbekannte japanische Firmen. Bis 1992 erwirtschaftete der Fonds eine durchschnittliche Jahresrendite von 14,5 Prozent, dann verkaufte Templeton ihn an die Franklin Group. 1999 kürte das Anlegermagazin "Money" Templeton zum besten Aktienauswähler weltweit.

Den Arbeitstag mit einem Gebet beginnen

Dem Massenbetrieb Wall Street kehrte Templeton bald den Rücken. Der gebürtige Amerikaner wechselte seine gegen die britische Staatsbürgerschaft und zog auf die Bahamas, auch um Steuern zu sparen. Generell sparten er und seine Frau, wann immer es ging. Der dreifache Familienvater gönnte sich zwar zumindest einen Rolls Royce, aber nur einen gebrauchten.

Templeton war gläubiger Christ. Berufsleben und Spiritualität waren für ihn kaum zu trennen. Außerdem betätigte er sich vor allem gegen Ende seines Lebens als Wohltäter. Beispielsweise schrieb er 1972 den Templeton-Preis aus, auf der Suche nach Antworten zu den "großen Fragen" in den Bereichen Wissenschaft, Religion und Philosophie.

Außerdem gründete er 1987 eine nach ihm benannte Stiftung, die mittlerweile über ein Vermögen von 3,3 Milliarden Dollar verfügt. Für sein Engagement wurde er von der britischen Königin Elisabeth sogar geadelt.