Jerome Powell
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Jerome Powell Der pragmatische Normalo

Stand: 05.02.2018, 13:31 Uhr

Ab heute ist der neue Fed-Chef im Amt. Trump nannte seine Wahl "beeindruckend" – Überraschungen wird es mit Powell aber wohl eher nicht geben. Doch wer ist der Mann, der für die nächsten vier Jahre die US-Notenbank führen wird?

Mit 84 zu 12 Stimmen wurde Jerome Powell im Januar offiziell zum Nachfolger von Janet Yellen gewählt. "Er ist stark, er ist engagiert, er ist schlau", sagte Trump über seinen favorisierten Kandidaten. Ab Montag übernimmt "Jay", wie er von Freunden genannt wird, nun die Spitze der Fed – das kam wenig überraschend.

Einfach nur ausgetauscht?

Schon seit 2012 saß der 64-Jährige im Fed-Gouverneursrat, dem Leitgremium der US-Notenbank. Dort war er der einzige Republikaner. Nominiert hatte ihn der damalige Präsident Obama: Es war das erste Mal seit mehr als 20 Jahren, dass ein Präsident einen Kandidaten aus der anderen Partei vorschlug.

Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC)

Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Fed (FOMC). | Bildquelle: Federal Reserve Bank

Im Gouverneursrat gilt er als gemäßigt, lösungsorientert und sei generell kompromissbereit. Außerdem soll er eher für eine Niedrigzinspolitik stehen.

Gouverneursrat der Fed

Die sieben Mitglieder "Board of Governors" leiten das Federal Reserve System. Wer im Gouverneursrat sitzt, ist auch stimmberechtigtes Mitglied im geldpoltischem Gremium Federal Open Market Committee (FOMC).

Das passt zur Geldpolitik seiner Vorgängerin: Powell gilt als republikanische Version von Yellen und kündigte bereits nach seiner Nominierung Kontinuität in der Geldpolitik. Die Fed wird den Leitzins unter Powells Führung also wohl wie angekündigt in den kommenden Jahren schrittweise erhöhen. Zuletzt blieb er unverändert.

Janet Yellen

Janet Yellen. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In mancher Hinsicht unterscheidet er sich dann doch von Yellen: Er sei prinzipiell offener, was Finanzmarkt-Deregulierungen betrifft. Damit schwimmt er auf einer Welle mit US-Präsident Donald Trump. Doch nicht allem, was aus dem Weißen Haus kommt, stimmt Powell zu. "Es gibt da Ideen, die ich nicht unterstützen würde", sagte er über die Deregulierungspläne von Trump.

Kein gelernter Ökonom

Von seinen Vorgängern unterscheidet er sich vor allem in einer Sache: Er ist kein gelernter Volkswirt. Powell hat Politikwissenschaften studiert und einen Abschluss als Juris Doctor. Das Interesse für Jura kommt nicht von ungefähr: Sein Großvater war Dekan und Dozent für Rechtswissenschaften an verschiedenen Universitäten. Sein Vater arbeitete für die US-amerikanische Bundesstaatsanwaltschaft und Rechtskanzleien.

Für Powell ging es nach dem Studium zunächst an das New Yorker Berufungsgericht und in die Privatwirtschaft, wo er unter anderem als Anwalt und bei einer Investmentbank anheuerte. Anfang der 90er Jahre war er vorübergehend Abteilungsleiter ins US-Finanzministerium.

Der reichste Fed-Chef seit Langem

Jerome Powell

Jerome Powell . | Bildquelle: Imago

Die meiste Zeit verbrachte Powell aber in der Finanzindustrie: 1997 stieg er als Partner bei der Vermögensverwaltung Carlyle Group ein – und verdiente ein zweistelliges Millionenvermögen.

Acht Jahre später gründete er die private Investmentgesellschaft "Powell Severn Capital Partners". Laut eigenen Angaben beläuft sich sein Privatvermögen auf bis zu 55 Millionen Dollar – damit ist er der reichste Fed-Chef seit den 1940er Jahren, so die "Washington Post".

Der Normalo

Angenehm normal und ohne Eskapaden führt Powell auch sein Privatleben. Er und seine fünf Geschwister wurden recht konservativ erzogen. Mit Ehefrau Elissa Leonard, einer Filmemacherin, hat er drei Kinder, mit denen er in Chevrolet Chase Village im US-Bundesstaat Maryland lebt.

Zu Arbeit fährt Powell gerne mit dem Fahrrad und spielt in seiner Freizeit Gitarre und Golf. In der Vergangenheit engagierte er sich im Vorstand von gemeinnützigen Organisationen und Bildungseinrichtungen. "Nervtötend normal", so die "Washington Post".

jz

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Die Kollegen des neuen Fed-Chefs Wie sind die anderen drauf?

Bank of Japan: Haruhiko Kuroda
Er steht für eine ultralockere Geldpolitik und wurde dafür vom japanischen Finanzminister Taro Aso im vergangenen November gelobt. Haruhiko Kuroda ist seit 2013 Chef der Bank of Japan - etwa genau so lang gab es eine Abschwächung des Yen. Davon profitieren der Export und der Arbeitsmarkt des Landes. Die japanische Notenbank will die Konjunktur anschieben: Seit einigen Jahren gibt es daher eine gigantische Geldschwemme. Die war notwendig: Japans Wirtschaft kämpfte lange Zeit mit Deflation aufgrund von niedrigen Löhnen und geringen Investitionen. Eigentlich endet Kurodas Amtszeit im April dieses Jahres. Doch aktuell sieht es danach aus, als stünden dem 73-Jährigen weitere fünf Jahre als Notenbankchef bevor.