Börsengeschichte(n)

Greg Fleming

Greg "Saubermann" Fleming Der neue Shootingstar der Wall Street

Stand: 26.06.2014, 12:16 Uhr

Der Finanzprofi Greg Fleming ist gefragt. Der Top-Banker von Morgan Stanley gilt als sehr talentiert und mit der Finanzkrise scheint er auf den ersten Blick nichts zu tun gehabt zu haben. Deshalb traut ihm die Finanzwelt durchaus noch mehr zu.

Mit seinen 51 Jahren scheint der Chef der Vermögensverwaltung und Mitglied im Spitzenmanagement bei Morgan Stanley so begehrt wie nie. Finanzprofis halten es durchaus für möglich, dass er bei der Großbank die Leitung übernehmen und Firmenchef James Gorman einmal ablösen könnte. Allerdings nicht in nächster Zeit.

JPMorgan Chase Gebäude in New York

JPMorgan Chase JPMorgan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Selbst wenn der smarte Finanzprofi für das abgelaufene Jahr nach Informationen von "Bloomberg" alles in allem stolze 14,5 Millionen Dollar kassiert haben soll, werden ihm große berufliche Ambitionen nachgesagt. Und die könnten ihn auch von seinem derzeitigen Arbeitsplatz wegtreiben.

Morgan Stanley selbst wiegelt ab

So gilt Fleming als möglicher Topmanager bei anderen Finanzgrößen wie BlackRock oder American Express. Auch mit dem Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein versteht sich Greg Fleming gut. Durch ihn könnte er womöglich ebenfalls an einen lukrativen Posten gelangen. Wie gemunkelt wird, würde er gerne selbst einmal auf einem Chefsessel eines solchen Großkonzerns sitzen.

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein

Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Glaubt man Morgan Stanley, ist an all diesen Gerüchten nichts dran. Fleming habe keine Pläne, die Bank zu verlassen, heißt es. Fünf Jahre arbeitet Fleming schon hier und hat die Vermögensverwaltung unter seiner Leitung zu einem der stabilsten Segmente innerhalb des Geldinstituts gemacht, und zu einem der profitabelsten.

Dem Vater von drei Kindern werden von seinen Kollegen Führungsqualitäten bescheinigt: Anspruchsvoll und zielstrebig soll er sein und sich dabei kaum aus der Ruhe bringen lassen. Ein Top-Talent mit jeder Menge Selbstvertrauen und einer reinen Weste: Sein einziges Vergehen war wohl, dass er vor Jahren einen Strafzettel bekommen hat, weil er zu schnell gefahren ist.

Unbefleckt durch die Finanzkrise?

Einst ein Gigant der Wall Street: Lehman Brothers.

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Auf den ersten Blick scheint der Banker auch die Finanzkrise gut überstanden zu haben, ohne dass sein Ruf darunter gelitten hat. Ursprünglich hatte er bei Merrill Lynch angeheuert und war dort 2007 bis zum Stellvertreter des damaligen Bankenchefs Stan O'Neal aufgestiegen. Nachdem der im Zuge der Immobilien- und Kreditkrise in den USA und den dramatischen Auswirkungen für die US-Investmentbank geschasst wurde, durfte Fleming für knapp ein Jahr dort ans Ruder. Danach kam mit dem früheren Börsenbetreiber von NYSE Euronext John Thain ein Externer zum Zug.

Fleming half noch bei den Verhandlungen über den Verkauf des Geldinstituts an die Bank of America mit, dann kehrte er der Wall Street den Rücken. Stattdessen unterrichtete er an der juristischen Fakultät der Elite-Uni Yale. Und erst 2010, nachdem die Finanzkrise schon wieder überstanden war, dann das Comeback an der Wall Street bei Morgan Stanley. Damit erwarb sich Fleming ein "Saubermann"-Image und galt ab sofort als Gegenbeispiel zu den gierigen Bankern.

Sieht man aber genauer hin, ist gar nicht so klar, ob Fleming nun wirklich seine Hände in Unschuld wäscht oder ob er doch eine Mitschuld trägt an den milliardenschweren Verlusten, die Merril Lynch im Zuge der Finanzkrise durch Fehlinvestitionen in schlecht abgesicherte Hypotheken-Papiere verkraften musste. Immerhin war er damals für die entsprechende Abteilung zuständig, direkt verantwortlich machte ihn die Führungsetage trotzdem nicht.

Leonardo DiCaprio spielt den Betrüger Jordan Belfort. Still aus dem Kinofilm „Wolf of Wall Street“.

Wolf of Wallstreet. | Bildquelle: Filmwebsite

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