Treppe, an deren Ende ein Einbahnstraßenschild steht

Vertrauen erschüttert Der Libor wird abgeschafft

Stand: 27.07.2017, 16:21 Uhr

Jahrelang hatten Banker den Londoner Referenzzinssatz manipuliert. Nun zieht die britische Finanzmarktaufsicht die Konsequenzen: Bis Ende 2021 soll der Libor verschwinden. Was kommt stattdessen?

Für die Banken spielt der Libor seit den 1980er Jahren eine wichtige Rolle. Ob für Baukredite oder komplexe Derivate-Geschäfte - auf den Interbanken-Zinssatz basieren weltweit Finanzkontrakte in Höhe von rund 350 Billionen Dollar.  

Basis für Geschäfte in Billionenhöhe

Täglich wurde der Zinssatz in London festgelegt. Dazu melden die wichtigsten Geldhäuser die Zinsen, die sie aktuell für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Daraus errechnet sich der Libor. Eine Alternative ist der Euribor für den Euroraum.

Doch wegen Manipulationen ist der Libor in Misskredit geraten. Über mehrere Jahre hinweg hatten sich ein paar Banker abgesprochen und den Libor in die für sie vorteilhafte Richtung getrieben. Mehrere Großbanken mussten im so genannten Libor-Skandal Milliardenstrafen zahlen.

Libor-Chart 2002 bis 2013

Libor-Chart 2002 bis 2013. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Seit 2014 ist nicht mehr die britische Bankenvereinigung, sondern der US-Börsenbetreiber ICE zuständig für die Libor-Berechnung. Die Überwachung erfolgt durch die britische Finanzaufsicht FCA.

Suche nach Ersatz bis 2021

Weil inzwischen nur noch wenige Geldinstitute an der Berechnung des Libor teilnehmen, zieht die FCA die Notbremse. Am Donnerstag kündigte die Behörde an, den Interbanken-Zinssatz mittelfristig abzuschaffen. Bis Ende 2021 soll ein Ersatz für den Referenzzins eingeführt werden. Bis dahin hätten die an der Ermittlung des Zinssatzes beteiligten Banken eine Übergangsperiode zugesichert.

Unklar ist, wie der Ersatz aussehen wird und was mit Finanzprodukten passiert, die dann noch auf den Libor zurückgreifen. "Die Planung und die Überleitung müssen jetzt beginnen", forderte FCA-Chef Andrew Bailey am Donnerstag.

Droht auch dem Euribor das Ende?

Inzwischen überlegt auch die US-Notenbank Federal Reserve, ob sie einen Ersatz für den sogenannten Dollar Libor einführen will. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) denkt darüber nach, ob es bessere Alternativen zum Euribor gibt, den nach einem ähnlichen Verfahren berechneten Referenzzins für Euro-basierte Finanzkontrakte.

nb